Zwei Vereine mit ähnlichen Ambitionen, aber sehr unterschiedlichen Ausgangslagen. Während der 1. FC Union Berlin die Umsetzung des Stadion-Ausbaus vorbereitet, fehlen Hertha BSC weiterhin verbindliche Zusagen. Dabei ist fraglich, welche Strategie eigentlich der Berliner Senat verfolgt.

Ab 2027 (temporäre) Heimat des 1. FC Union und, natürlich, weiterhin Heimspielstätte von Hertha BSC: Das Olympiastadion im Berliner Olympiapark. / © Foto: Wikimedia Commons, Olaf Tausch, CC BY 3.0

© Visualisierung Titelbild: 1. FC Union Berlin / Stadion Hertha BSC: mit KI erstellt

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Seit Jahren prägt die Diskussion um Stadionneubauten und -modernisierungen die Fußballlandschaft in Berlin. Beide großen Hauptstadtvereine verfolgen ambitionierte Ziele, doch die Dynamik, mit der sie diese erreichen, unterscheidet sich inzwischen deutlich.

Während Erstligist Union Berlin nach langen Jahren der Vorbereitung endlich in die Phase der konkreten Umsetzung eintritt, stagniert das Stadionprojekt von Zweitligist Hertha BSC trotz wiederholter politischer Anläufe und öffentlicher Erwartungen weiterhin.

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Ausbau der Alten Försterei: Union Berlin bringt sein Großprojekt auf den Weg

Besonders in Köpenick hat sich zuletzt viel bewegt. Der 1. FC Union Berlin kündigte an, den umfassenden Ausbau der Alten Försterei nun verbindlich auf den Weg zu bringen, nachdem die letzten Verwerfungen mit dem Berliner Senat aufgrund des Verkehrskonzepts ausgeräumt worden sind.

Die Heimspielstätte soll in den kommenden Jahren deutlich vergrößert und technisch modernisiert werden, wodurch Union langfristig bessere Voraussetzungen im Wettbewerb erhält. Vorerst sollen 34.500 Plätze entstehen, perspektivisch ist sogar die Einrichtung von mehr als 40.000 Plätzen geplant – so denn die Infrastruktur rund um das Stadion in Köpenick dies ermöglicht.

Ab 2027 zieht der 1. FC Union ins Berliner Olympiastadion

Die Entscheidung, während der Bauphase vollständig ins Olympiastadion umzuziehen, möchte Union-Präsident Zingler als pragmatischen Schritt verstanden wissen, doch Teile der Anhängerschaft sehen genau dieses Vorgehen kritisch.

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Der Verein möchte dadurch vermeiden, über mehrere Saisons hinweg in einem halbfertigen Stadion zu spielen oder Kapazitäten drastisch reduzieren zu müssen. Dirk Thieme, Vorstand von Unions Stadion AG, nannte die Entscheidungen der vergangenen Wochen einen Meilenstein: „Wir haben einen Kompromiss gefunden, um das Bebauungsplanverfahren endlich abzuschließen„, erklärte er am Mittwochabend auf der Hauptversammlung.

Die Einigung mit dem Senat, die Alte Försterei auszubauen, ist ein entscheidender Schritt – nicht nur für die Stadion AG, sondern auch für den Verein. Denn der 1. FC Union ist nicht nur Hauptmieter, sondern hält mittlerweile auch 75,8 Prozent der Aktien.

Hertha BSC: Das Stadionprojekt bleibt politisch komplex und unentschieden

Während Union auf Umsetzungskurs ist, zeigt sich bei Hertha BSC ein ganz anderes Bild. Der Klub bemüht sich seit beinahe einem Jahrzehnt um eine Lösung für ein eigenes, reines Fußballstadion, das den historischen Olympiastadion-Betrieb ablösen könnte.

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Doch trotz zahlreicher Initiativen, Planungsansätze und wiederholter Appelle an die Landespolitik fehlt weiterhin eine verbindliche Entscheidung. Eine zentrale Herausforderung ist und bleibt die Standortfrage, eine andere die Finanzierung.

Das Treffen der Stadionkommission wurde im Oktober 2025 vertagt, einen neuen Termin gibt es nicht

Verschiedene Flächen wurden über die Jahre geprüft, verworfen oder in neuer Form wieder eingebracht. Obwohl Hertha-Mitgliedern im Mai zugesichert wurde, die Expertenkommission des Berliner Senats werde im Oktober 2025 ein Votum zum Stadionbau fällen, wurde das Treffen kurzfristig abgesagt, ohne neuen Termin.

Laut rbb-Informationen herrscht intern längst Einigkeit: Der Standort an der Jesse-Owens-Allee gilt als geeignet, die nötigen Unterlagen und Gutachten liegen vor. Der Verein sei startklar, heißt es. Doch das entscheidende grüne Licht fehlt – die Senatsverwaltung für Inneres und Sport blockiert bislang die Freigabe, aber warum?

Die Finanzierbarkeit ist und bleibt der Knackpunkt des Stadion-Projekts im Westend

Grund soll die Finanzierbarkeit des Projekts sein: Der Senat fordert ein belastbares Finanzierungskonzept. Hertha wiederum verweist auf fehlende Planungssicherheit – ohne zu wissen, was überhaupt gebaut werden darf, ließen sich keine Investoren gewinnen. Auch bei der Debatte um die Zukunft des Olympiaparks spielte der Stadionbau zuletzt kaum eine Rolle, was als Fingerzeig gewertet werden könnte.

Politisch wird die Lage zunehmend unübersichtlich, Sportsenatorin Iris Spranger fokussiert sich mittlerweile auf Berlins mögliche Olympiabewerbung. Hat die Landespolitik das Interesse am Projekt verloren? Fast scheint es so. Und Hertha BSC selbst?

Hertha BSC steht finanziell auch ohne Stadionprojekt enorm unter Druck

Finanziell jedenfalls steht Hertha BSC ohnehin unter Druck. Mit einem Verlust von 16 Millionen Euro und über 50 Millionen Euro Schulden bezweifeln selbst Aufsichtsräte, dass ein privat finanzierter Neubau realistisch wäre. Die ursprünglich kalkulierten 250 Millionen Euro dürften zudem durch Verzögerungen deutlich steigen.

Die Initiative „Blau-Weißes Stadion“ treibt das Projekt derweil mit kreativen Konzepten weiter: Ideen wie eine Kita im Stadion, Photovoltaik-Anlagen, Geothermie, sowie kulturelle Nutzung und soziale Projekte sollen das Bauvorhaben als Gewinn für die Stadt positionieren.

Doch mit Blick auf die anstehende Berlin-Wahl droht der nächste Rückschlag: Ob eine neue Regierung das Projekt mitträgt, ist ungewiss. Ein weiteres Jahr Stillstand scheint möglich, oder sogar mehrere Jahre.  Für Herthas Stadionträume wäre das ein weiterer herber Rückschlag.

Quellen: RBB, Hertha BSC, Berliner Morgenpost, 1. FC Union Berlin, B.Z., BILD, Der Tagesspiegel, Berliner Zeitung

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