Hochhäuser, neue Sportstätten und Infrastrukturprojekte: Der Pankower Ortsteil Prenzlauer Berg steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Mehrere Großprojekte könnten den populären Stadtteil in den kommenden Jahren stärker verändern als es vielen Bewohnerinnen und Bewohnern lieb ist. Doch die ambitionierten Projekte bieten auch viele Chancen.

Eine neue, 20.000 Zuschauer fassende Leichtathletik-Arena soll in Prenzlauer Berg entstehen, mitten im Jahnsportpark, direkt an den populären Mauerpark angrenzend. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH

© Titelbild: MLA+ / Studio M³ Architektur und Urbanismus 

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Der einstige Bezirk Prenzlauer Berg, heute Teil des Verwaltungsbezirks Pankow, gilt Vielen als weitgehend „fertig“ entwickelter Stadtteil: dicht bebaut, stark nachgefragt, geprägt von Gründerzeitquartieren, sanierten Altbauten und einer stabilen sozialen Struktur.

Doch dieser Eindruck trügt. In den kommenden Jahren (und vielleicht sogar Jahrzehnten) stehen mehrere Großprojekte an, die den Stadtteil – und damit auch den Bezirk Pankow – städtebaulich spürbar verändern dürften. Sie betreffen zentrale Verkehrsachsen, großmaßstäbliche Sport- und Wohnbauvorhaben sowie bislang unbebaute oder neu zu ordnende Flächen.

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Gemeinsam ist diesen Projekten ihre Dimension und ihr Potenzial, den Charakter ganzer Teilräume neu zu definieren. Gleichzeitig sind sie hoch umstritten, politisch sensibel und in Teilen noch nicht abschließend entschieden.

Umbau des Jahnsportparks: Moderne Sportstadt oder Verlust von Freiräumen?

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Zu den sichtbarsten Eingriffen zählt der geplante Umbau des Jahnsportparks inklusive eines neuen Stadions. Das Vorhaben soll eine zeitgemäße Sportinfrastruktur schaffen und den Standort langfristig sichern. Neben dem Stadion sind neue Trainingsflächen, Funktionsgebäude und ergänzende Nutzungen vorgesehen.

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Kritik entzündet sich vor allem an der Reduzierung von Grün- und Freiflächen sowie an der Frage, wie inklusiv der neue Park künftig sein kann. Fest steht: Der Jahnsportpark wird sich vom offenen, vielfältig genutzten Stadtraum zu einer stärker funktionalisierten Sportanlage wandeln, mit weitreichenden (und noch nicht vollständig absehbaren) Folgen für das umliegende Quartier.

Schönhauser Allee-Brücke: Infrastruktur als städtebaulicher Brennpunkt

© Visualisierung: Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher und Klimaschutz

Der geplante Neubau der Schönhauser Allee-Brücke ist ein weiteres Schlüsselprojekt. Die in die Jahre gekommene Brücke ist eine der wichtigsten Verkehrsadern im Nordosten Berlins. Ihr Ersatzneubau ist technisch notwendig, gleichzeitig aber auch ein städtebaulicher Einschnitt.

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Während der Bauzeit drohen massive Einschränkungen für Verkehr, Handel und Aufenthaltsqualität. Langfristig eröffnet der Neubau jedoch Chancen für eine Neuordnung des Straßenraums, etwa zugunsten des Fahrradverkehrs. Ob diese Potenziale ausgeschöpft werden, wird maßgeblich darüber entscheiden, wie sich die Schönhauser Allee künftig anfühlt.

Hoch hinaus am Ernst-Thälmann-Park: Entstehen 400 neue Wohnungen?

Pankow Güterbahnhof Thälmannpark

© Visualisierung: Tchoban Voss Architekten, Christian Gérôme

Am Rand des Ernst-Thälmann-Parks ist ein Hochhausprojekt geplant, das zusätzlichen Wohnraum schaffen soll. Die Fläche eines ehemaligen Güterbahnhofs wird damit neu interpretiert, allerdings deutlich dichter und höher als die umgebenden Quartiere.

Das Projekt steht exemplarisch für den Zielkonflikt zwischen Nachverdichtung und dem Schutz gewachsener Strukturen. Befürworter verweisen auf dringend benötigte Wohnungen, Kritiker (zu denen vor allem das Bezirksamt Pankow selbst gehört) auf Verschattung, Maßstabsbrüche und den sensiblen Umgang mit dem denkmalgeprägten Umfeld.

Zuletzt hatten sich Bezirk und Investor in vertraulichen Gesprächen wieder angenähert, der Bau von bis zu 400 neuen Wohnungen steht im Raum. Ob das Projekt nun so umgesetzt wird, ist bislang aber noch nicht in trockenen Tüchern.

„Fennpfuhler Tor“: Neues Hochhausquartier an der Schnittstelle zwischen Prenzlauer Berg, Lichtenberg und Friedrichshain

© Visualisierung: MLA+ / Studio M³ Architektur und Urbanismus 

An der Storkower Straße entsteht mit dem Projekt „Fennpfuhler Tor“ in den kommenden Jahren ein ganzes Hochhausquartier. Mehrere Türme, gemischte Nutzungen und eine markante Silhouette sollen einen neuen Stadtteil-Eingang markieren. Das Projekt reicht weit über Prenzlauer Berg hinaus und betrifft auch angrenzende Quartiere in Lichtenberg und Friedrichshain.

Städtebaulich könnte das Vorhaben für einen Paradigmenwechsel stehen: weg vom zurückhaltenden Blockrand, hin zu mutiger, vertikaler Verdichtung. Ob das Quartier urbane Qualität erzeugt oder als isoliertes Ensemble wahrgenommen wird, hängt wesentlich von Erdgeschosszonen, Freiräumen und Anbindung ab.

Bötzow Campus: Aufwendige Transformation eines Industrieareals

© Visualisierung: DCA/Laborgh

Der Bötzow Campus, an der Prenzlauer Allee in Sichtweite des Alexanderplatzes gelegen, ist das am weitesten fortgeschrittene Projekt unter den Großvorhaben. Auf dem ehemaligen Brauereigelände entsteht ein gemischt genutztes Quartier mit Büros, Gewerbe, Kultur und öffentlichen Räumen. Große Teile sind bereits fertiggestellt oder im Bau, einzelne Bausteine des Vorhabens sind noch nicht realisiert.

Der Campus zeigt, wie industrielle Bestandsbauten in einen neuen städtischen Kontext überführt werden können. Zugleich verändert er die östlichen Bereiche des Prenzlauer Bergs nachhaltig: funktional, architektonisch, sozial und sogar gastronomisch. Denn auf dem Campus ist ein riesiger neuer Biergarten entstanden, mit weitläufigen Außenflächen.

Ungewisse Zukunft für zwei Großprojekte: Pyramidenhäuser und A100-Verlängerung

© Visualisierung: LANGHOF GmbH

Deutlich unsicherer ist die Realisierung zweier Hochhäuser, die der Architekt Christoph Langhof für die Eldenaer Straße vorgeschlagen hat. Die sogenannten Pyramidenhäuser würden ein neues Hochpunkt-Ensemble schaffen, sind politisch jedoch hoch umstritten und bislang nicht beschlossen. Im Pankower Bezirksamt gibt es Vorbehalte gegen das Vorhaben, auch das Landesdenkmalamt sieht das Vorhaben skeptisch.

Ähnlich offen ist der Weiterbau der Autobahn A100 bis zur Storkower Straße. Der 17. Bauabschnitt würde tief in den Stadtraum eingreifen und erhebliche verkehrliche wie städtebauliche Folgen haben. Ob und wann dieses Projekt kommt, bleibt eine der zentralen offenen Fragen für den Prenzlauer Berg. Der Bund hält bislang an der Realisierung des Vorhabens fest, hat den Zeitplan allerdings deutlich in die 2030er Jahre hinein geschoben. Ausgang ungewiss.

Prenzlauer Berg: Ein Stadtteil zwischen Behutsamkeit und Transformation

Die Summe dieser Projekte zeigt: Prenzlauer Berg steht vor einer neuen Phase tiefgreifender Veränderungen. Moderne Sportstätten, neuer Wohnraum und zeitgemäße Infrastruktur bieten durchaus Chancen für eines der populärsten Quartiere Berlins. Gleichzeitig aber fordern Hochhäuser, Großbauten und Verkehrsinfrastruktur den gewachsenen Charakter des Stadtteils (und seine Bewohner) heraus.

Wie gut dieser Balanceakt gelingt, wird darüber entscheiden, ob Prenzlauer Berg auch künftig als lebenswerter, vielfältiger Stadtraum wahrgenommen wird, oder ob die Großprojekte zu Brüchen im urbanen Gefüge führen.

 

Quellen: HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, MLA+ / MLA+ / Studio M³ Architektur und Urbanismus, Architektur Urbanistik Berlin, Berlin Bauboom, OTTO WULFF Projektentwicklung, Berliner Immobilienmanagement GmbH, BUND, O+M Architekten GmbH, Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, Bürgerinitiative Jahnsportpark, NaturFreunde Berlin, Verein Pfeffersport, Bürgerverein Gleimviertel, rbb, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Tchoban Voss Architekten, Christian Gérôme, DCA, Laborgh, LANGHOF GmbH

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6 Kommentare

  1. Löwe 12. Januar 2026 at 07:17 - Reply

    Die Visualisierung von Tchoban Voss Architekten, Christian Gérôme gefällt mir sehr gut.

    Siehe auch mal CapitalSpring, wo viel grün nnerhalb hoher moderner Gebäude verwirklicht wurde https://citynomads.com/designs-on-asia-capitaspring-singapore/

  2. Hnh 12. Januar 2026 at 09:19 - Reply

    Jedes Jahr nimmt der Anteil von weichgezeichnetem Fassadengrün in den Visus um 10 Prozentpunkte zu. Übrig bleibt davon genau 0%. Diese Augenwischerei ist eine Pest.

  3. Quax 12. Januar 2026 at 14:53 - Reply

    Niedlich: „… oder ob die Großprojekte zu Brüchen im urbanen Gefüge führen.“
    Natürlich passiert genau das. Mieten steigen, Alteingesessene flüchten, Neuberliner ziehen zu. Ja, Zeiten ändern sich. Nur „Investoren“ und „Projektentwickler“ bleiben, was sie sind..

    • Max 13. Januar 2026 at 12:09 - Reply

      Meinst du die neuen Alteingesessenen, weil nach der Wende wurde ja die Bewohner fast komplett ersetzt.

  4. biLeam 12. Januar 2026 at 20:39 - Reply

    Toll, erst 1-2 Familienhäuser innerhalb des S-Bahnrings bauen und dann den frech (und gewinnbringend) vergeudeten Platz mit Wohnhochäusern in pyramidabler Selbstüberhebung wieder ausgleichen wollen! Soll der arme Rest doch im Schatten wandeln.

    „Fennpfuhler Tor“ (klar, denkt dir einfach eine historisch klingende Topografie aus) und die „Bebauung am Ernst T. – Park“ (wo ist der nochmal auf der Visu?) sehen auch nicht nach klug durchdachten, den Menschen dienenden Ansätzen aus. Für wen war Stadt gleich?

  5. Ewald Karl 13. Januar 2026 at 15:47 - Reply

    Wissen die Investoren und Interessenten am „Fennpfuhler Tor“, dass sie nach Wunsch der CDU bald von Balkon herrlichen Autobahnlärm und -mief genießen können? Schließlich soll die Storkower Straße doch nach Wunsch von Verkehrsminster und Bürgermeister zur „mehrspurigen Stadtstraße“ auagebaut werden.

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