Die Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße steht vor einer umfassenden Grundinstandsetzung. Ab 2030 soll das Gebäude für rund elf Jahre schließen. Bereits jetzt laufen vorbereitende Maßnahmen, darunter die Auslagerung von Millionen Büchern.

Die Visualisierung zeigt das neu geordnete Foyer der Staatsbibliothek. Ein zusätzlicher Eingang am Marlene-Dietrich-Platz schafft künftig eine direkte Verbindung zwischen Potsdamer Straße und Kulturforum. Durch die Erweiterung der öffentlichen Bereiche und neue Servicezonen öffnet sich das Gebäude stärker zur Stadt. Auch eine Cafeteria mit rund 140 Plätzen ist hier vorgesehen. / © Visualisierung: gmp Architekten
© Titelbild: Wikimedia Commons, Da flow, CC BY-SA 3.0
Die Staatsbibliothek am Kulturforum steht vor einer umfassenden Sanierung. Das markante Gebäude, das zu den bedeutendsten Kulturbauten der Berliner Nachkriegsmoderne zählt, wurde von Hans Scharoun zwischen 1967 und 1978 entworfen und später unter Denkmalschutz gestellt. Mit rund 114.000 Quadratmetern Brutto-Grundfläche prägt das sogenannte „Bücherschiff“ bis heute das Ensemble zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie.
Nach mehr als vier Jahrzehnten intensiver Nutzung zeigen sich jedoch deutliche Mängel. Sowohl die Bausubstanz als auch nahezu alle technischen Anlagen erreichen ihre Belastungsgrenzen. Immer wieder treten technische Störungen und Wasserschäden auf. Zudem verbaute man in den 1960er- und 1970er-Jahren Materialien, die heute als schadstoffbelastet gelten. Zwar entfernte man bereits in Teilbereichen Asbest, doch vor allem die komplex geformten Lesesaaldecken lassen sich nur bei vollständiger Schließung sanieren.
Schließung der Staatsbibliothek am Kulturforum ab 2030: Wie sich das Großprojekt über mehrere Etappen entwickelt
Damit die eigentliche Hauptmaßnahme beginnen kann, laufen zunächst vorbereitende Arbeiten. Bis dahin richtet man Ausweichstandorte her, plant Umzüge und saniert den Bücherturm von Schadstoffen. Ab 2030 schließt das Haus dann für voraussichtlich elf Jahre. Damit dauert die Bauphase nahezu so lange wie die ursprüngliche Errichtung.
Die Dimension des Projekts ergibt sich nicht nur aus der Gebäudegröße, sondern auch aus der komplexen Logistik. Mehr als 5,4 Millionen Bücher und Medien müssen ausgelagert werden. Gleichzeitig organisiert die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Arbeitsplätze für rund 650 Beschäftigte neu. Der Standort „Unter den Linden“ bleibt jedoch geöffnet und übernimmt weiterhin die Ausleihe.
Rund 1,1 Mrd. Euro genehmigt: Technische Infrastruktur wird vollständig erneuert, neues Energiekonzept geplant
Im Zentrum der Grundinstandsetzung steht die vollständige Erneuerung der technischen Infrastruktur. Klimatechnik, Elektrotechnik, Buchtransportanlagen, Beleuchtung, Datennetze sowie sicherheitstechnische Systeme ersetzt man Schritt für Schritt. Auch sämtliche Aufzüge werden ausgetauscht, damit das Gebäude langfristig betriebssicher bleibt. Für die Grundinstandsetzung wurden rund 1,1 Milliarden Euro genehmigt, zusätzlich kalkuliert man etwa 350 Millionen Euro für Risiken und mögliche Baupreissteigerungen.
Zugleich verfolgt das Projekt ein neues Energiekonzept. Künftig nutzt man Geothermie, bindet Photovoltaik ein und verwertet die Abwärme aus Serverräumen. Auf diese Weise senkt das Haus seinen Energiebedarf deutlich. Gleichzeitig achtet die Planung darauf, alle Eingriffe mit den Anforderungen des Denkmalschutzes zu vereinbaren.
Funktionale Neuordnung und Öffnung nach Osten: Wie sich die Staatsbibliothek räumlich verändert
Neben der technischen Modernisierung ordnet man auch die Nutzung neu. Unterschiedliche Arbeitszonen, Gruppenräume, informelle Lernbereiche und Veranstaltungsflächen ergänzen künftig den klassischen Lesesaal. Darüber hinaus entsteht eine Cafeteria mit rund 140 Plätzen. So reagiert die Bibliothek auf veränderte Arbeits- und Aufenthaltsbedürfnisse.
Ein wesentlicher Eingriff betrifft die Stadträume rund um das Gebäude. Ein neuer Eingang am Marlene-Dietrich-Platz öffnet das Haus nach Osten. Durch bauliche Durchbrüche verbindet man das erweiterte Foyer mit der Alten Potsdamer Straße und dem Kulturforum.
Das 2019 ausgewählte Büro gmp setzte sich im Wettbewerb unter anderem mit diesem Ansatz durch, da die Jury darin eine angemessene Antwort auf den gewandelten städtebaulichen Kontext sah.

Im Lesesaal entstehen neben klassischen Arbeitsplätzen neue Gruppenräume und informelle Lernzonen. Die Planung integriert diese Bereiche in die terrassierte Struktur des denkmalgeschützten Bestands. So verbindet das Konzept die charakteristische Architektur Scharouns mit zeitgemäßen Anforderungen an Lernen und Forschung. / © Visualisierung: gmp Architekten
Quellen: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, rbb24
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Immer wieder überwältigt, mit welchen astronomischen Summen kulturelle Objekte in Berlin ertüchtigt oder neu errichtet werden.
250 Mio für ein Zweitliga Stadion, Museum der Moderne für über ne halbe Milliarde (Neubau in Supermarkt-Design) und nun 1,1 Milliarden für eine Bibliothek. Und wie man weiß, bleibt es nicht bei dieser Kalkulation.
Ich verstehe, dass die öffentliche Hand kulturelle und historische Substanz erhalten sollte und auch der Neubau wichtig ist.
Doch warum geht’s kaum noch, ohne mit Hunderte Millionen zu jonglieren?
Im Ergebnis ist das Erscheinungsbild und die Aufenthaltsqualität oft eher mittelmäßig.
Und in diesem Beispiel: für wen eigentlich?
Ja, Kultur und kultureller Besitz ist nur schwer zu quantifizieren.
Aber werden in der heutigen Zeit noch so viele Bücher ausgeliehen und findet noch so viel Recherche Arbeit in Bibliotheken statt?
Was hätte die öffentliche Hand mit über 1 Milliarde so alles bewegen können in dieser Stadt, wäre sie nur klug investiert worden.
Was nicht ganz klar gemacht wurde, wieviel dieser Kosten durch die Altlast Asbestbeseitigung entstehen.
Ich frage mich hier warum man bei dieser Kosten – und Zeitdimension nicht einfach das ganze sofort abreißt und neu baut. Da könnte der Denkmalschutz wohl ein Update erhalten.
Die Kosten fallen wohl trotzdem an.Die Kosten für die Asbestentsorgung variieren stark nach Menge, Region und Art des Asbests, liegen jedoch beim Fachbetrieb meist
zwischen
und
Euro pro Tonne für die reine Deponierung. Für den Ausbau durch Spezialfirmen (inkl. Verpackung/Transport) fallen oft
bis
Euro pro
an. Ein Container (z.B.
) kann über
Euro kosten.
Wichtige Kostenfaktoren & Preisbeispiele:
Asbestdachsanierung (Einfamilienhaus, ca.
): Gesamtbaukosten können inklusive Gerüst, Abbruch und Entsorgung schnell
bis über
Euro erreichen.
Kleine Mengen (Privatanlieferung): Oft pauschal ca.
Euro für bis zu
.
Verpackung: Spezial-Big-Bags für Asbest kosten etwa
bis
Euro pro Stück.
Entsorgungsgebühren: Regionale Deponien verlangen typischerweise
bis
Euro/Tonne.
Sicherheitsmaßnahmen: Luftdichte Verpackung und fachgerechter Ausbau sind zwingend erforderlich (TRGS 519).
Es ist dringend ratsam, Angebote von spezialisierten Entsorgungsunternehmen zu vergleichen, da die Preise stark variieren.
[Link: https://www.entsorgo.de/asbest/entsorgen/ entsorgo.de/asbest/entsorgen/], [Link: https://www.rathscheck.de/magazin/asbestsanierung-welche-kosten-auf-sie-zukommen/ rathscheck.de], [Link: https://obolus-group.de/asbest-entsorgen/ obolus-group.de]
Das Buch an sich wird niemals verschwinden. Dafür sorgt allein die schiere Masse. In allen Museen hängen heute Niederländische Meister, warum, weil einfach Millionen Bilder produziert wurden. Das Buch als Träger von Information, ohne Strom, ist eine kulturelle Meisterleistung. Vielleicht irgendwann auch museumsreif. Bis dahin gilt es dieses Kulturgut zu schützen. Mein Eindruck ist eher, dass sich Verantwortliche nicht mehr auskennen, sie vertrauen auf Expertisen von außerhalb, sie können nicht mehr verifizieren, ob die aufgerufenen Preise überhaupt marktgerecht sind. Man zieht sie über den Tisch, der Bund zahlt, weil sich auch da keiner wirklich mit der Problematik auseinanderstezen will. Sanieren, weil es sein muss! Das hat alles Dimensionen erreicht, die dem Bürgerherz über den Kopf wachsen. Wer entscheidet da was? Wer sind die Bedenkenträger? Wie kommt so eine Entscheidung zustande? Auch der Artikel hier kratzt nur an der Oberfläche! Echte Recherche sieht anders aus. Ich fühle mich nicht ausreichend informiert!
Ich hoffe, die fehlgenutzte Tiefgarage wird dann wieder zum Parken freigegeben. Bücher kann man auch am Stadtrand lagern und nicht auf wertvollen innerstädtischen Flächen. Durch die Parkgebühren könnte man zumindest einen Teil der Kosten wieder hereinholen. Auch für die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sollte endlich eine Nutzerfinanzierung eingeführt werden.