Am Ericusgraben in der Hamburger HafenCity entsteht die neue Deutschlandzentrale der Reederei MSC. Der siebengeschossige Baukörper wird teilweise in das Hafenbecken hineinragen und setzt auf ein nachhaltiges Energiekonzept. Bis Ende 2028 sollen hier rund 700 Mitarbeitende arbeiten.

© Titelbild: Wandel Lorch Götze Wach

 

ANZEIGE

Am nördlichen Rand der HafenCity entwickelt die Mediterranean Shipping Company (MSC) ihre neue Deutschlandzentrale. Auf einem rund 2.600 Quadratmeter großen Grundstück am Lohsepark, direkt am Brooktorhafen, entsteht ein über 100 Meter langer und nur gut 20 Meter breiter Baukörper. Das Gebäude positioniert sich südlich der Deichtorhallen und in unmittelbarer Nähe zum Spiegel-Haus. Dadurch fügt sich der Neubau in ein Umfeld ein, das bereits heute von markanten Solitären und gewerblichen Nutzungen geprägt ist.

Der Bau folgt zugleich der Tradition der Hamburger Fleetbebauung, denn er ragt teilweise in das Hafenbecken hinein. Ein Abschnitt gründet auf bis zu 16 Meter langen Pfählen im Wasser. Zunächst ziehen die Bauunternehmen eine Spundwand, anschließend schütten sie das Areal auf und schaffen so den tragfähigen Baugrund. Die Fertigstellung plant MSC für das vierte Quartal 2028, noch im selben Jahr sollen bis zu 700 Mitarbeitende einziehen.

Entwurf der neuen MSC-Deutschlandzentrale im Quartier Am Lohsepark: Transparente Fassade und flexible Grundrisse

Den europaweit ausgelobten Wettbewerb gewann das Frankfurter Büro Wandel Lorch Götze Wach. Geplant ist ein klar gegliederter, siebengeschossiger Glasbau. Helle Fassadenelemente strukturieren die großzügigen Fensterflächen und übernehmen gleichzeitig den Sonnenschutz. So entsteht eine ruhige, vertikal betonte Erscheinung, die die Länge des Baukörpers gliedert und dennoch die Transparenz betont.

ANZEIGE

Im Inneren organisiert das Planungsteam mehr als 15.000 Quadratmeter Bürofläche in flexibel nutzbaren Einheiten. Modulare Arbeitsplätze erlauben unterschiedliche Raumkonfigurationen, sodass sich die Flächen an veränderte Anforderungen anpassen lassen. Ergänzend entstehen Konzentrationszonen mit akustischen Trennwänden, Telefonkabinen sowie informelle Treffpunkte. Begrünte Aufenthaltsbereiche und Ruhezonen sollen die Aufenthaltsqualität spürbar erhöhen. Im Erdgeschoss öffnet sich das Gebäude zur Stadt: Auf mindestens 1.000 Quadratmetern sind öffentlich zugängliche Nutzungen vorgesehen, darunter ein Showroom sowie ein Restaurant.

Nachhaltiges Energiekonzept des Neubaus am Brooktorhafen: Recyclingbeton, Photovoltaik und Wärmepumpe

MSC verfolgt mit dem Neubau ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept und strebt die DGNB-Sonderauszeichnung Umweltzeichen an. Ein Massivbausockel aus Recyclingbeton sowie aufbereitete Klinker bilden die konstruktive Grundlage. Damit setzt das Unternehmen bewusst auf ressourcenschonende Materialien und reduziert den Einsatz primärer Rohstoffe.

Für die Energieversorgung kombiniert das Projekt mehrere Bausteine. Photovoltaikelemente auf dem Dach erzeugen Strom, während eine reversible Wärmepumpe die Wärme und Kälteversorgung übernimmt. Zusätzlich nutzt das Gebäudekonzept anfallende Abwärme erneut im System. Auf diese Weise erhöht MSC die Energieeffizienz und senkt langfristig den Verbrauch. Angaben zu den Baukosten macht das Unternehmen jedoch nicht.

ANZEIGE

Strategische Bedeutung des Standorts Hamburg: Beteiligung an der HHLA und langfristiges Engagement

Mit der neuen Zentrale unterstreicht MSC die Bedeutung des Hamburger Hafens für die eigene Unternehmensstrategie. Seit November 2024 hält die Reederei 49,9 Prozent an der Hamburger Hafen und Logistik AG, während die Stadt Hamburg die übrigen Anteile besitzt. Bereits Ende 2023 sicherten sich beide Partner gemeinsam mehr als 92 Prozent der Anteile, um die strategische Entwicklung des Hafens voranzutreiben.

Der Einstieg löste jedoch auch Kritik aus – Gewerkschaften äußerten Zweifel an den langfristigen Zielen des Unternehmens. Vertreter von ver.di warnten damals vor einer zu starken Einflussnahme privater Eigentümerinteressen. Finanzsenator Andreas Dressel hob hingegen hervor, dass das langfristige Bekenntnis eines weltweit führenden Unternehmens zur Hansestadt die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens stärke. Vor diesem Hintergrund markiert der Neubau am Ericusgraben nicht nur ein architektonisches, sondern auch ein wirtschaftspolitisches Signal.

 

Quellen: MSC Mediterranean Shipping Company, Hafen Hamburg, Norddeutscher Rundfunk

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.