Wo einst Flugzeuge starteten und landeten, entsteht künftig ein Hochschulcampus. Am Montag fiel in Tegel der offizielle Startschuss für den Umbau des ehemaligen Terminal A zum neuen Standort der Berliner Hochschule für Technik. Damit beginnt die eigentliche Bauphase eines der größten Bestandssanierungsprojekte in Berlin.

Weitläufiger, entkernter Innenraum eines mehrstöckigen Betongebäudes mit Bauschutt auf dem Boden.

Nach der Entkernung befreiten die Bauteams das Terminal A umfassend von Schadstoffen. Die Bestandsstrukturen waren großflächig mit asbesthaltigen Baustoffen verputzt, die eine aufwendige Sanierung erforderten. / © Foto: Stefan Müller / agn

© Titelbild: agn Niederberghaus & Partner GmbH

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Mit dem symbolischen Spatenstich ist am 27. Juli der Startschuss für eines der größten Hochschulbauprojekte Berlins gefallen: Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel beginnt der Umbau des Terminal A zum künftigen Campus TXL der Berliner Hochschule für Technik (BHT). Dort sollen künftig rund 2.390 Studierende lernen, forschen und arbeiten. Die Fertigstellung der Hauptbaumaßnahme ist für das Jahr 2032 vorgesehen.

Bauherrin des Projekts ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Mit der Generalplanung wurde bereits Anfang 2017 das Architekturbüro agn Niederberghaus & Partner GmbH beauftragt, das den Umbau begleitet. Die Gesamtkosten des Vorhabens belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund 450 Millionen Euro. Davon werden 170 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes finanziert.

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Baustelle am Terminal A in Tegel: Jahre der Vorbereitung zahlen sich aus

Brachliegendes, sandiges Baufeld mit Erdaushub und Trümmerresten. Im Hintergrund erhebt sich das mehrstöckige Terminalgebäude mit Glasfassade, Rampenkonstruktion und Antennen auf dem Dach.

Im Innenring des Terminal A wurde die frühere Parkpalette bereits zurückgebaut. An ihrer Stelle soll künftig ein begrünter Campusplatz mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Bevor der sichtbare Umbau beginnen konnte, war umfangreiche Vorarbeit nötig. Seit 2023 laufen vorgezogene Maßnahmen: Die Bauteams entkernten das Gebäude, befreiten es großflächig von Schadstoffen und bauten es in Teilen zurück. Unter anderem entfernten sie das Servicegebäude A2 sowie die Parkpalette im Innenring. Dabei lagerten sie rund 40.000 erhaltenswerte, geschützte Bauteile fachgerecht ein.

Diese Rückbauphase nahm deutlich mehr Zeit in Anspruch als zunächst gedacht. Die Größe des Gebäudes und der grundlegende Nutzungswechsel vom Verkehrsbau zum Bildungsbau stellten besondere Anforderungen an die Planung. Besonders aufwendig gestaltet sich laut Elmar Rottkamp vom Architekturbüro agn die Restaurierung der markanten roten Fluggastbrücken. Sie sind stark verwittert und müssen für den Wiedereinbau vollständig demontiert und aufgearbeitet werden.

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Fassade des Flughafens Tegel unter Denkmalschutz: Was vom Terminal erhalten bleibt

Verwitterte, rote Fluggastbrücke aus Metall, die an ein mehrstöckiges Gebäude mit Glastreppenhaus und Betonelementen anschließt. Davor ein Holzzaun sowie eine leere Fahrbahnfläche mit Fahrradständern.

Die charakteristische Fassade des Terminal A samt der roten Fluggastbrücke bleibt als prägendes Gestaltungselement erhalten. Da das Ensemble seit 2020 unter Denkmalschutz steht, demontieren die Bauteams verwitterte Bauteile wie diese Brücke, arbeiten sie auf und bauen sie anschließend wieder ein. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Das 1974 eröffnete Terminal gilt als architektonische Ikone der 1970er Jahre. Entworfen wurde es vom renommierten Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner. Seit 2020 stehen das Terminal und die angrenzenden Vorfeldbereiche unter Denkmalschutz. Entsprechend bleibt das markante äußere Erscheinungsbild weitgehend erhalten und wird lediglich durch eine zeitgemäße Verglasung ergänzt. Auch die charakteristische Grundstruktur der Ankunftsebene sowie die farbigen Orientierungstürme sollen bewahrt werden.

Um die Anforderungen des Denkmalschutzes präzise zu erfassen, setzte das Architekturbüro agn auf Laserscanning und Building Information Modeling. Die Zugänglichkeit des Gebäudes war dabei stark eingeschränkt. Elmar Rottkamp, Architekt und Geschäftsführer bei agn, erklärte dazu, die BIM-Methode mache komplexe Zusammenhänge verständlich und handhabbar. Mit dem Tegel-Projekt sei so ein digitales Denkmal entstanden, das jedes einzelne Element dokumentiere und kartiere.

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Vom Terminal zum Hörsaal: Das künftige Nutzungskonzept für das Flughafengebäude

Architekturvisualisierung eines hellen Hörsaals mit Reihen weißer Tische und Stühlen sowie einer Leinwand. Die Decke besteht aus sichtbaren Stahlträgern, links begrenzt eine rote Überdachung den Raum, rechts fällt Tageslicht durch ein Glasdach ein.

Diese Visualisierung zeigt, wie aus einem ehemaligen Wartebereich des Flughafens künftig ein Hörsaal wird. Aus dem ehemaligen Verkehrsdrehkreuz wird ein moderner Bildungscampus. / © Visualisierung: agn Niederberghaus & Partner GmbH

Im sanierten Gebäude entstehen Hörsäle, Seminarräume, Labore, eine Bibliothek sowie Verwaltungsflächen und eine Mensa. Die früheren Parkdecks im Innenring werden zu einem begrünten Campusplatz. Der teilweise Rückbau der alten Umfahrung schafft zusätzlich Platz für den sogenannten Skywalk. Dieses neue Erschließungskonzept soll für zusätzliche Aufenthaltsqualität sorgen.

Auch bei der Energieversorgung setzt das Projekt auf zukunftsfähige Lösungen. Geplant ist ein LowEx-System, das mit Temperaturen unter 50 Grad arbeitet und dadurch Ressourcen schont. Torsten Heywinkel, ebenfalls Geschäftsführer bei agn, betonte, am Projekt Tegel zeige sich, wie ein optimiertes Wärme- und Kältenetz funktioniere. Es könne Energieverluste nachhaltig reduzieren.

Berlin TXL: Der Campus als Baustein eines größeren Projekts

Die Visualisierung zeigt das umgestaltete Terminal des ehemaligen Flughafens Tegel mit dem historischen Tower, neuen Forschungs- und Hochschulgebäuden, einer Wasserfläche sowie öffentlichen Plätzen im künftigen Berlin TXL.

So soll das ehemalige Flughafenterminal nach der Umsetzung der Berlin-TXL-Pläne aussehen. Rund um den denkmalgeschützten Tower entstehen der Campus TXL, neue Arbeitsplätze und öffentliche Freiräume. / © Visualisierung: Morriet und Brro

Der neue Campus ist Teil der Urban Tech Republic, eines rund 200 Hektar großen Forschungs- und Industrieparks auf dem ehemaligen Flughafengelände. Direkt angrenzend entsteht im Terminal B unter Leitung der Berlin TXL Management GmbH zudem ein Gründungs- und Innovationszentrum. Auf dem Areal findet außerdem die neue Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienstakademie ihren Platz. Auch das geplante Schumacher-Quartier kommt Stück für Stück voran.

Reinickendorfs Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner sprach anlässlich des Spatenstichs von einem neuen Kapitel für den Bezirk. Aus einem Ort des Fliegens werde ein Ort des Wissens, der Forschung und der Innovation, so die CDU-Politikerin. Wo früher zwischen Gate und Flugzeug kurze Wege zählten, sollen künftig kurze Wege zwischen Ausbildung, Forschung und praktischer Anwendung entstehen. Angesichts der angespannten Situation an Berlins Hochschulen gewinnt die Schaffung neuer Bildungs- und Forschungsflächen zusätzlich an Bedeutung.

Überdachter Bereich mit sechseckigen Betonstützen und sandigem Boden. An einer Wand ist das historisches Wegeleitsystem mit den Gate-Nummern 11, 12 und 13 sowie weißen Richtungspfeilen.

Auch im rückgebauten Zustand sind die charakteristischen Elemente des Terminal A noch deutlich erkennbar. Die sechseckigen Betonstützen sowie die gesamte Tragstruktur des Gebäudes bleiben erhalten. Sie sollen künftig Teil des neuen Campus werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: agn Niederberghaus & Partner, Bezirksamt Reinickendorf, Berlin TXL Management, energum GmbH

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