Die Westernstadt „Old Texas Town“ in Berlin-Spandau steht vor einer ungewissen Zukunft. Während der Eigentümer den Abriss plant und ein Rechenzentrum errichten will, kämpfen die Betreiber des Cowboy-Clubs um den Erhalt der Anlage. Zwischen Kündigung, Gerichtsverfahren und politischer Unterstützung entwickelt sich ein Streit um eines der ungewöhnlichsten Freizeitgelände der Stadt.
Die Westernstadt in Spandau ist ein beliebtes Ausflugsziel für viele Berlinerinnen und Berliner.

Der Cowboy Club Old Texas hat seine Wurzeln im Jahr 1939 und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im amerikanischen Sektor Berlins neu gegründet. Seit 1950 ist er offiziell als Verein eingetragen und trägt bis heute den Namen „Old Texas“. / © Foto: IMAGO / Ipon

© Fotos: IMAGO / Ipon

 

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Seit 57 Jahren existiert die Westernstadt „Old Texas Town“ im Spandauer Ortsteil Haselhorst. Auf 10.500 Quadratmetern entstanden über die Jahrzehnte rund zwei Dutzend Gebäude, darunter Saloon, Kirche, Bank und ein Gefängnis. Auch Werkstätten, eine Schmiede und eine historische Apotheke gehören zum Gelände. Für viele Berlinerinnen und Berliner war der Ort eine Mischung aus Freizeitpark, Vereinsgelände und Kulisse.

Der Trägerverein „Cowboy Club Old Texas“ pachtete das Grundstück seit 2009 für einen symbolischen Euro im Monat. Nun ist der Vertrag ausgelaufen. Der Eigentümer, die Dr. Aldinger & Fischer Grundbesitz und Vermarktungs GmbH, verlangt die Rückgabe. Da der Verein das Gelände nicht räumen will, kündigte die Firma rechtliche Schritte an.

Protest und Öffentlichkeit: Verein setzt auf Feste, Petition und politische Unterstützung in der Westernstadt

Für den Verein ist ein Umzug keine Option. Vorsitzender Ralf Keber betonte, es sei unrealistisch, eine komplette Stadt innerhalb von drei Monaten abzubauen, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Auch sei die Westernstadt in dieser Form nicht an einen anderen Standort übertragbar. Die Betreiber hoffen auf eine Lösung im laufenden Rechtsstreit und veranstalten weiterhin monatliche Feste. Allein im August kamen laut Verein rund 1.000 Besucher.

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Eine Petition „Rettet die Westernstadt“ hat inzwischen mehr als 10.000 Unterstützerinnen und Unterstützer gesammelt. Auch der Bezirk und Teile des Berliner Senats äußerten Sympathie für den Erhalt. Bei einer Demonstration auf dem Pariser Platz im Juli machten die Cowboys mit Transparenten und Kostümen auf ihre Lage aufmerksam.

Old Texas Town in Haselhorst: Rechenzentrumspläne stoßen auf Widerstand von Bezirk und Senat

Der Eigentümer des Areals verfolgt eigene Pläne: Anstelle der Westernstadt soll ein Rechenzentrum entstehen. Dafür wäre allerdings eine Änderung des Bebauungsplans notwendig. Der Bezirk Spandau erklärte, laut Tagesspiegel, er habe keine Absicht, den Plan zu ändern. Damit könnte das Vorhaben nicht ohne weiteres umgesetzt werden.

Der Geschäftsführer der Eigentümerfirma verwies darauf, dass sämtliche Vorschläge zur Vertragsverlängerung vom Verein abgelehnt worden seien. Man sei daher gezwungen, den Rechtsweg zu beschreiten, wie der Tagesspiegel berichtet. Gleichzeitig kündigte er an, die Abrisskosten im Falle einer Rückgabe selbst zu übernehmen.

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Auch auf Landesebene wird über die Zukunft der Westernstadt diskutiert. Staatssekretär Stephan Machulik (SPD) betonte, Freizeit- und Erlebnisangebote wie die Westernstadt hätten eine gesellschaftliche Bedeutung. Der Senat halte es für „begrüßenswert“, wenn das Projekt fortbestehen könne. Solange der Bebauungsplan nicht geändert werde, sei die Nutzung als Westernstadt planungsrechtlich gesichert.

Ungewisse Zukunft für Old Texas Town: Verlängerung, Rechtsstreit oder Räumung?

Noch ist offen, ob es zu einer befristeten Verlängerung kommt. Der Eigentümer brachte dieses Modell ins Gespräch, verknüpfte es jedoch mit der Absicht, das Gelände in einigen Jahren für ein Rechenzentrum zu entwickeln. Der Verein lehnte das Angebot ab, da er am Standort dauerhaft festhalten will.

Damit bleibt unklar, ob sich ein Kompromiss zwischen Eigentümer, Verein und Bezirk finden lässt. Politisch gibt es Signale für den Erhalt, zugleich aber die klare Ankündigung des Eigentümers, juristisch gegen den Verbleib des Vereins vorzugehen. Ob die Westernstadt eine Zukunft hat oder das Gelände geräumt werden muss, dürfte in den kommenden Monaten entschieden werden. Der Streit zeigt exemplarisch, wie schwer es für ungewöhnliche Orte in Berlin geworden ist, ihren Platz gegenüber wachsenden ökonomischen Interessen zu behaupten.

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Quellen: Cowboy Club Old Texas Berlin 1950 e.V., Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, rbb24

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One Comment

  1. Meißner 28. Dezember 2025 at 11:42 - Reply

    Die Verhandlungen bezüglich der Old Texas Town scheinen vorerst gescheitert. Das Lebenswerk von Vereinsmitgliedern wird zerstört. Sehr bitter, aber so ist das Leben. Aber was ist mit den Berlinern, den Spandauern, den 11627 Menschen, die die Petition zur Rettung der Old Texas Town unterschrieben haben. Dieser Ort muss gerettet und darf nicht totgeschwiegen werden. Die Westernstadt ist ein kultureller Ort, ein Veranstaltungsort mit bezahlbaren Speisen und Getränken und definitiv ausbaufähig. Vielleicht liegt es an der Kommunikation. Das Bezirksamt Spandau sollte sich mehr als Mediator einschalten und für viele Gäste der Old Texas Town einen Kompromiss mit dem Eigentümer finden. Rettet die Old Texas Town!
    Petra M.

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