Auf den Dächern der denkmalgeschützten Wohnstadt Carl Legien in Berlin entstehen neue Photovoltaikanlagen. Das Projekt zeigt, wie sich Klimaschutz und architektonisches Erbe miteinander verbinden lassen. Zugleich dient das Projekt als Vorbild für den wachsenden Solarausbau im Berliner Wohnungsbestand.

Auf den Dächern der denkmalgeschützten Wohnstadt Carl Legien wurden 5.600 Photovoltaikmodule installiert. Die Anlagen erreichen eine Leistung von 2,6 Megawatt und sollen jährlich rund 1.000 Tonnen CO₂ einsparen. / © Foto: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner
© Titelbild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner
In der denkmalgeschützten Wohnstadt Carl Legien in Berlin-Pankow installiert das Wohnungsunternehmen Vonovia derzeit Photovoltaikanlagen. Dabei stimmt sich das Unternehmen eng mit dem Landesdenkmalamt Berlin ab. Die Siedlung gehört zur Berliner Moderne und ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, zugleich zählt sie zu den wichtigsten Beispielen des sozialen Wohnungsbaus der 1920er-Jahre.
Damit rückt ein Vorhaben in den Fokus, das den Umgang mit erneuerbaren Energien im denkmalgeschützten Bestand konkret zeigt und zugleich neue Maßstäbe setzt. Ziel ist es, die Dachflächen energetisch zu nutzen und gleichzeitig die architektonischen Qualitäten der Anlage zu bewahren, sodass sich beide Anforderungen miteinander verbinden lassen.
Wohnstadt Carl Legien: Entwurf von Bruno Taut und Anwendung des Berliner Solarleitfadens
Bruno Taut entwarf die Wohnstadt Carl Legien als ein prägnantes Beispiel des Neuen Bauens. Klare Strukturen prägen die Anlage, gleichzeitig verbinden sich städtische Dichte, gute Belichtung und begrünte Höfe zu einem zusammenhängenden städtebaulichen Konzept.
Für die Integration der Photovoltaik dient unter anderem der „Berliner Solarleitfaden“ als Grundlage, zudem begleiten die Denkmalbehörden entsprechende Vorhaben aktiv. Sie unterstützen Eigentümerinnen und Eigentümer dabei, Lösungen zu entwickeln, die sowohl den Anforderungen des Denkmalschutzes als auch denen der Energiewende gerecht werden.
Der Landeskonservator erklärte dazu, dass sich Solarenergie auch auf denkmalgeschützten Gebäuden in vielen Fällen nutzen lasse, sofern die Planung sorgfältig erfolge und die architektonischen Qualitäten berücksichtigt würden.
Gleichzeitig gerieten das Bezirksamt und das Landesdenkmalamt Berlin zuletzt in die Kritik. Anwohnerinnen und Anwohner hatten zuvor gefällte Bäume eigenständig nachgepflanzt, woraufhin das Bezirksamt aus Denkmalschutzgründen deren Entfernung forderte.
Photovoltaik auf der Wohnstadt Carl Legien in Pankow: 5.600 Module führen zu jährlicher CO2-Einsparung

Kürzlich installierte PV-Anlagen auf dem Dach der Siedlung. / © Foto: Landesdenkmalamt Berlin, Paul Hahn
Insgesamt werden 5.600 Photovoltaikmodule installiert. Sie erstrecken sich über eine Fläche von rund 11.200 Quadratmetern, was etwa 1,5 Fußballfeldern entspricht, und erreichen eine Gesamtleistung von 2,6 Megawatt.
Durch die Anlagen sollen jährlich rund 1.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Die Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden sowie unter fachlicher Begleitung, sodass die Eingriffe in die denkmalgeschützte Substanz möglichst gering bleiben und zugleich eine effiziente Nutzung der Dachflächen erreicht wird.
PV-Anlagen in Berlin: Solarleitfaden und vereinfachte Genehmigungen als Grundlage
Das Projekt steht im Zusammenhang mit einem zunehmenden Ausbau der Solarenergie in Berlin. Der „Berliner Solarleitfaden“ bietet dabei eine zentrale Orientierung für die Integration von Photovoltaik in denkmalgeschützte Gebäude und zeigt praxisnahe Lösungsansätze auf.
Zudem haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen verändert. Photovoltaikanlagen können in Berlin inzwischen grundsätzlich auch auf Hochhäusern genehmigungsfrei installiert werden, was die Umsetzung entsprechender Projekte erleichtert.
Vor diesem Hintergrund erhält das Vorhaben in der Wohnstadt Carl Legien eine über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung für den zukünftigen Umgang mit Solartechnik im Bestand.
Quellen: Landesdenkmalamt Berlin, Vonovia
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