Seit ihrer Verdrängung aus der Potsdamer Straße im Jahr 2019 suchen die Jugendkollektive Drugstore und Potse nach einer dauerhaften Bleibe. Nun rückt ein fester Standort in greifbare Nähe: Das Berliner Büro hacke hat den Wettbewerb für das „Haus der Jugend“ am Südkreuz gewonnen. Die Fertigstellung ist für 2030 geplant.

Der Siegerentwurf für das Haus der Jugend Südkreuz sieht einen zweigeschossigen Neubau am Werner-Voß-Damm vor. Das Gebäude soll bis 2030 eine dauerhafte Heimat für die Kollektive Potse und Drugstore sowie weitere Bildungsangebote schaffen. / © Visualisierung: büro hacke, Berlin
© Visualisierungen: büro hacke, Berlin
Die beiden selbstverwalteten Kollektive Drugstore und Potse blicken auf eine Geschichte zurück, die bis in die 1970er-Jahre reicht. Nach ihrer Verdrängung aus der Potsdamer Straße sind sie seit 2019 auf unsichere Übergangslösungen angewiesen. Das soll sich nun ändern: Am Werner-Voß-Damm 47 in Tempelhof-Schöneberg, unweit des Bahnhofs Südkreuz, soll ein Neubau entstehen, der den Kollektiven eine verlässliche Grundlage bietet. Das derzeit unbebaute Grundstück umfasst 1.188 Quadratmeter und liegt gegenüber einem denkmalgeschützten Kasernenensemble.
Neben den beiden Kollektiven wird auch ein freier Träger im Gebäude vertreten sein und Bildungsangebote bereitstellen. Bezirksstadtrat Oliver Schworck betont, dass Jugendliche Räume benötigten, in denen sie eigene Ideen entwickeln und selbst umsetzen könnten. Das neue „Haus der Jugend“ soll genau diese Funktion erfüllen.
Siegerentwurf „The MidDoors“ für das Haus der Jugend: Einfache Lösung für eine komplexe Aufgabe
Am 21. Mai 2026 entschied das Preisgericht unter dem Vorsitz der Architektin Jórunn Ragnarsdóttir einstimmig für den Entwurf von Max Hacke vom Berliner Büro büro hacke. Aus 158 Bewerbungen waren zunächst zehn Teams in die engere Auswahl gekommen. Die Jury würdigte den Siegerentwurf als überraschend einfache Lösung für eine vielschichtige Aufgabe. Den zweiten Preis erhielt die Demo Working Group Architekten aus Köln, den dritten Kim Nalleweg Architekten aus Berlin.
Das Herzstück des Siegerentwurfs ist die sogenannte „MidDoors“-Zone, eine Pufferzone zwischen Innen- und Außenraum. Sie schafft Übergänge, ohne aktiv temperiert zu werden. Ein zentraler Innenhof übernimmt die Funktion eines sozialen Mittelpunkts: Er dient als Treffpunkt vor Veranstaltungen, als Werkhof und als klimatische sowie akustische Pufferzone. Das Gebäude verteilt rund 800 Quadratmeter Nutzfläche auf die drei Nutzergruppen und bietet dabei sowohl offene Begegnungsflächen als auch geschützte Rückzugsräume für Jugendliche. Eine Sitztreppe im Hof soll an die frühere Adresse in der Potsdamer Straße erinnern.

Der Entwurf von büro hacke setzt auf einen kompakten Baukörper mit überdachtem Innenhof, der als sozialer und funktionaler Mittelpunkt des Gebäudes dient. / © Foto: H. – J. Wuthenow
Nachhaltiger Entwurf für das Jugendzentrum in Tempelhof: Low-Tech trifft auf Kreislaufwirtschaft
Der Entwurf folgt konsequent einem Low-Tech-Prinzip: Durch den Verzicht auf aktive Temperierung der Pufferzone sinkt der Wärmeschutzbedarf, und die technische Installation vereinfacht sich erheblich. Das PV-Sheddach sorgt für regenerative Energiegewinnung und leitet gleichzeitig gleichmäßiges Nordlicht ins Gebäude. Gründach und Fassadenbegrünung durch Kletterpflanzen sowie ein südlich ausgerichteter Garten mit Hochbeeten und Gewächshaus ergänzen das ökologische Konzept.
Auch bei den Baumaterialien setzt der Entwurf auf Ressourcenschonung. Recycelte Klinker, wiederverwendete Fensterkonstruktionen und Beton-Hohldecken kommen zum Einsatz. Die tragende Struktur aus Stahlbeton ist auf Langlebigkeit ausgelegt. Lärm intensive Nutzungen werden ins Gebäudeinnere verlagert, sodass angrenzende Wohnbereiche und Kleingärten vor Emissionen geschützt bleiben. Die saisonal wandelbare Fassade, im Sommer offen und porös, im Winter weitgehend geschlossen, verbindet dabei Nutzungskomfort mit baulicher Effizienz.
Finanzierung des Neubaus am Südkreuz: Bezirk und Förderprogramm teilen die Kosten
Der Gesamtkostenrahmen für das Vorhaben beträgt rund 7,17 Millionen Euro. Davon stammen 75 Prozent aus dem Förderprogramm „Nachhaltige Erneuerung“, die verbleibenden 25 Prozent trägt der Bezirk Tempelhof-Schöneberg.
Die Finanzierung steht damit auf einer soliden Grundlage. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2030 geplant.
Quellen: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
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Ein Paradebeispiel für fehlende Partizipation und das vollständige ignorieren des Bürgerwillens.
Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat die Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt, ignoriert den Protest der Anwohner, errichtet das Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnhäusern, missachtet, dass das Haus in einem Lärmberuhigten Gebiet errichtet werden soll. Man darf sich mit Berechtigung fragen, was das Jugendamt unter Demokratie versteht. Die Befriedigung der linksautonomen Subkultur in völliger Ignoranz des Willen der anwohnenden Leistungsträger?
Das Haus hätte da errichtet werden sollen, wofür das Bezirksamt einen Antrag erhalten hat: Schöneberger Linse/ Baufeld 9. Dort könnte Potse und Drugstore agieren, wie sie wollten. Am Werner-Voß-Damm NICHT. Aber das wird allen Beteiligten erst dann bewusst werden, wenn es zu spät ist. Aber dann sind die Entscheidungsträger/ die Verantwortlichen nicht mehr im Amt.
Die zukünftigen Nutzer sollten sich gegen den Standort wehren und darauf bestehen, dass das Haus in der Schöneberger Linse errichtet wird. Warum sie sich wieder von Schworck veralbern lassen, ist nicht nachvollziehbar.