Das Landesdenkmalamt Berlin hat den Denkmalschutz für das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Friedrichshain erneut abgelehnt. Der Bau gilt als zu stark verändert und beschädigt, um als authentisches Zeugnis der DDR-Architektur zu bestehen.

Zu sehen ist die Eingangsfassade des SEZ an der Landsberger Allee mit dem deutlich sichtbaren Schriftzug „SEZ“.

Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee wurde 1981 eröffnet und galt als einzigartiger DDR-Freizeitkomplex. Nach einer erneuten Prüfung durch das Landesdenkmalamt wurde der Antrag auf Denkmalschutz ein weiteres Mal abgelehnt. / © Foto: Wikimedia Commons, G.Elser, CC BY 3.0

© Titelbild: Wikimedia Commons, Carina Kitzenmaier

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Keine spektakuläre Wendung im Ringen um das SEZ an der Landsberger Straße: Das Landesdenkmalamt Berlin hat den Antrag auf Denkmalschutz für das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Friedrichshain endgültig abgelehnt. Die Behörde erklärte, dass der Bau so stark umgebaut, beschädigt und durch Vandalismus verändert worden sei, dass der ursprüngliche Charakter nicht mehr erkennbar sei.

Bereits vor rund zehn Jahren hatte es eine ähnliche Prüfung gegeben, die mit derselben Begründung endete. Damit ist klar, dass das SEZ nicht als historisch Zeugnis erhalten bleibt. Auch eine Teilerhaltung wurde ausgeschlossen. Für Befürworter des Erhalts ist diese Entscheidung ein herber Rückschlag, während der Senat nun weitgehende Planungssicherheit hat.

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Begründung des Landesdenkmalamts SEZ: Veränderungen im Inneren und äußere Schäden

In seiner Stellungnahme verwies das Landesdenkmalamt vor allem auf die massiven Veränderungen im Gebäudeinneren. So seien in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Einbauten hinzugekommen, die die ursprüngliche Architektur überlagert hätten.

Darüber hinaus habe Vandalismus den Zustand des Hauses weiter verschlechtert. Durch Wasserschäden, unsachgemäße Nutzungen und Vernachlässigung sei die Substanz des Gesamtkomplexes mittlerweile stark beeinträchtigt. Nach Auffassung der Behörde gehe es deshalb nicht mehr um den Schutz eines authentischen DDR-Baus, sondern um eine veränderte Immobilie, die ihren besonderen Wert verloren habe.

Zukunft des Standorts an der Landsberger Allee: Neubau von Wohnungen statt Erhalt des SEZ

Parallel zur Entscheidung des Landesdenkmalamts hatte die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Diese Untersuchung zielte nicht auf den Erhalt einzelner Gebäudeteile, sondern konzentrierte sich von Anfang an auf eine komplette Neubebauung. Der Sprecher des Unternehmens erklärte, dass der Fokus auf der Schaffung von Wohnraum liege.

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Auch die Senatsverwaltung für Stadt­ent­wicklung, Bauen und Wohnen unterstützt nur diesen Weg. Senator Christian Gaebler (SPD)  betonte, dass in Berlin dringend Flächen für Wohnungen benötigt werden und das Areal des SEZ dafür geeignet sei. Einen Teilerhalt des SEZ hat Gaebler in der Vergangenheit mehrfach ausgeschlossen.

Geschichte des SEZ in Friedrichshain: Vom DDR-Vorzeigeprojekt zum Leerstand nach der Wende

Das Sport- und Erholungszentrum wurde 1981 eröffnet und war damals ein weltweit einzigartiger Freizeitkomplex. Nach Plänen eines schwedischen Architektenteams entstanden großzügige Sporthallen, Schwimmbäder, eine Eisbahn und zahlreiche Veranstaltungsräume.

Bis zu 22.000 Besucher täglich nutzten die Anlage. In der DDR galt das SEZ als Prestigeprojekt der Staatsführung, das durch seine Architektur und eine breite Palette an Sport- und Kulturangeboten beeindruckte.

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SEZ: Nach der Wiedervereinigung verlor das Gebäude seine wirtschaftliche Grundlage

Nach der deutschen Einheit verlor das Gebäude jedoch seine wirtschaftliche Grundlage. Der Betrieb erwies sich für den Berliner Senat als zu teuer, sodass die Angebote in den 1990er Jahren nach und nach eingestellt wurden.

Im Jahr 2002 erfolgte schließlich die endgültige Schließung. Seither stand der Komplex weitgehend leer und verfiel zunehmend, kleinere und temporäre Zwischennutzungen eines privaten Investors (der das Gebäude entgegen anderslautender Bekundungen nicht vollständig betreiben wollte oder konnte), haben dem Gesamtzustand des Gebäudes ganz offenbar mehr geschadet als genützt.

Bürgerinitiativen, die sich für den Erhalt einsetzten, konnten keine nachhaltige Lösung durchsetzen. Mit der aktuellen Entscheidung für den Abriss endet die Geschichte eines Bauwerks, das für viele Menschen als Symbol der DDR-Freizeitkultur galt.

Abgebildet sind die großflächigen Glasfronten und architektonischen Elemente des Gebäudes.

Die Glasarchitektur des SEZ war einst ein Symbol der DDR-Modernität, ist jedoch laut angaben des Landesdenkmalamt Berlin  durch Umbauten und Schäden weitgehend verloren gegangen. / © Foto: Wikimedia Commons, G.Elser, CC BY 3.0

Die Zukunft für das SEZ-Areal am Volkspark Friedrichshain: Ein neues Wohnquartier mit mehreren hundert Wohnungen und einer Schule soll nach Wünschen des Berliner Senats an der Landsberger Allee entstehen, auch neue Grünflächen sind geplant. / © Visualisierung: Stefan Forster GmbH

Quellen: Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Stefan Forster GmbH, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Wikipedia

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2 Kommentare

  1. Marcel S. 26. September 2025 at 14:37 - Reply

    Reißt diese Schrottruine endlich ab und baut das neue Quartier so schnell wie möglich an diesen Ort. Es kann doch nicht sein dass Jahrzehnte über so einen Mist gestritten wird und einige Leute so ein Millionengrab ernsthaft unter Denkmalschutz stellen wollen, während gleichzeitig unzählige Familien Wohnraum in einigermaßen zentraler Lage benötigen.
    Die haben einfach den Schuss nicht gehört, die wollen einfach weiter machen wie bisher und sinnlose Debatten führen, aber wahrscheinlich sitzen solche Leute in einer sanierten 100m² Altbauwohnung im Prenzlauer Berg mit einem 20 Jahre alten Mietvertrag. Dann hat man natürlich Zeit um über so einen Blödsinn zu diskutieren. Schafft endlich die Bezirke, deren Verordnete und alles was da dranhängt ab, jeder Bezirk kocht sein eigenes Süppchen, als wären es eigenständige unabhängige Städte, und im Endeffekt machen die Bezirke nichts als zu blockieren, zu verhindern, sie kosten nur unnötig Zeit und Geld. Hier kann man viel Geld im Haushalt sparen.

  2. Tim 7. Oktober 2025 at 16:35 - Reply

    Ich hätte es nicht besser formulieren können – reißt es ab und baut was Neues hin! Das Ding wurde bereits einmal totalüberholt (inklusive neuem Anstrich) und nichts ist draus geworden. Es hatte seine Chance und sie wurde nicht genutzt. Zeit für etwas Neues und gerne für sehr viele neue Wohnungen!

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