Eine Ausstellung zeigt die Architektur und Geschichte des Berliner SEZ. Zugleich wird neu diskutiert, ob Teile des DDR-Freizeitbaus erhalten bleiben.

Das SEZ an der Landsberger Allee im Jahr 1987: Die Aufnahme zeigt den weitläufigen DDR-Freizeitkomplex mit seinen markanten Dachlandschaften und der Straßenbahn im Vordergrund. / © Foto: Gerd Danigel
© Titelbild: Dieter Urbach
Das SEZ in Berlin-Friedrichshain steht seit Jahren leer, sein Abriss schien lange beschlossen. Doch inzwischen ist die Zukunft des früheren DDR-Freizeitpalasts wieder offen. Eine Ausstellung am Ernst-Reuter-Platz zeigt nun mit historischen Plänen, Fotos und Originalmaterial, welche architektonischen Qualitäten in dem Bau stecken – und warum die Frage nach Abriss oder Weiterbau aktueller ist denn je.
- Gebäude: ehemaliges Sport- und Erholungszentrum (SEZ)
- Eröffnung: 1981
- Projektstatus: Zukunft des Bestands weiterhin offen
- Wohnungsbau: WBM-Konzept mit bis zu 680 Wohnungen; alternative Planung mit rund 600 Wohnungen und weitgehendem Bestandserhalt
- Ausstellung: „SEZ – Un/Möglichkeit einer Insel“
- Ausstellungsort: BHROX Bauhaus Reuse, Ernst-Reuter-Platz
- Laufzeit: August bis 19. September 2026
Das 1981 eröffnete Sport- und Erholungszentrum war weit mehr als ein Schwimmbad. Unter einem Dach kamen Sport, Gesundheitsangebote, Gastronomie und Unterhaltung zusammen. Prägend waren die terrassierte Badelandschaft und die großen, unterschiedlich ausgebildeten Dachräume.

Eine Skizze aus der Planungszeit zeigt, wie stark die Badelandschaft des SEZ durch unterschiedliche Ebenen, Treppen, Aufenthaltsbereiche und Pflanzen gegliedert werden sollte. / © Foto: Guenter Reiss / Hochtief
West-Berliner bauten das DDR-Freizeitzentrum SEZ
Das Gebäude entstand nach einem Entwurf des Architekten Günter Reiss. Bemerkenswert ist die Entstehungsgeschichte: Federführend arbeitete die Schlüsselfertigbau-Abteilung der HOCHTIEF AG in West-Berlin an dem Prestigeprojekt der DDR.
Die neue Ausstellung „SEZ – Un/Möglichkeit einer Insel“ macht genau diese Geschichte sichtbar. Die Kuratoren Kay Fingerle und Ludwig Heimbach zeigen Originalpläne, Bestandsaufnahmen, Skizzen und historische Fotografien. Hinzu kommt das originale Präsentationsmodell des SEZ, das sich heute in schlechtem Zustand befindet und restauriert werden soll. Die Ausstellung läuft noch bis zum 19. September im BHROX Bauhaus Reuse am Ernst-Reuter-Platz.

Ein historischer Schnitt durch das SEZ macht die komplexe Konstruktion der früheren Badelandschaft mit Kaskade, Wellenbeckenhalle und weit gespannten Dachtragwerken sichtbar. / © Foto: Guenter Reiss / Hochtief
SEZ in Friedrichshain: Historische Pläne zeigen die Konstruktion des Freizeitbaus
Besonders interessant für die aktuelle Debatte ist der Blick auf die Konstruktion. Nach Einschätzung der Kuratoren zeigen Tragwerk und Grundriss eine Flexibilität, die grundsätzlich Spielräume für andere Nutzungen eröffnen könnte. Die Ausstellung versteht sich deshalb ausdrücklich nicht nur als Rückblick. Sie fragt, welches Potenzial der vorhandene Rohbau für einen Umbau besitzt.
Damit trifft die Schau auf eine Debatte, die sich gerade grundlegend verändert. Noch Ende 2025 hatte die landeseigene WBM ihre Machbarkeitsstudie für ein neues Quartier auf dem SEZ-Gelände vorgestellt. Nach diesem Konzept könnten auf dem Grundstück bis zu 680 Wohnungen entstehen. Grundlage war ein Entwurf von Stefan Forster Architekten. Der bestehende Komplex sollte dafür weitgehend weichen.
Doch der geplante Abriss geriet mehrfach ins Stocken. Nachdem im November 2025 erste Arbeiten begonnen hatten, stoppte der Bezirk diese zunächst. Im Februar 2026 folgte wegen artenschutzrechtlicher Bedenken ein weiterer Abrissstopp. Im August leitete Friedrichshain-Kreuzberg zudem ein förmliches Verfahren ein, um eine Zerstörung des Gebäudes vor der endgültigen städtebaulichen Klärung zu verhindern.

Die Architektur des 1981 eröffneten SEZ war von großen Glasflächen, auskragenden Bauteilen und auffälligen roten Tragstützen geprägt. / © Foto: Ulrich Wuest
Rund 600 Wohnungen trotz Erhalt des SEZ: Neue Untersuchung verändert die Debatte
Inzwischen gibt es eine konkrete Alternative zum vollständigen Abriss. Das Büro 03 Arch. hat im Auftrag des Bezirks den Ansatz des Bündnisses „SEZ-Quartier neu denken“ geprüft und weiterentwickelt. Die am 7. September 2026 veröffentlichte Plausibilisierung kommt zu dem Ergebnis, dass ein weitgehender Erhalt des SEZ mit rund 600 neuen Wohnungen vereinbar sein könnte. Vorgesehen sind zwei Doppel-Wohnhochhäuser. Außerdem könnten Wohnungsbau und SEZ künftig auf getrennten Grundstücken unabhängig voneinander entwickelt werden.
Eine fertige Planung ist das ausdrücklich noch nicht. Der Bezirk bezeichnet die Untersuchung weder als abschließende Machbarkeitsstudie noch als fertigen städtebaulichen Entwurf. Die WBM könnte nach diesem Modell die neuen Wohngebäude entwickeln, während ein anderer Träger das SEZ schrittweise saniert und einer neuen Nutzung zuführt.
Auch bei der WBM ist der vollständige Abriss derzeit nicht endgültig festgelegt. Die Gesellschaft überarbeitet nach eigenen Angaben die Ausschreibung der Rückbauleistungen und prüft verschiedene Varianten sowie deren baulogistische Voraussetzungen. Ein Auftrag für den vollständigen Rückbau sei bislang nicht vergeben worden. Damit ist der Totalabriss des SEZ wieder offen.

Jahrzehnte nach der Eröffnung zeigt sich der Innenraum des SEZ stark gealtert. Die ungewöhnliche Konstruktion mit schrägen Glasflächen und großen Dachräumen ist weiterhin gut ablesbar. / © Foto: Kay Fingerle
SEZ könnte auch für die IBA Berlin interessant werden
Die Ausstellung bringt noch eine weitere Ebene in die Debatte: die Internationale Bauausstellung Berlin 2034–37. Die Kuratoren sehen das SEZ als mögliches Beispiel für einen ressourcenschonenden Weiterbau. Die IBA selbst setzt einen Schwerpunkt auf den Erhalt, die Umnutzung und den behutsamen Umbau vorhandener Gebäude und Strukturen. Welche konkreten Projekte tatsächlich Teil der IBA werden, steht allerdings noch nicht fest.
Die Ausstellung zum SEZ dokumentiert damit nicht nur einen verschwundenen Freizeitkosmos der DDR. Historische Entwürfe treffen auf aktuelle Fotos der leeren Schwimmbecken und Innenräume. Gerade während Politik, Bezirk und WBM erneut über den Umgang mit dem Bestand verhandeln, rückt damit die ursprüngliche Architektur wieder in den Mittelpunkt.

Das frühere Schwimmbecken des SEZ im Jahr 2026: Die farbigen Becken und Teile der charakteristischen Dachkonstruktion sind trotz des langen Leerstands noch erhalten. / © Foto: Kay Fingerle
SEZ Berlin
Quellen: Deutscher Werkbund Berlin, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte
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Abreißen, sonst wirds das nächste Fass ohne Boden, was Millonen bis Milliarden verschlingt.