Der Abriss des ehemaligen SEZ in Friedrichshain rückt näher, doch neue Verzögerungen zeichnen sich ab. Laut Tagesspiegel wurden geschützte Fledermäuse im Gebäude nachgewiesen. Parallel bringt die CDU die Idee ins Spiel, Teile der Einrichtung in das geplante Kombibad in Hellersdorf zu übernehmen.

Bebautes SEZ Areal an der Landsberger Allee

Nach den Entwürfen des Büros Stefan Forster könnte sich das künftige SEZ-Areal so aus Richtung Volkspark Friedrichshain als neues Wohnquartier zeigen. Die Gebäude sollen in serieller und modularer Bauweise errichtet werden und rund 680 Wohnungen für etwa 1.500 Menschen bieten. / © Visualisierung: Stefan Forster GmbH

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, G.Elser, CC BY 3.0
© Visualisierung: Stefan Forster GmbH

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Der Abriss des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) am Volkspark Friedrichshain steht bevor. Auf dem Gelände plant die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM ein neues Quartier mit rund 650 Wohnungen, davon etwa die Hälfte gefördert, ergänzt durch eine Schule, Kita-Flächen, Gewerbeeinheiten sowie öffentliche Grün- und Freiräume.

Nun berichtet der Tagesspiegel, dass geschützte Zwergfledermäuse im Gebäude nachgewiesen wurden. Mehrere Begehungen hätten entsprechende Hinweise ergeben. Sollte sich der Fund bestätigen, müssten artenschutzrechtliche Prüfungen erfolgen. Das könnte den Abriss verzögern. Auch Initiativen kündigten an, juristisch gegen den Rückbau vorzugehen.

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SEZ-Inventar für das Kombibad Hellersdorf? CDU bringt neue Idee ins Spiel

Während über den Abriss weiter gestritten wird, diskutiert die CDU in Marzahn-Hellersdorf eine andere Idee. Teile der SEZ-Inneneinrichtung könnten im geplanten Kombibad im Jelena-Šantić-Friedenspark eine neue Heimat finden.

Fraktionsvorsitzender Maximilian Schröder erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, das SEZ sei für viele Menschen ein prägender Ort gewesen. Man wolle prüfen, ob einzelne Gestaltungselemente oder Gegenstände im neuen Bad weiterverwendet werden könnten. Die WBM bestätigte demnach einen grundsätzlichen Austausch, konkrete Gespräche über einzelne Objekte habe es bislang jedoch nicht gegeben.

Jelena-Šantić-Friedenspark: Machbarkeitsstudie prüft Außenbecken für Kombibad Hellersdorf

Das geplante Kombibad im Jelena-Šantić-Friedenspark in Marzahn-Hellersdorf befindet sich selbst noch in der Planungsphase. Ursprünglich war vorgesehen, ab 2027 mit dem Bau zu beginnen. Nachdem das Projekt zwischenzeitlich aus Haushaltsgründen auf eine reine Typenschwimmhalle reduziert worden war, prüfen die Berliner Bäder-Betriebe nun in einer Machbarkeitsstudie erneut die Realisierung eines Außenbeckens samt Nebenanlagen.

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Im ersten Bauabschnitt soll eine Schwimmhalle mit einem 25-Meter-Becken und fünf Bahnen sowie ein Lehrschwimmbecken entstehen. In einem zweiten Schritt ist ein Freibadbereich geplant. Die laufende Prüfung könnte jedoch zu weiteren zeitlichen Verschiebungen führen. Ob in diesem Kontext tatsächlich Einrichtungsteile aus dem SEZ integriert werden könnten, ist bislang weder planerisch noch finanziell konkretisiert.

SEZ Berlin: Abriss zwischen Wohnungsbau, Naturschutz und Protesten

Der Konflikt um das SEZ macht erneut deutlich, wie eng Wohnungsbau, Naturschutz und Erinnerungskultur in Berlin miteinander verflochten sind. Einerseits verweist der Senat auf den akuten Bedarf an neuen Wohnungen und auf die Chance, auf landeseigenem Grund ein größeres Quartier mit gefördertem Wohnraum zu realisieren. Andererseits heben Initiativen, Architektinnen und Anwohnende den architektonischen Wert des DDR-Baus sowie seine Bedeutung als sozialer Treffpunkt hervor. Damit prallen unterschiedliche stadtpolitische Zielsetzungen unmittelbar aufeinander.

Hinzu kommen artenschutzrechtliche Fragen, die das Verfahren zusätzlich komplex machen. Ob nachgewiesene Fledermausvorkommen, angekündigte Klagen oder politische Initiativen den Zeitplan tatsächlich verschieben, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Der Abriss des SEZ jedoch bleibt umstritten.

Abriss SEZ

Auf dem SEZ-Areal in Friedrichshain haben die vorbereitenden Arbeiten für die zukünftige Quartiersentwicklung begonnen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Kombibad Marzahn-Hellersdorf
SEZ

Quellen: Tagesspiegel, Freibad für Marzahn-Hellersdorf, NABU, WBM, Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Stefan Forster GmbH

 

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5 Kommentare

  1. Ricardo 18. Februar 2026 at 12:43 - Reply

    Es wirkt widersprüchlich, wenn die mitregierende CDU den Abriss des Sport- und Erholungszentrum (SEZ) hinnimmt und zugleich einzelne Bauteile wie z.B eine Rutsche als Erinnerungsobjekte sichern will. Das ist Symbolpolitik. Wer die Bedeutung des SEZ ernst nimmt, müsste sich für seinen (Teil-)Erhalt einsetzen – nicht für Fragmente eines verlorenen Bauwerks.

    In der Debatte um die Zukunft des SEZ stehen sich unterschiedliche Interessen gegenüber, während der Berliner Senat über 600 Wohnungen und eine Schule plant. Dabei wird oft suggeriert, Wohnungsbau und Erhalt des SEZ schlössen sich aus. Eine vorliegende Studie zeigt jedoch, dass beides möglich ist. Ebenfalls mit 600 Wohnungen und inklusive zeitgemäßer Nutzungskonzepte für das SEZ ohne „DDR-Nostalgie“. Vielleicht sollte diese Kompromisslösung stärker in den Fokus der Berichterstattung rücken:
    https://www.youtube.com/watch?v=04etmxqPNCA

  2. Hannah 18. Februar 2026 at 15:12 - Reply

    Das penetrante verfolgen solcher Luftschlösser wie ein Teilerhalt, Erhalt, wasauchimmer ist nur ein weiteres Symptom des Geschwüres, welches sich deutsches Baurecht nennt. Dieses ständige austarieren wollen zwischen zwei dutzend Initiativen, Ideen, Gutachten, etc. pp. ist in Regelwerk gegossene Sabotage.
    Wie so ein Prozess ablaufen sollte? Senat beschließt Abriss -> Untersuchung -> Abriss. Fertig. Wenn soetwas länger als 1 Jahr dauern würde, wäre es schon problematisch. Es können nicht alle glücklich werden, und das kann auch gar nicht der Anspruch von Politik und Städtebau sein. Dieses JAHRELANGE verschleppen einer Entscheidung ist erbärmlich und zeigt im Kleinen, wieso in Deutschland nichts mehr funktioniert.

  3. Böhme 19. Februar 2026 at 01:37 - Reply

    Was soll der Quatsch! Das SEZ ist Geschichte! Und das ist gut so. Es ist wirtschaftlich nicht zu betreiben … und ist in einem Zustand, der irrwitzige Kosten erforderlich machte, um es wieder herzustellen. Und wer meint, in Hellersdorf ein Schwimmbad zu errichten, soll das tun, dafür bedarf es aber weder des SEZ noch Teilen derselben. Es kann doch nicht wahr sein, dass zur Bedienung von völlig irrationalen Gefühlen der Ostberliner wirtschaftlich völlig verantwortungslose Entscheidungen getroffen werden.

  4. Mel 23. Februar 2026 at 09:21 - Reply

    Ich finde es ein Unding, zu sagen, dass das SEZ Geschichte ist oder dass ein (Teil-)Erhalt ein Luftschloss ist. Wer das behauptet, der hat das Potenzial dieses Gebäudes nicht erkannt oder auch nicht verstanden, dass hier einfach über die Köpfe und Wünsche der Berliner*innen hinweg entschieden werden soll. In meinem Umfeld würden sich viele wünschen, dass dieser Ort als Freizeit- und Sportstätte widerbelebt wird. Man glaubt an die Widerbelebung. Und dass es zuviel kosten würde, halte ich für eine billige Ausrede. Die Stadt Berlin setzt für andere Projekte viel Geld in den Sand. Hier bietet sich aber die Gelegenheit mal etwas vernünftiges zu gestalten, was von den Bürger*innen befürwortet wird. Und unsere Stadt braucht auch Freizeiteinrichtungen, nicht nur Wohnungen. Wo sollen denn die Einwohner ihre freie Zeit verbringen? Etwa in Brandenburg?

    • Böhme 7. März 2026 at 14:54 - Reply

      „… Die Stadt Berlin setzt für andere Projekte viel Geld in den Sand. …“

      Na, das ist ja dann Ihr Bekenntnis, dass der Erhalt des SEZ ein „Setzen von viel Geld in den Sand“ ist! Genau das habe ich auch ausgeführt. Und dass Berlin an allen Ecken und Enden „viel Geld in den Sand setz“, rechtfertigt nicht mal ansatzweises, dasselbe hier auch zu tun. Ich habe die Schnauze voll, wie mit meinen Steuermitteln, die von meinem hart erarbeiteten Monatslohn abgezogen werden, umgegangen wird.

      Reißt die Bruchbude SEZ endlich ab!

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