Der Streit um das ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Friedrichshain geht in eine neue Runde. Während die landeseigene WBM auf Abriss und Neubau setzt, bringt der Bezirk ein alternatives Konzept ins Spiel. Im Kern steht die Frage, wie viel Bestand erhalten bleiben kann und wie viel Wohnungsbau das Areal tragen soll.

Nach den aktuellen Planungen der WBM könnten auf dem SEZ-Areal bis zu 680 Wohnungen entstehen. Damit ließe sich Wohnraum für rund 1.500 Menschen schaffen und die Grundlage für die nächsten Konkretisierungsschritte des Projekts legen. / © Visualisierung: Stefan Forster GmbH
© Visualisierung Titelbild: Stefan Forster GmbH
Das SEZ an der Landsberger Allee steht seit Jahren im Fokus stadtentwicklungspolitischer Debatten. Der 1981 eröffnete DDR-Freizeitkomplex ist heute weitgehend ungenutzt. Eigentümerin des Grundstücks ist die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM, die dort ein neues Wohnquartier entwickeln will.
Eine Machbarkeitsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass auf dem zentral gelegenen Areal bis zu 680 Wohnungen entstehen könnten. Etwa die Hälfte davon soll gefördert sein. Ergänzt werden sollen eine Schule, Sportangebote, Gewerbeflächen und ein weitgehend autofreier Quartierskern.
Bis zu 680 Wohnungen am SEZ: WBM setzt auf Abriss und seriellen Neubau
Grundlage der bisherigen Planung ist ein städtebaulicher Entwurf des Büros Stefan Forster. Vorgesehen ist der vollständige Abriss des SEZ-Gebäudes. Die Neubauten sollen in serieller oder modularer Bauweise entstehen. Damit will die WBM Bauzeit und Kosten begrenzen.
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler hatte im Abgeordnetenhaus betont, dass es um dringend benötigten, bezahlbaren Wohnraum gehe. Man könne ein solches Projekt nicht über Jahre blockieren. Parallel müssten allerdings artenschutzrechtliche Fragen geklärt werden, nachdem das Bezirksamt den Abriss vorerst gestoppt hatte.
SEZ Friedrichshain: Bezirk schlägt Erhalt des Bestands und Wohnhochhäuser als Alternative vor
Nun bringt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eine alternative Idee in die Debatte ein. Baustadtrat Florian Schmidt unterstützt ein Konzept des Bündnisses „SEZ-Quartier neu denken“. Dieses sieht vor, Teile des Bestands zu erhalten und zugleich zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.
Statt eines vollständigen Rückbaus sollen mehrere Wohnhochhäuser entstehen, die mindestens die im Bebauungsplan geforderten rund 500 Wohnungen ermöglichen. Gleichzeitig soll das SEZ-Ensemble saniert und umgenutzt werden. Abrisskosten in Millionenhöhe könnten so vermieden werden. Details zur Finanzierung sind jedoch bislang offen.
SEZ-Debatte in Berlin: Zielkonflikt zwischen Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und Wohnungsbau
Das alternative Konzept setzt auf Weiterentwicklung im Bestand statt vollständigem Neubeginn. Der Bezirk verweist laut Berliner Morgenpost, auf die Chance, mit Verdichtung und Erhalt zugleich ein Signal für nachhaltige Stadtentwicklung zu senden. Befürworterinnen und Befürworter argumentieren, dass der Bestand kulturell und architektonisch bedeutsam sei.
Kritiker und Kritikerinnen halten dem entgegen, dass der Wohnraumbedarf in zentraler Lage Priorität habe. Das SEZ steht damit exemplarisch für einen grundsätzlichen Zielkonflikt: Wie lässt sich der Umgang mit dem baulichen Erbe mit dem Druck auf den Berliner Wohnungsmarkt vereinbaren? Eine endgültige Entscheidung ist weiterhin offen.
Quellen: WBM, Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Stefan Forster GmbH, Wikipedia, Berliner Morgenpost, Taz, Architektenkammer Berlin, rbb24
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2 Kommentare
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…etwas schade , aber es heißt doch „Entwicklungsstadt ?? Berlin hat sehr viel Bauland , da muß nicht etwas was funktioniert erst kostspielig abgerissen werden. Es ist soviel ungenutztes Bauland vorhanden , es müßte nur mal erschlossen werden. Es gibt sogar einen Plan darüber im Netz. Da muß man nicht Naherholungs- und Sportflächen vernichten…
Die Idee von Bündnis finde ich sehr überlegenswert.