In Friedrichshain hat der Abriss des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums SEZ begonnen, Polizei und Sicherheitskräfte sichern das Gelände. Damit endet ein jahrzehntelanges Ringen um Denkmalschutz, Nutzungskonzepte und die Zukunft des Areals. Berlin setzt auf Neubau und verabschiedet sich von einem einst ikonischen DDR-Freizeitbau.

SEZ Abriss

Am SEZ haben die Abrissarbeiten begonnen. Von der Landsberger Allee bleibt der Bagger jedoch verborgen, weil das Areal abgeschirmt ist. Vor Ort sorgen Sicherheitskräfte und Polizei für Absperrungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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In Friedrichshain haben die Abrissarbeiten am ehemaligen Sport- und Erholungszentrum (SEZ) sichtbar begonnen. Hinter den Bauzäunen am Volkspark Friedrichshain ist ein erster Bagger zu erkennen, während er von der Landsberger Allee aus kaum einsehbar bleibt.

Polizei und Sicherheitspersonal sichern derzeit das Gelände, Fotografen und Schaulustige versuchen, einen Blick auf die Bautätigkeiten zu erhaschen. Damit verdichten sich die Hinweise, dass das Kapitel SEZ städtebaulich an sein Ende kommt. Im Innenhof des seit Jahren leerstehenden Gebäudes fallen bereits die ersten Wände, während sich die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM bislang nicht offiziell äußert.

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Schon im Herbst hatte das Berliner Landesdenkmalamt entschieden, dem Bau keinen Denkmalschutz zu gewähren. Als Begründung nannte die Behörde starke Umbauten, Vandalismus und Wasserschäden, die den ursprünglichen Zustand erheblich verändert hätten. Aus ihrer Sicht sei das SEZ kein authentisches Zeugnis der DDR-Architektur mehr. Ein Erhalt selbst einzelner Bereiche komme daher nicht in Betracht.

Veränderte Bausubstanz: Warum das SEZ in Friedrichshain keinen Denkmalschutz erhält

In einer Stellungnahme verwies das Landesdenkmalamt besonders auf die tiefgreifenden Eingriffe im Gebäudeinneren. Über Jahrzehnte hätten Einbauten die ursprüngliche Architektur überlagert und ihren Charakter verfälscht. Gleichzeitig hätten Vernachlässigung und nicht autorisierte Nutzungen die Substanz weiter geschwächt.

Aus dieser Perspektive gehe es nicht mehr um die Bewahrung eines eigenständigen Bauwerks, sondern um die Neugestaltung eines stark veränderten Komplexes. Die Entscheidung schuf damit die Grundlage für die weiteren Planungen der WBM.

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Neues Wohnquartier geplant: Machbarkeitsstudie empfiehlt kompletten Abriss des SEZ

Parallel dazu beauftragte die WBM eine Machbarkeitsstudie für die Zukunft des Standorts. Sie sieht ein gemischtes Quartier mit mehr als 550 Wohnungen vor, zur Hälfte sozial gefördert. Ergänzend sollen Gewerbeflächen entstehen, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit verknüpfen. Gleichzeitig bestätigte der Senat seine Unterstützung für diesen Weg. Bausenator Christian Gaebler betonte mehrfach, Berlin benötige dringend zusätzliche Flächen für den Wohnungsbau. Das SEZ-Areal sei dafür geeignet, ein Teilerhalt spiele für ihn keine Rolle.

In einer Jurysitzung präsentierten fünf Büros ihre städtebaulichen Entwürfe. Vier Konzepte sahen den vollständigen Abriss vor, darunter der am Ende prämierte Entwurf. Er setzt die Leitlinien für die weitere Entwicklung des Geländes. Nur ein Vorschlag schlug den Erhalt zentraler Bauteile vor und wurde vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ausdrücklich gelobt. Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt erklärte, das Konzept zeige, dass Wohnungsbau und ein teilweiser Erhalt vereinbar seien. Dennoch erhielt es keine Mehrheit.

Politische Debatte: Linke bemängelt fehlende Prüfung von Erhaltungsoptionen des SEZ

Auch aus dem Abgeordnetenhaus kam Kritik. Der Linken-Politiker Damiano Valgolio sagte, die Ausschreibung habe einen Erhalt kaum berücksichtigt. Zudem sei die Kostenfrage nie systematisch untersucht worden. Damit vergebe der Senat aus seiner Sicht eine Chance.

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Trotz der Einwände bleibt der politische Kurs eindeutig. Das Areal soll vollständig neu bebaut werden. Der nun begonnene Abriss schafft die Voraussetzungen für die konkrete Planung des künftigen Quartiers.

Vom DDR-Prestigeprojekt zum Leerstand: Die Geschichte des SEZ

Das SEZ, das 1981 eröffnete, galt lange als eines der bedeutendsten Freizeitprojekte der DDR. Schwimmhallen, Sportbereiche, eine Eisbahn und zahlreiche Veranstaltungsräume zogen täglich zehntausende Besuchende an.

Nach der Wiedervereinigung verlor der Betrieb jedoch seine wirtschaftliche Grundlage. Die endgültige Schließung im Jahr 2002 leitete eine Phase des Verfalls ein, die durch Zwischennutzungen und spätere Räumungen noch verstärkt wurde.

Mit dem Beginn des Abrisses endet die Geschichte eines Bauwerks, das viele Berlinerinnen und Berliner mit ihrer Jugend und dem Freizeitgefühl der DDR verbinden. Zugleich eröffnet sich die Möglichkeit, an der Landsberger Allee ein neues, dichtes Stadtquartier zu entwickeln. Berlin setzt dabei auf zusätzlichen Wohnraum und verabschiedet sich von einem markanten Teil seiner Architekturgeschichte.

Abriss SEZ

Vom Volkspark Friedrichshain ist der Bagger hinter der Sicherheitswand zu erkennen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

SEZ Gelände

Auf dem Gelände zwischen SEZ-Gebäude und Volkspark Friedrichshain haben Rodungs- und Aufräumarbeiten begonnen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

SEZ Gelände

Auch die Gebäude des einstigen SEZ-Biergartens, die direkt an den südlichen Teil des Volksparks Friedrichshain grenzen, sollen im Zuge der Neuplanungen abgerissen werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Stefan Forster GmbH, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Wikipedia, Berliner Morgenpost, Taz

 

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6 Kommentare

  1. Böhme 27. November 2025 at 23:14 - Reply

    Endlich … und weshalb steht dort nur ein Abrissbagger! Die Vorstellung, dieses alte Bad könnte wirtschaftlich betrieben werden, ist absurd. Das Ding ist zu DDR-Zeiten hochsubventioniert worden und nach der Wende ebenfalls hochsubventioniert worden. Das konnte und kann Berlin sich nicht leisten!

    Architektonisch ist das Gebäude bedeutungslos, deswegen ist zu Recht der Denkmalschut abgelehnt worden! Und gut, dass dort stattdessen Wohnungsbau stattfinden soll. Es erstaunlich, dass ausgerechnet von links der Gesellschaft, vor allem auch den Grünen, derartige Gegenwehr stattfindet!

    • Jos 28. November 2025 at 01:13 - Reply

      Super geil wenn wir Kultur und Freizeiteinrichtungen nur ermöglichen wenn sie wirtschaftlich sind. Der Kapitalismus zeigt uns in Berlin ja tagtäglich wie lebenswert es hier ist und sich alles verbessert.

      Die Kreuzung Danziger Ecke Landsberger ist dermaßen unattraktiv, ich finde das SEZ, ein gebäude was schon steht!! könnte diesem stück Stadt wirklich gut tun. Was kommt stattdessen, wahrscheinlich überteuerte Luxuswohnungen als Spekulationsobjekte.

  2. Sebastian 28. November 2025 at 00:14 - Reply

    Egal, ob man diese Entscheidung gut findet. Rund 35 Jahre wurde ein Filetgrundstück mit einer Ruine blockiert. Da bleibt nur Kopfschütteln, ob dieser enormen Bedenkzeit.

  3. Petra 28. November 2025 at 19:14 - Reply

    Jahrelang hat man es hingenommen das der Käufer sich nicht um dieses Objekt gekümmert hat. Wie schade, Berlin bräuchte so ein Freizeitzentrum! Nun fährt man etliche Kilometer, oftmals mit dem Auto, um mit Kindern in ein Spassbad zu gehen. Es war ja nicht nur ein Spassbad, es gab ja viele andere Möglichkeiten dort Freizeit zu verbringen. Sport und Kultur sind offensichtlich Nebensache geworden… merkt man ja an den Kürzungen im Kulturbereich und auch bei diesem Abriss. Hätte man viel früher reagiert wäre das Gebäude des SEZ nicht so marode geworden.Nun denn schauen wir mal für wen da Wohnungen gebaut werden… oftmals ist es ja so das die Stadt es für Investoren vergibt deren Wohnungen für Durchschnittlich verdienende Bürger nicht bezahlbar sind.

    • Böhme 1. Dezember 2025 at 15:18 - Reply

      Es baut dort die WBM als landeseigene Wohnungsgesellschaft – und die Hälfte der geplanten 550 Wohnungen sollen sozial gefördert sein.

    • Jan 15. Dezember 2025 at 21:06 - Reply

      Viele Jahre hat der Senat geklagt und schließlich vorm Bundesgerichtshof Recht bekommen. Oktober letzten Jahres ist der ehemalige Eigentümer endlich zwangsgeräumt worden, und jetzt schon beginnt der Abriss. Wenn Berlin das überall so schnell hinbekommen würde, wäre viel geschafft.
      Das SEZ zog zwar Besucher_innen aus der ganzen DDR an, aber nur deshalb, weil es sonst nichts gab. Es wäre schön, wenn die Schwimmbäder in Berlin heute so beliebt wären, dass sie ihre Kosten selbst tragen könnten. Leider ist das nicht der Fall, weil die Menschen heute eher ins Fitness-Center gehen. Der Europasportpark mit Europas größtem Sport-Schwimmbad ist eine Straßenecke weiter.

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