Am sogenannten „Tor zu Marzahn“ an der Kreuzung Rhinstraße/Allee der Kosmonauten könnten künftig neue Wohnnutzungen entstehen, obwohl das Gebiet bislang als Gewerbestandort gesichert ist. Eine Anfrage im Abgeordnetenhaus bringt Bewegung in die Debatte, konkrete Bauanträge liegen bislang jedoch nur teilweise vor. Im Raum stehen unter anderem Serviced Apartments als Form des „gewerblichen Wohnens“.
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Singlespeedfahrer, CC0
An der Kreuzung Rhinstraße und Allee der Kosmonauten, einem markanten Eingang nach Marzahn, zeichnet sich eine mögliche Veränderung der Nutzung ab. Auslöser ist eine Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Kristian Ronneburg (Die Linke) im Berliner Abgeordnetenhaus. Der Senat teilte mit, dass ein privates Unternehmen auf der nördlichen Seite der Kreuzung ein Wohnbauvorhaben plane. Details zur konkreten Ausgestaltung liegen bislang nicht vor.
Nach Angaben des Bezirks Marzahn-Hellersdorf soll das geplante Vorhaben entlang der Rhinstraße auf bislang als Stellplatz genutzten Flächen entstehen. Bauanträge seien dafür bisher nicht eingereicht worden. Für die südöstliche Seite der Kreuzung, auf der ein bestehendes Bürogebäude steht, liegen dem Bezirksamt nach eigenen Angaben derzeit keine Informationen zu möglichen Erweiterungen vor.
Gewerbegebiet Rhinstraße 84: Bebauungsplan schließt Wohnnutzung in Marzahn weitgehend aus
Planungsrechtlich ist der Standort klar eingeordnet. Das Grundstück Rhinstraße 84 liegt im Geltungsbereich des Bebauungsplans XXI-15 und gehört zu einem der 21 Schwerpunktbereiche des Berliner Konzepts zur Sicherung von Gewerbe- und Industrieflächen. Auch das bezirkliche Wirtschaftsflächenkonzept von 2022 sieht vor, den Standort als Industrie- und Gewerbegebiet zu sichern und weiterzuentwickeln. Wohnen ist dort grundsätzlich nicht vorgesehen.
Der Senat verweist auf die historisch gewachsene Zweiteilung der Rhinstraße. Während auf Lichtenberger Seite großmaßstäblicher Wohnungsbau aus DDR-Zeiten dominiert, prägen auf Marzahner Seite ausgedehnte Gewerbeflächen das Bild. Ein jüngerer Wohnungsneubau mit Gewerbe im Erdgeschoss habe den Kreuzungsbereich auf Lichtenberger Gemarkung zwar räumlich gefasst, weitere Projekte seien dort aber nicht bekannt.
Bürostandort RHIN 84–88: Trockland prüft neue Nutzungen an der Rhinstraße
Auf den Grundstücken Rhinstraße 84 bis 88 stehen heute Bürogebäude, die vom Projektentwickler Trockland verwaltet werden. Der Komplex stammt aus den späten 1980er-Jahren und wurde in den vergangenen Jahren saniert. Er bietet rund 14.000 Quadratmeter Bürofläche sowie umfangreiche Stellplatzanlagen.
Trockland erklärte gegenüber der Berliner Morgenpost, die Planungen befänden sich in einem sehr frühen Stadium und man stehe in Abstimmung mit Senat und Bezirk. Konkrete Entwürfe oder Baukörper wurden bislang nicht öffentlich vorgestellt.
Rhinstraße 88: Serviced Apartments als Sonderform im Gewerbegebiet geplant
Für das Grundstück Rhinstraße 88 liegt laut Bezirksamt jedoch bereits ein Bauantrag vor. Demnach soll ein ehemaliges Jobcenter-Gebäude saniert und zu einer Beherbergungsstätte umgebaut werden. Vorgesehen sind sogenannte Serviced Apartments, die für kurze Zeiträume, in der Regel bis zu drei Monate, vermietet werden können. Diese Nutzungsform gilt als „gewerbliches Wohnen“.
Ob diese Form der Nutzung im Gewerbegebiet zulässig ist, wird derzeit geprüft. Das Bezirksamt weist darauf hin, dass reguläres Wohnen in Gewerbegebieten ausgeschlossen sei, da Wohnnutzungen besonderen Schutz vor Lärm und Emissionen erfordern würden. Eine solche Entwicklung könne bestehende Gewerbebetriebe unverhältnismäßig einschränken.
Tor zu Marzahn: Offene Perspektiven zwischen Gewerbesicherung und neuer Nutzung
Damit bleibt die Zukunft des Areals am Tor zu Marzahn offen. Einerseits besteht Interesse, leerstehende oder untergenutzte Büroflächen neu zu aktivieren. Andererseits stehen dem klare planungsrechtliche Vorgaben entgegen, die den Standort als Gewerbefläche sichern sollen. Ob Serviced Apartments als Sonderform eine Lösung darstellen oder ob es bei gewerblichen Nutzungen bleibt, wird sich erst im weiteren Verfahren zeigen.
Jede Form von Wohnnutzung an der Rhinstraße würde eine sorgfältige Abwägung zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, planungsrechtlichen Vorgaben und den Interessen der bestehenden Betriebe erfordern.
Quellen: Rhin 84-88, Trockland, Abgeordnetenhaus Berlin, Berliner Morgenpost
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