In Berlin-Lichtenberg wächst derzeit eines der größten seriellen Holzbauprojekte Deutschlands. 158 neue Mietwohnungen entstehen in modularer Bauweise und sollen ab 2027 dringend benötigten Wohnraum schaffen. Das Vorhaben will zeigen, wie industrielle Fertigung Bauprozesse beschleunigen und Kosten senken kann.

So sollen die neuen Wohnungen an der Schlichtallee künftig aussehen. Das Nachverdichtungsprojekt ist darauf ausgelegt, sich harmonisch in die bestehende Umgebung einzufügen. / © Visualisierung: Gropyus
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© Foto Titelbild: Vonovia/Offenblende | Vonovia/Offenblende
An der Schlichtallee in Berlin-Lichtenberg entsteht derzeit ein Projekt, das beispielhaft für neue Wege im urbanen Wohnungsbau stehen will. Die BUWOG, Tochterunternehmen von Vonovia, realisiert gemeinsam mit dem Holzbauspezialisten Gropyus insgesamt 158 Mietwohnungen in modularer Holzbauweise. Das Vorhaben gilt aktuell als größtes serielles Holzbauprojekt des Unternehmens in Deutschland.
Bei einem Besuch der Baustelle informierte sich Staatssekretär Dr. Olaf Joachim (SPD) aus dem Bundesministerium für Wohnen kürzlich über die Fortschritte. Er betonte, dass Nachverdichtung sowie serielle und modulare Herstellungsverfahren zunehmend eine zentrale Rolle spielten.
158 Wohnungen in Lichtenberg: Industrielle Fertigung prägt den Ablauf
Kern des Projekts ist eine umfangreiche Vorfertigung. In der Gropyus-Fabrik im baden-württembergischen Richen verlassen im Durchschnitt alle 16 Minuten maßgefertigte Bauelemente die Produktionslinie. Nach Unternehmensangaben führt die automatisierte Herstellung zu einer hohen Präzision und einer deutlichen Reduktion potenzieller Baumängel. Die mehr als 5.000 Wand- und Deckenelemente werden anschließend vor Ort zu Gebäuden mit bis zu sechs Geschossen montiert.
Die Baukosten sinken nach Angaben der BUWOG-Geschäftsführerin Eva Weiß deutlich: Die industrielle Fertigung habe die Kosten pro Quadratmeter von ursprünglich rund 5.000 auf etwa 3.600 Euro reduziert. Auch für das Umfeld der Baustelle sei die kürzere Bauzeit ein wichtiger Vorteil.
Schlichtallee: Bau unter Zeltdach und hoher Vorfertigungsgrad
Besonderheit der Baustelle ist ein großes Zeltdach, das die sensiblen Holz- und Gipsfaserelemente vor Feuchtigkeit schützen soll. Jedes Element trägt einen QR-Code, der die genaue Position im Gebäude vorgibt. Gropyus betont, dass die modulare Bauweise trotz Standardisierung individuelle Zuschnitte und Gestaltungen ermögliche.
Der Vorfertigungsgrad des Projekts liegt bei über 80 Prozent. Die verbleibenden Arbeiten betreffen daher insbesondere Haustechnik, Innenausbau, Fassaden und Balkone. Die Gebäude werden als Effizienzhaus 55 NH ausgeführt und sollen das staatliche Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude PLUS erhalten. Vorgesehen sind ein bis vier Zimmer pro Wohnung, 127 Einheiten sollen barrierefrei sein.
Serieller Holzbau in Lichtenberg: Geplante Fertigstellung bis 2027
Der Bau erfolgt in neun Abschnitten, jeweils mit zwei parallel entstehenden Häusern. Alle zehn Wochen beginnt ein neuer Abschnitt. Die Fertigstellung des gesamten Ensembles ist für März 2027 geplant. Die Projektbeteiligten gehen davon aus, dass sich durch die serielle Fertigung bis zu zwei Jahre Bauzeit einsparen lassen.
Für die neuen Wohnungen werde derzeit eine durchschnittliche Nettokaltmiete von 15 bis 16 Euro pro Quadratmeter erwartet, womit das Projekt etwas unter dem Berliner Neubau-Niveau liegt. Allerdings findet das Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung hier keine Anwendung, da kein Bebauungsplan erforderlich war. Eine mietpreisgebundene Quote von 30 Prozent entfällt daher.
Nachverdichtung und die Rolle von Vonovia: Wohnprojekt trifft auf gemischte Reaktionen
Während das Projekt als Beispiel moderner Nachverdichtung präsentiert wird, äußern Anwohnende seit längerem Kritik. Die Berliner Mietergemeinschaft berichtete schon vor Monaten von Belastungen durch die Bauarbeiten und forderte eine pauschale Mietminderung für die Dauer der Bauphase. Auch die Rolle von Vonovia wird in Teilen der Nachbarschaft kritisch betrachtet.
Trotz dieser Debatte gilt das Vorhaben als Testfeld dafür, wie industrielle Fertigung den Wohnungsbau im städtischen Kontext verändern kann. Die kommenden Jahre werden zeigen, inwiefern die Schlichtallee als Blaupause für weitere Projekte dient.
Quellen: Vonovia, Gropyus, Bezirksamt Lichtenberg von Berlin, „MieterEcho“ Zeitung der Berliner Mietergemeinschaft e.V., Berliner Morgenpost
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