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Die Berliner Landesregierung hat ihre ursprüngliche Planung revidiert. Die Notunterkunft im ehemaligen Flughafen Tegel bleibt länger bestehen als angekündigt. Statt eines vollständigen Auszugs zum Jahresende sollen mehrere Hundert Geflüchtete weiterhin in Terminal C untergebracht werden. Verzögerungen beim geplanten neuen Ankunftszentrum machen eine erneute Zwischenlösung notwendig.

Geflüchtetenunterkunft Tegel

Die EU-Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems verlangt bis 2026 einheitliche Verfahren für Registrierung und Erstunterbringung Geflüchteter, weshalb Tegel umfassend umgebaut werden muss. Vorgesehen sind neue Containerunterkünfte für rund 2.600 Menschen, die ausschließlich für neu Angekommene genutzt werden sollen. / © Foto: IMAGO / Funke Foto Services

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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Berlinschneid, CC BY-SA 4.0

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Der ehemalige Flughafen Tegel bleibt auch über das Jahresende hinaus ein zentraler Standort für die Unterbringung Geflüchteter in Berlin. Noch im Sommer hatte Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) angekündigt, die Notunterkunft werde bis Ende 2025 vollständig geräumt. Diese Pläne sind inzwischen überholt. Integrationsstaatssekretär Max Landero (SPD) erklärte im Abgeordnetenhaus, die Unterkunftsstruktur mit rund 500 Plätzen im Terminal C solle zunächst erhalten bleiben. Der Standort werde weiterhin als Puffer benötigt, um kurzfristige Engpässe in der Notunterbringung abzufedern.

Derzeit leben nach Angaben des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten etwa 1.000 Menschen in Tegel, zeitweise waren es mehr als 5.000. Die Leichtbauhallen, die seit 2022 große Teile der Unterbringung ermöglicht hatten, werden jedoch schrittweise abgebaut. Diese provisorischen Bauten hatten wenig Privatsphäre geboten und galten als kostspielig. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Senat daher beschlossen, künftig auf Containerunterkünfte zu setzen, um die Bedingungen für Ankommende zu verbessern.

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Streit um Standortwahl: Tegel oder Reinickendorf für neues Ankunftszentrum?

Während Tegel als Notunterkunft bestehen bleibt, verzögert sich der Aufbau eines neuen zentralen Ankunftszentrums nach europäischen Standards. Die EU verpflichtet ihre Mitgliedstaaten ab Juni 2026 zu einheitlichen Verfahren bei Registrierung und Erstunterbringung. In Berlin ist darüber jedoch weiterhin keine Einigung erzielt. Laut Landero sei die Abstimmung innerhalb der Koalition noch nicht abgeschlossen, wie der Tagesspiegel berichtet.

Nach Informationen des Tagesspiegels plädiert die SPD-geführte Sozialverwaltung für einen zentralen Standort in Tegel, während die CDU einen Teil der Registrierung im bisherigen, sanierungsbedürftigen Ankunftszentrum in Reinickendorf für umsetzbar hält. Einig ist man sich jedoch in einem Punkt: Auf dem Tegeler Gelände soll ein neuer Containerstandort mit rund 2.600 Plätzen entstehen, der bessere Standards bieten soll als die bisherigen Leichtbauhallen.

Umbau in Tegel stockt: Notunterkunft bleibt bestehen, Ankunftszentrum rückt in die Ferne

Laut Staatssekretär Landero wird der Neubau der Containerunterkünfte frühestens Ende 2026 fertiggestellt. Dies bedeutet eine erhebliche Verzögerung gegenüber früheren Aussagen. Noch im Juli 2025 hatte die Sozialverwaltung angekündigt, der Rückbau der Hallen und der vollständige Auszug der Bewohnenden solle bis Ende 2025 abgeschlossen sein. Ab 2026 sollte dann ein reines Ankunftszentrum entstehen.

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Doch weil die Planung stockt und die Umsetzung der EU-Richtlinien näher rückt, bleibt Tegel vorerst ein gemischter Standort aus Notunterkunft und zukünftigem Registrierzentrum. Der Senat rechnet zugleich mit einer moderaten Entwicklung der Fluchtzahlen. Tatsächlich sind die Neuankünfte ukrainischer Geflüchteter zuletzt wieder gestiegen, im Oktober erstmals seit zwei Jahren auf mehr als 1.300 Personen.

Tegel bleibt zentraler Standort: Notunterkunft soll bis mindestens 2031 genutzt werden

Der Standort Tegel war seit 2022 zu einer der größten Notunterkünfte Deutschlands angewachsen. Mit bis zu 5.000 Bewohnerinnen und Bewohnern bildete er den Kern der Berliner Erstunterbringung. Auch nach der geplanten Neuordnung wird Tegel für viele Jahre ein wichtiger Ort der Erstaufnahme bleiben. Die Senatskanzlei hatte bereits 2025 angekündigt, das Gelände mindestens bis 2031 als Ankunfts- und Registrierzentrum zu nutzen.

Wie schnell der Umbau gelingt und ob die politischen Konflikte innerhalb der Koalition gelöst werden können, ist vorerst unklar. Die Verzögerungen beim neuen Ankunftszentrum machen einen vollständigen Rückzug aus Tegel vorerst unmöglich und zwingen Berlin dazu, die provisorische Nutzung des ehemaligen Flughafens länger fortzuführen, als ursprünglich geplant.

Quellen: Tagesspiegel, Senatskanzlei Berlin

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