Das Wohn- und Atelierhaus in der Wallstraße 88a bis 90 in Berlin-Mitte steht nun unter Denkmalschutz. Der Gebäudekomplex aus den frühen achtziger Jahren erzählt viel über die architektonischen Entwicklungen der DDR und über einen bekannten Bewohner, dessen Werk den Stadtraum bis heute prägt.

Marzahner Promenade 40, Mosaikgestaltung von Walter Womacka

Womackas Mosaikgestaltungen schmücken nicht nur das „Haus des Lehrers“ am Alexanderplatz, sondern auch die Marzahner Promenade 40. / © Foto: Wikimedia Commons, Singlespeedfahrer, CC0 1.0

© Foto Titelbild: WBM
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Das Landesdenkmalamt Berlin hat das Wohn- und Atelierhaus in der Wallstraße 88a bis 90 in die Denkmalliste aufgenommen. Der zwischen 1982 und 1984 errichtete Komplex befindet sich im Eigentum der landeseigenen WBM und gilt als besonderes Beispiel der späten DDR-Architektur. In der Hausnummer 90 lebte viele Jahre der Künstler Walter Womacka, der zu den bekanntesten Kunstschaffenden der DDR gehörte.

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Der Gebäudekomplex wurde ursprünglich für Beschäftigte des Ministeriums für Außenhandel errichtet. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren für den Erwerb von Devisen sowie Gütern aus dem westlichen Ausland und nahmen damit eine privilegierte Stellung ein. Die Lage am Spreekanal sowie eine gehobene Ausstattung im Gebäude spiegeln diese Bedeutung wider.

DDR-Architektur in Berlin-Mitte: Ungewöhnliche Bauweise an der Wallstraße

Das Planungskollektiv der Bauakademie der DDR unter der Leitung von Michael Limberg war damit beauftragt, ein Wohnhaus zu schaffen, das sich sowohl funktional als auch städtebaulich in die Umgebung einfügt. Die schwierigen Bedingungen des Baugrundstücks und die historische Nachbarbebauung führten zu einer Besonderheit, denn anders als viele Gebäude dieser Zeit wurde der Komplex nicht aus Plattenelementen montiert. Stattdessen entschieden sich die Planer für eine gemauerte Konstruktion, die im Ost Berlin der frühen achtziger Jahre eine große Ausnahme darstellte.

Diese Bauweise ermöglichte einen flexibleren Entwurf. Das Gebäude folgt dem Verlauf der Wallstraße, zeigt Vor- und Rücksprünge und bildet aufgrund seiner Ecklage eine städtebaulich markante Situation, die bis zum Spittelmarkt wirkt. Gleichzeitig entstand entlang des Spreekanals eine einheitliche Front zur zeitgleich neugestalteten Uferpromenade.

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Berlin-Mitte und die Kunst: Walter Womackas Wohnung und Atelier

Besonders hervor sticht die individuell gestaltete Wohnung von Walter und Hanni Womacka. Der Künstler erhielt Räume, die speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnitten waren, darunter ein Atelier mit einem eigenen Ausstellungsbereich. Womacka war lange Rektor der Kunsthochschule Weißensee und prägte mit zahlreichen Arbeiten den öffentlichen Raum Ost Berlins. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das großformatige Mosaik am „Haus des Lehrers“ am Alexanderplatz.

Das Wohnhaus bot zudem eine für DDR-Wohnbauten ungewöhnliche Ausstattung. Ein hauseigenes Casino sowie ein privater Friseur und Kosmetiksalon gehörten zum Angebot für die Beschäftigten des Ministeriums. Diese Einrichtungen spiegeln die besondere Stellung der Bewohnerinnen und Bewohner wider, die im staatlichen Wirtschaftssystem eine zentrale Rolle spielte.

Neues denkmalgeschütztes Gebäude in Mitte: Bedeutung für Stadtentwicklung und Bestandspflege

Der Berliner Landeskonservator Christoph Rauhut erklärt, dass das Gebäude beispielhaft für einen Wendepunkt in der DDR-Architektur stehe. Er führt aus, dass in den frühen achtziger Jahren verstärkt historische Bausubstanz saniert und Neubauten stärker am vorhandenen Bestand orientiert wurden. Der Blick von der Wallstraße zur gegenüberliegenden Fischerinsel verdeutliche diesen Bruch, da dort in den sechziger Jahren der historische Fischerkiez großformatigen Hochhäusern weichen musste.

Für die WBM bedeutet die Aufnahme des Hauses in die Denkmalliste eine Erweiterung ihres bereits umfangreichen Bestands. Geschäftsführer Lars Dormeyer betont, dass zahlreiche denkmalgeschützte Ensembles zum Portfolio gehören und einen festen Bestandteil der Unternehmensgeschichte bilden. Das Wohn- und Atelierhaus an der Wallstraße reiht sich nun in diese Tradition ein.

Quellen: WBM, Berliner Zeitung

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