Mehr als 120 Jahre Leipziger Energiegeschichte spiegeln sich im Gasometer Nord wider. Das gesicherte Industriedenkmal hat Kriege, politische Umbrüche und wirtschaftlichen Wandel überstanden. Eine neue Funktion fehlt ihm allerdings bis heute.

Leipziger Gasometer Nord mit freiliegender Stahlkonstruktion der Kuppel hinter historischen Gewerbegebäuden an der Roscherstraße.

Über der gemauerten Außenhülle erhebt sich die historische Stahlkonstruktion der Kuppel. Das früher darauf liegende Holzdach wurde 1995 wegen seines schlechten Zustands entfernt und anschließend nicht wiederhergestellt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Nördlich der Leipziger Innenstadt erhebt sich zwischen Roscherstraße und Eutritzscher Straße einer der markantesten erhaltenen Industriebauten der Stadt. Der Gasometer Nord erinnert an die Zeit, in der Stadtgas für Beleuchtung, Wärme und Gewerbe eine zentrale Rolle spielte. Während andere Leipziger Gasspeicher längst kulturell genutzt werden, wartet der monumentale Rundbau bis heute auf eine dauerhafte neue Funktion.

  • Stadtteil: Zentrum-Nord
  • Adresse: Roscherstraße 10
  • Bauzeit: nach Angaben der Stadtwerke 1902 bis 1904
  • Höhe: rund 45 Meter einschließlich Dachkonstruktion
  • Innendurchmesser: etwa 54,50 Meter
  • Status: Technisches Denkmal ohne dauerhafte Nachnutzung

Gasometer Nord entstand auf dem Gelände des ersten Leipziger Gaswerks

Der Standort besitzt eine deutlich längere Geschichte als das heute sichtbare Bauwerk. Bereits 1838 entstand hier das erste städtische Gaswerk Leipzigs. Mit dem Wachstum der Stadt stieg auch der Bedarf an Speicherkapazitäten. Der Gasometer Nord wurde nach Angaben der Stadtwerke zwischen 1902 und 1904 errichtet. Andere Darstellungen datieren einen Vorgängerbau beziehungsweise die Anlage bereits auf die Zeit um 1890.

Der runde Klinkerbau umschloss ursprünglich einen beweglichen Glockengasbehälter. Darin wurde das im Gaswerk erzeugte Gas zwischengespeichert und je nach Bedarf in das städtische Netz eingespeist. 94 Fenster gliederten die massive Fassade, deren Mauerwerk stellenweise bis zu 3,50 Meter stark ist.

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Leipzig: Gasproduktion am Standort endete bereits 1929

Schon im Jahr 1929 stellte Leipzig die Gasproduktion an der Roscherstraße ein. Die Versorgung übernahm fortan das größere Gaswerk in Connewitz. Auf dem nördlichen Betriebsgelände entstanden anschließend ein Elektrizitäts- und Fernheizwerk. Der Gasometer blieb jedoch als Speicherbau erhalten.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Bauwerk, wurde nach Angaben der Stadtwerke aber 1945 stillgelegt. Während der DDR besaß es damit keine zentrale Funktion mehr für die Gasversorgung. Die Leipziger Stadtgaserzeugung wurde 1977 vollständig beendet und auf Ferngas umgestellt. Der Rundbau jedoch blieb bestehen, auch ohne Funktion.

Nach dem Mauerfall begann die Sicherung des Industriedenkmals

In den Nachwendejahren verschlechterte sich der Zustand des ungenutzten Gebäudes zunehmend. Das marode Holzdach wurde 1995 aus Sicherheitsgründen entfernt, wodurch die markante Stahlkonstruktion der Kuppel sichtbar wurde, die bis heute das Denkmal prägt. Zwischen 2001 und 2003 ließen die Stadtwerke Altlasten auf dem Gelände beseitigen.

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Eine umfassendere Sicherung folgte ab 2012. Fachleute schlossen Risse, restaurierten das Sichtmauerwerk, erneuerten Abdeckungen und Fensterbänke und arbeiteten den Sockel auf. 2013 war die Sanierung der Außenhülle abgeschlossen; anschließend wurde auch die stählerne Kuppelkonstruktion gesichert.

Leipzigs Gasometer Nord: Dauerhafte Nachnutzung steht weiterhin aus

Zeitweise war vorgesehen, den Innenraum als Veranstaltungsstätte zu erschließen. Eine dauerhafte öffentliche Nutzung nach dem Vorbild des Leipziger Panometers im Süden der Stadt entwickelte sich daraus bislang jedoch nicht.

Der Gasometer Nord befindet sich weiterhin auf dem Gelände der Leipziger Stadtwerke und ist als technisches Denkmal erhalten. Damit bleibt er ein weithin sichtbares Zeugnis der Leipziger Energiegeschichte; zugleich aber ist er auch ein Beispiel dafür, wie schwierig die Nachnutzung groß dimensionierter Industriedenkmale sein kann.

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Nahansicht der runden Klinkerfassade des Leipziger Gasometers Nord mit mehreren Reihen von Rundbogenfenstern und Außentreppe.

Die massive Klinkerfassade des Gasometers Nord wird durch zahlreiche Rundbogenfenster gegliedert. Der historische Gasspeicher an der Roscherstraße steht heute als technisches Denkmal unter Schutz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Leipzig Gasometer Nord

Quellen: leipziger-industriekultur.de, PERI Deutschland, Leipzig-Days, Panometer, Leipziger Zeitung

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