Aus dem früheren Grandhotel Astoria sollte erneut eine der besten Hoteladressen Leipzigs werden. Nach Rechtsstreitigkeiten, Planänderungen und jahrelangem Stillstand ist von dieser Vision nur noch eine deutlich verkleinerte Variante übrig. Doch selbst die Realisierung dieser reduzierten Pläne steht bislang in den Sternen.

Baumaschinen und Material stehen auf dem Gelände des Astoria, ein kontinuierlicher Bauablauf ist jedoch nicht erkennbar. Die Stadt Leipzig hatte im Juni 2026 nach eigenen Angaben noch keine Anzeige für einen neuen Baubeginn erhalten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Wohl kaum ein Gebäude steht so sichtbar für die wechselhafte Leipziger Geschichte wie das Hotel Astoria. Direkt gegenüber dem Hauptbahnhof gelegen, war es einst Grandhotel, Messeadresse und politisches Repräsentationshaus. Seit seiner Schließung Ende 1996 entwickelte sich das denkmalgeschützte Gebäude jedoch zu einer der prominentesten Ruinen der Innenstadt. Auch 2026 bleibt offen, wann hier wieder Gäste empfangen werden.
- Adresse: Willy-Brandt-Platz 4
- Eröffnung: 5. Dezember 1915
- Schließung: 30. Dezember 1996
- Eigentümer: Vivion
- Aktuelle Planung: Hotel, Wohnungen und möglicherweise Serviced Apartments
- Projektstatus: Baugenehmigung vorhanden, regulärer Weiterbau nicht absehbar
Errichtet wurde das Astoria zwischen 1913 und 1915 nach Plänen der Dresdner Architekten William Lossow und Max Hans Kühne, die auch am benachbarten Hauptbahnhof beteiligt waren, was sich architektonisch an den Fassaden leicht ablesen lässt. Rund 200 Zimmer, Restaurants, Gesellschaftsräume und ein Tanzcafé machten das Haus zu einer der ersten Adressen Leipzigs.
Hotel Astoria wurde zum Repräsentationshaus der DDR
Während des Nationalsozialismus wurde der jüdische Eigentümer Carl Ottokar Cohn gezwungen, das Hotel weit unter Wert an den Staat zu verkaufen. Beim Luftangriff auf Leipzig im Dezember 1943 wurde das Gebäude teilweise zerstört, konnte aber bereits 1946 wieder eingeschränkt genutzt werden. Die offizielle Wiedereröffnung folgte im Jahr 1949.
In der DDR wurde das Astoria mehrfach erweitert und modernisiert. Ab 1965 gehörte es zur staatlichen Interhotel-Kette, deren Gründungsfestakt im selben Jahr dort stattfand. Mit zeitweise 465 Betten, zahlreichen Restaurants, Salons und Veranstaltungsräumen galt das Haus als eines der luxuriösesten Hotels des Landes. Es diente als Regierungs- und Protokollhotel, beherbergte Staatsgäste, Messebesucher und Gäste aus dem westlichen Ausland.

Wer den Leipziger Hauptbahnhof verlässt, blickt seit Jahren auf die Baustelle des ehemaligen Hotels Astoria. Statt der ursprünglich geplanten 250 Zimmer sollen nach aktuellem Stand ein kleineres Hotel, Wohnungen und möglicherweise Serviced Apartments entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Leipziger Hotel-Ikone: Nach der Wiedervereinigung folgten Schließung und Leerstand
Nach dem Mauerfall wurde das Astoria privatisiert. Ab 1992 führte die Maritim Hotelgesellschaft den Betrieb weiter, schloss das Haus jedoch Ende 1996. Danach wechselte die Immobilie mehrfach den Eigentümer, ohne dass eine angekündigte Wiederbelebung umgesetzt wurde.
Erst nach dem Verkauf an Intown Invest im Jahr 2016, später Lianeo beziehungsweise Vivion, schien Bewegung in das Projekt zu kommen. 2018 begannen vorbereitende Arbeiten, 2019 war das Gebäude weitgehend entkernt. Geplant war ein neues Grandhotel mit rund 250 Zimmern, großer Lobby, Restaurants, Rooftop-Bar, Spa sowie umfangreichen Bankett- und Konferenzbereichen.
Rechtsstreit mit Nachbarhotel stoppte den Umbau mehrfach
Die ambitionierten Pläne gerieten allerdings rasch ins Stocken. Der Eigentümer des benachbarten Best-Western-Hotels ging gegen die Baugenehmigung vor und verwies unter anderem auf Lärm, Lieferverkehr und Belastungen durch die Bauarbeiten. Im Sommer 2019 folgte ein erster Baustopp, Anfang 2020 erklärte das Oberverwaltungsgericht die Genehmigung für planungsrechtlich unzulässig.
Zwar hob die Stadt Leipzig den Baustopp später wieder auf, doch die Arbeiten kamen nicht dauerhaft in Gang. Auch eine 2022 angekündigte Fortsetzung führte nicht zum erhofften Durchbruch. Die ursprünglich für 2020, später für 2025 angekündigte Eröffnung wurde immer weiter verschoben.

Teile der Fassade des früheren Hotels Astoria sind weiterhin eingerüstet, andere Bereiche liegen bereits wieder frei. Ein belastbarer Zeitplan für die Fortsetzung des Umbaus existiert bislang nicht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Astoria soll kleiner werden: Hotel, Wohnungen und Serviced Apartments geplant
Die 2023 genehmigte, deutlich reduzierte Planung sieht schließlich nur noch ein Drei- bis Vier-Sterne-Businesshotel mit rund 120 Zimmern sowie Wohnungen vor. Nach Angaben des Eigentümers könnten Teile davon als Serviced Apartments betrieben werden. Gespräche mit mehreren möglichen Hotelbetreibern laufen demnach weiterhin.
Ein sichtbarer Neustart ist bislang jedoch nicht erfolgt. Im Frühjahr 2026 wurden sogar Teile der Gerüste entfernt, weil sie nach Angaben des Eigentümers für die Sicherung nicht mehr benötigt würden.
Wann wird das einstige Grand Hotel Astoria baulich fertiggestellt?
Die Stadt Leipzig erklärte im Juni dieses Jahres, dass weder für das Hotel noch für das Wohnprojekt „Astoria Living“ ein Baubeginn angezeigt worden sei. Damit bleibt das Astoria fast genau 30 Jahre nach seiner Schließung eine Baustelle ohne belastbaren Fertigstellungstermin.
Regelmäßige Kontrollen sollen zwar den denkmalgeschützten Bestand sichern. Wann aus der prominenten Ruine gegenüber dem Hauptbahnhof wieder ein Hotel wird, ist jedoch offener denn je.
Leipzig Hotel Astoria
Quellen: Süddeutsche Zeitung, Vivion, b+b media, Wikipedia, Tag24, Leipziger Volkszeitung, German Architects
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