An der Josef-Orlopp-Straße in Lichtenberg steht seit 1913 das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude von Konsum Berlin. Ein Rundgang führt von der neoklassizistischen Fassade bis in den weitgehend erhaltenen Rittersaal. Derzeit wird das Gebäude aufwendig modernisiert und erweitert.

Frontansicht des Konsum-Verwaltungsgebäudes mit drei Eingangsportalen, vier Sandsteinskulpturen und geschwungenem Dachgiebel.

Die neoklassizistische Fassade an der Josef-Orlopp-Straße: Sandsteinskulpturen und drei Eingangsportale prägen das 1913 fertiggestellte Verwaltungsgebäude. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Wer aus westlicher Richtung über die Storkower Straße zur Josef-Orlopp-Straße fährt, sieht spätestens an der Kreuzung zur Vulkanstraße ein markantes Firmenlogo: „Konsum Berlin“ steht in großen roten Lettern auf einer weißen Giebelwand.

Noch eindrucksvoller ist die neoklassizistische Fassade des Konsum-Verwaltungsgebäudes an der Josef-Orlopp-Straße 32–36. Sie lässt bereits erahnen, dass sich dahinter ein aufwendig gestaltetes Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert befindet.

Besuch im Konsum-Verwaltungsgebäude in Berlin-Lichtenberg

Ein Hinweis auf den sogenannten Rittersaal im Gebäude hatte unser Interesse geweckt. Deshalb vereinbarten wir einen Termin mit Vorstand Carsten Werner und Katrin Perner, die für die Mitglieder- und Partnerbetreuung verantwortlich ist.

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Die Überraschung über dieses architektonische Kleinod in Lichtenberg war uns wohl anzusehen. Auf ein Gespräch über die wirtschaftlichen Aktivitäten der Genossenschaft folgte ein Rundgang durch das Gebäude.

Geschichte des Konsum-Geländes: Grundsteinlegung im Jahr 1910

Die Geschichte des Standorts reicht bis etwa 1900 zurück. Damals erwarb die 1899 gegründete Konsumgenossenschaft ein rund 124.000 Quadratmeter großes Areal zwischen der Rittergutstraße, der heutigen Josef-Orlopp-Straße, sowie der Ruschestraße und der Bornitzstraße.

Am 29. Mai 1910 wurde der Grundstein für das viergeschossige Geschäfts- und Wohnhaus gelegt, das 1913 fertiggestellt wurde. Die Wohnungen im Gebäude waren für Vorstandsmitglieder vorgesehen. Den Bau schließt ein Walmdach ab.

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Architektur des Verwaltungsgebäudes: Stahlbetonskelett und Sandsteinskulpturen

Das symmetrische Gebäude mit seinen 14 Fensterachsen wurde als Stahlbetonskelettbau errichtet. Es besitzt drei gleich große Eingangsportale. Darüber befinden sich vier überlebensgroße männliche Sandsteinskulpturen, die antiken Vorbildern folgen.

Auch im Inneren zeigt sich der gestalterische Anspruch des Baus. Der Architekt Leberecht Paul Ehricht setzte im Auftrag des Vorstands eine aufwendige Innenraumgestaltung um, deren Details beim Rundgang durch das Gebäude sichtbar werden.

Ob die aufwendige Gestaltung mit den Grundsätzen und Zielen der Konsumgenossenschaft vereinbar war, sei dahingestellt. Möglicherweise wollte die Unternehmensführung mit einem soliden, architektonisch ansprechenden Sitz Vertrauen bei Geschäftspartnern schaffen und eine gute Grundlage für Vertragsverhandlungen bieten.

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Schmaler heller Innenbereich mit steinerner Wandverkleidung, hohen Fenstern und gegliederter Decke.

Auch abseits des Rittersaals zeigen sich architektonische Details des denkmalgeschützten Gebäudes, darunter Kassettendecken und hohe Fenster. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Historische Innenausstattung des Konsum-Verwaltungsgebäudes weitgehend erhalten

Große Teile der ursprünglichen Innenausstattung sind erhalten geblieben. Dazu gehören der Schmuckspringbrunnen im Eingangsfoyer und die hölzernen Wandverkleidungen mit ihren Schnitzereien.

Auch im großen Sitzungssaal, dem sogenannten Rittersaal, sind viele historische Details erhalten: die ursprünglichen Deckenleuchten, Einbauschränke und holzverkleideten Heizkörper.

Rittersaal in Lichtenberg: Herkunft des Namens und architektonische Details

Im großen Sitzungssaal tagte früher der Aufsichtsrat. Sein Name verweist auf das ehemalige Rittergut Lichtenberg und die frühere Rittergutstraße, die heute Josef-Orlopp-Straße heißt.

Bemerkenswert sind die farbigen Fenster mit den Wappen Berlins und Lichtenbergs sowie dem roten preußischen Adler. Der holzgetäfelte Saal besitzt zudem eine stuckverzierte Kassettendecke. In die Fenster wurden auch Symbole der Geschäftstätigkeit der Konsumgenossenschaft und Wappen früherer Berliner Bezirke eingearbeitet.

Veranstaltungen und Dreharbeiten im historischen Rittersaal

Der Rittersaal kann nach vorheriger Anmeldung für unterschiedliche Anlässe gebucht werden, darunter größere Veranstaltungen und private Feiern. Auch für Filmdreharbeiten wurde er bereits genutzt. Die Konditionen sind mit der Konsumgenossenschaft zu vereinbaren.

Die Räume und Flure des Verwaltungsgebäudes haben übrigens eine lichte Höhe von vier Metern.

Holzgetäfelter Sitzungssaal mit großen Konferenztischen, zahlreichen Stühlen und verzierten Holztüren.

Der sogenannte Rittersaal diente früher als Sitzungssaal des Aufsichtsrats. Holzvertäfelungen und große Konferenztische prägen ihn bis heute./ © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Sanierung des Dachgeschosses: Neue Büroräume im Konsum-Verwaltungsgebäude

Das Dachgeschoss wird seit 2024 umfassend saniert. Dort sollen Büroräume mit moderner technischer Ausstattung entstehen. Schon bei der Begehung Mitte August vermittelte das Dachgeschoss einen einladenden Eindruck.

Die Sanierung ist also nahezu abgeschlossen. Ende 2026 oder Anfang 2027 sollen insgesamt 525 Quadratmeter modernisierte Bürofläche zur Verfügung stehen. Interessierte Unternehmen können sich mit ihrem Flächenbedarf an den Vorstand der Konsumgenossenschaft wenden.

Denkmalschutz auf dem Konsum-Areal in Berlin-Lichtenberg

An den Kosten für den Ausbau des Dachgeschosses beteiligt sich nach Angaben der Konsumgenossenschaft auch die Berliner Denkmalpflege. Das gesamte Areal steht bereits seit DDR-Zeiten unter Denkmalschutz.

Bauliche Maßnahmen müssen daher mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden – selbst die Trockenlegung des Kellers. Mehr als ein Jahrhundert nach seiner Fertigstellung wird das Konsum-Verwaltungsgebäude weiterhin genutzt.

Der Rittersaal und die historischen Details geben Einblick in den Gestaltungsanspruch der damaligen Genossenschaft. Die Sanierung des Dachgeschosses zeigt, wie das Gebäude für künftige Nutzungen angepasst wird. So entwickelt sich der Standort weiter, während seine architektonischen Besonderheiten erhalten bleiben.

Weitläufiges Dachgeschoss im Umbau mit sichtbaren Stahlträgern, Dachfenstern, Gerüst und Baumaterialien.

Im Dachgeschoss des Konsum-Verwaltungsgebäudes entstehen neue Büroflächen. Die sichtbare Stahlkonstruktion prägt den Raum während der laufenden Sanierung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Konsum Berlin

Quellen: Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend eG, DDR Museum

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