Museen, Opernhäuser und Bibliotheken werden in Berlin derzeit grundlegend erneuert. Sechs Kulturprojekte stehen exemplarisch für den baulichen Kraftakt der Hauptstadt. Sie zeigen, wie aufwendig Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und Kulturbetrieb zusammengebracht werden müssen.

Pergamonmuseum
Naturkundemuseum
berlin Modern
Komische Oper
Bauhaus Archiv
Staatsbibliothek Berlin

© Visualisierung Titelbild: Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH

 

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Seit den frühen 2010er-Jahren laufen in Berlin mehrere groß angelegte Kulturbaustellen, viele davon mit Laufzeiten bis 2035 oder sogar 2037. Allein die sechs hier betrachteten Projekte — vom Pergamonmuseum über „berlin modern“ bis zur Staatsbibliothek — summieren sich auf ein Investitionsvolumen von deutlich über drei Milliarden Euro.

Die Spannweite reicht von vollständigen Generalsanierungen denkmalgeschützter Bauten bis zu musealen Neubauten am Kulturforum. Gemeinsam ist allen Vorhaben der Anspruch, historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig zeitgemäße Infrastruktur für Forschung, Sammlung und Publikum zu schaffen.

Pergamonmuseum: Generalsanierung bis 2037 bei Gesamtkosten von rund 1,5 Milliarden Euro

Pergamonmuseum Berlin

So soll das fertige Pergamonmuseum eines Tages einmal aussehen. Nach der jetzigen Einschätzung der Projektverantwortlichen wird es allerdings noch eine ganze Weile dauern, bis das komplette Museum fertig saniert und runderneuert ist. / © Visualisierung: ART+COM

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Die umfassende Sanierung des Pergamonmuseums läuft in mehreren Bauabschnitten und zählt zu den komplexesten Kulturprojekten Berlins. Seit der vollständigen Schließung im Oktober 2023 wird das Haus grundlegend statisch, technisch und denkmalgerecht erneuert; der erste Bauabschnitt mit Nord- und Mittelbau soll im Frühjahr 2027 wieder öffnen. Parallel starteten im März 2025 die Arbeiten am Südflügel, der sich in einem besonders schlechten baulichen Zustand befindet und erst 2037 wieder zugänglich sein soll. Insgesamt werden für Sanierung und Erweiterung — inklusive eines neuen vierten Flügels — rund 1,5 Milliarden Euro veranschlagt, finanziert vollständig aus Bundesmitteln. Bauherrin ist die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, umgesetzt wird das Projekt durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.

berlin modern: Neubau am Kulturforum mit Kosten von über 500 Millionen Euro

Museum Berlin Modern

Das neue Museum wird Werke aus dem 20. Jahrhundert zeigen und den benachbarten Bau der Neuen Nationalgalerie ergänzen. / © Visualisierung: Herzog & de Meuron

Mit dem Museumsneubau „berlin modern“ entsteht seit 2019 am Kulturforum in Berlin-Tiergarten ein zentrales Haus für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Bauherrin ist ebenfalls die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, umgesetzt wird das Projekt durch den Landesbetrieb Bundesbau Baden-Württemberg; der Entwurf stammt vom Basler Büro Herzog & de Meuron, das 2016 den Wettbewerb gewann. Ursprünglich war eine Eröffnung für 2026 vorgesehen, inzwischen wird aufgrund von Bauverzögerungen mit einer Fertigstellung frühestens 2028 gerechnet. Die Kosten sind im Laufe der Planung deutlich gestiegen: von zunächst rund 200 Millionen Euro auf zuletzt etwa 526,5 Millionen Euro, unter anderem bedingt durch Baupreissteigerungen, technische Komplexität und Terminverschiebungen. Der Bund finanziert das Projekt, ergänzend wurden zusätzliche Mittel — unter anderem für Nachhaltigkeitsmaßnahmen wie Photovoltaik und Materialoptimierungen — bereitgestellt.

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Staatsbibliothek zu Berlin — Kulturforum: Generalsanierung ab 2030 mit 1,1 Milliarden Euro

Staatsbibliothek zu Berlin (Haus Potsdamer Strasse)

Mit rund 114.000 Quadratmetern Brutto-Grundfläche prägt das sogenannte „Bücherschiff“ bis heute das Ensemble zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie. / © Foto: Wikimedia Commons, Da flow, CC BY-SA 3.0

Die Staatsbibliothek am Kulturforum wird ab 2030 grundlegend saniert und dafür voraussichtlich elf Jahre vollständig geschlossen. Der denkmalgeschützte Bau von Hans Scharoun weist nach über vier Jahrzehnten erhebliche bauliche und technische Mängel auf; insbesondere Haustechnik, Schadstoffe und wiederkehrende Wasserschäden machen eine umfassende Erneuerung notwendig. Für das Projekt sind rund 1,1 Milliarden Euro genehmigt, ergänzt um etwa 350 Millionen Euro Risikopuffer; die Finanzierung übernimmt der Bund über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Geplant sind die vollständige Modernisierung der technischen Infrastruktur, ein neues Energiekonzept mit Geothermie und Photovoltaik sowie eine funktionale Neuordnung der Innenräume. Die Planung verantwortet das Architekturbüro gmp; parallel wird die Auslagerung von rund 5,4 Millionen Medien vorbereitet.

Museum für Naturkunde Berlin: Generalsanierung bis 2035 mit 660 Millionen Euro

wieder aufgebauter Ostflügel des Naturkundemuseums

Der Ostflügel des Naturkundemuseums wurde nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut. Mit der Nachempfindung der historischen Klinkerfassade aus Betonabgussteilen wurde das Schweizer Architekturbüro Diener & Diener beauftragt. / © Foto: Hwaja Götz

Das Museum für Naturkunde an der Invalidenstraße wird bis 2035 umfassend saniert. Dafür stellen Bund und Land Berlin rund 660 Millionen Euro bereit, davon etwa 480 Millionen Euro für bauliche Maßnahmen. Ziel ist es, das historische Hauptgebäude technisch zu erneuern, schadstoffbelastete Bereiche zu sanieren und Forschung, Sammlung und Ausstellung räumlich neu zu ordnen. Ergänzend entsteht in Berlin-Adlershof ein zusätzlicher Forschungs- und Sammlungsstandort, um die Unterbringung von mehr als 30 Millionen Objekten langfristig zu sichern. Mit der „Evolution des Museums“ soll das Haus baulich, energetisch und konzeptionell zukunftsfähig aufgestellt werden.

Komische Oper Berlin: Sanierung seit 2023 gestoppt — 437 Millionen Euro eingeplant

Visualisierung der neuen Komischen Oper

Der geplante Neubau soll eine Fläche von 8.600 Quadratmetern umfassen. Die künftige Fassadengestaltung setzt auf den Einsatz unterschiedlicher Materialien wie Stein, Stahl, Keramik und Streckmetall in unterschiedlichen Champagner- bis Rottönen. / © Visualisierung: kadawittfeldarchitektur

Die Sanierung der Komischen Oper Berlin begann im Sommer 2023, liegt derzeit jedoch aufgrund ungeklärter Finanzierungsfragen auf Eis. Für Modernisierung und Erweiterung nach Plänen von kadawittfeldarchitektur hatte der Berliner Senat ursprünglich rund 437 Millionen Euro vorgesehen, doch Kürzungen im Kulturetat stellen die Fortführung infrage. Das Projekt umfasst neben der denkmalgerechten Erneuerung des historischen Saals auch einen Neubau mit rund 8.600 Quadratmetern zusätzlicher Fläche. Bauherr ist das Land Berlin, die Abstimmungen zur weiteren Finanzierung laufen zwischen Opernleitung und Senatsverwaltung. Ein konkreter Zeitplan für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten oder die Fertigstellung steht derzeit nicht fest.

Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung: Sanierung und Erweiterung mit Verzögerung bis 2027

Bauhaus Archiv in Berlin

Neben der Modernisierung des 1979 eröffneten Bestandsbaus entsteht ein Erweiterungsbau mit rund 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sowie einem markanten Turm als neuem Eingang. / © Visualisierung: Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung

Die Sanierung und Erweiterung des Bauhaus-Archivs in Berlin-Tiergarten verzögert sich erneut; eine Fertigstellung wird nun für Ende 2026 angestrebt, die Wiedereröffnung für 2027. Das 1979 eröffnete, denkmalgeschützte Gebäude wird grundlegend modernisiert und durch einen Neubau von Staab Architekten ergänzt, der zusätzliche Ausstellungsflächen schafft. Die Kosten sind von ursprünglich rund 64 Millionen Euro auf über 90 Millionen Euro gestiegen, finanziert je zur Hälfte von Bund und Land Berlin. Bauherrin ist die Stiftung Bauhaus-Archiv, die mit dem Projekt sowohl baulich als auch konzeptionell eine Neuausrichtung verfolgt.

Diese sechs Kulturprojekte zeigen, wie grundlegend sich Berlin baulich und institutionell neu aufstellt — mit langen Bauzeiten, hohen Investitionen und klarer strategischer Bedeutung. Ob Museumsinsel oder am Kulturforum: Die Entscheidungen von heute prägen die kulturelle Infrastruktur der Hauptstadt für die kommenden Jahrzehnte.

Quellen: Museum für Naturkunde Berlin, kadawittfeldarchitektur, Bauhaus-Archiv, Museum für Gestaltung, Architektur Urbanistik Berlin, berlin.de, Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Wikipedia, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, offizielle Projektwebseite Museum der Moderne, Herzog & de Meuron, rbb24

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