Der Verein Flussbad Berlin bleibt hartnäckig und plant neue Aktionen zum Schwimmen im Spreekanal. Während der Senat das Badeverbot bekräftigt, prüft Berlin neue Badestellen an der Vorstadtspree.

So (oder so ähnlich) stellt sich der Verein Flussbad eine öffentliche Badestelle an der innerstädtischen Spree vor, direkt an der Museumsinsel. Der Berliner Senat hingegen ist gegen das Konzept und sieht dafür eher Badestellen vor, die außerhalb des Berliner Zentrums liegen. / © Visualisierung: Flussbad Berlin e.V., realities:united
© Visualisierung Titelbild: Flussbad Berlin e.V., realities:united
Der Verein Flussbad Berlin e.V. startet erneut Aktionen zum Schwimmen im Spreekanal. Im Mittelpunkt steht weniger der Protest selbst als die Frage, ob innerstädtisches Baden in der Spree künftig möglich werden kann. Während der Verein auf eine Pilotbadestelle setzt, verweist der Berliner Senat auf rechtliche und hygienische Grenzen – und arbeitet zugleich an möglichen Badestellen an anderer Stelle.
- Ort: Spreekanal in Berlin-Mitte
- Geplant: fünf Mitschwimm-Aktionen
- Veranstalter: Flussbad Berlin e.V.
- Ziel: Pilotbadestelle zum Schwimmen im Spreekanal
- Rechtslage: Baden im Spreekanal bleibt untersagt
- Alternative Planungen: mögliche Badestellen an der Vorstadtspree
Der Verein Flussbad Berlin will das Schwimmen im Spreekanal erneut öffentlich sichtbar machen. Dafür plant der Verein fünf Mitschwimm-Aktionen, die jeweils am 20. eines Monats stattfinden sollen. Die erste Aktion startet am Schinkelplatz in Berlin-Mitte . Nach Angaben des Vereins erinnert das Datum an den 20. Mai 1925, an dem das Badeverbot für die innerstädtische Spree eingeführt wurde.

Die Vision, im Spreekanal schwimmen zu können, möchte der Flussbad Berlin e.V. seit etwa einem Jahrzehnt umsetzen. Ein neues Gutachten könnte dieses Vorhaben nun ausbremsen. / © Visualisierung: Flussbad Berlin e.V., realities:united
Verein Flussbad setzt beim Spreekanal weiterhin auf ein Pilotprojekt zum Schwimmen
Im Zentrum steht jedoch nicht die Demonstration selbst. Flussbad Berlin verfolgt weiterhin das Ziel, eine Pilotbadestelle im Spreekanal einzurichten. Der Verein argumentiert, dass sich die Wasserqualität in den vergangenen Jahren verbessert habe und an vielen Sommertagen ein kontrolliertes Schwimmen grundsätzlich möglich sein könnte.
Dafür verweisen die Initiatoren auf eigene Messungen und ein Monitoringsystem, das seit mehreren Jahren Wasserwerte beobachtet. Informationen zur Wasserqualität sollen Interessierte tagesaktuell abrufen können.
Spreekanal tabu – Vorstadtspree rückt beim Schwimmen in den Fokus
Der Berliner Senat hält dagegen an seiner Einschätzung fest. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt stellte kurz vor Beginn der Aktionen klar, dass keine Ausnahmegenehmigung für das Schwimmen im Spreekanal vorliegt. Wer dort ins Wasser gehe, handele rechtswidrig und auf eigenes Risiko.
Nach Darstellung des Senats sprechen mehrere Gründe gegen eine Freigabe des Spreekanals als Badeort. Der Kanal gilt als Bundeswasserstraße und verläuft unter zahlreichen Brücken. Bereits aus Sicherheitsgründen sei Baden in solchen Bereichen rechtlich ausgeschlossen.
Berliner Senat: Hygienische Risiken in der innerstädtischen Spree zu groß
Hinzu kommen hygienische Risiken. Vor allem nach Starkregen kann verschmutztes Mischwasser in die Spree gelangen. Fachbehörden bewerten die mikrobiologische Belastung im Spreekanal deshalb weiterhin kritisch. Gleichzeitig verweist die Senatsverwaltung auf neue Entwicklungen beim Schwimmen in Berliner Gewässern.
Neue Möglichkeiten könnten sich nach Angaben der Behörde an der Vorstadtspree ergeben. Dort befinde sich die Verwaltung bereits im Austausch mit verschiedenen Akteuren, um geeignete Badestellen zeitnah zu entwickeln. Während der Spreekanal vorerst gesperrt bleibt, richtet sich der Blick damit zunehmend auf alternative Orte für ein mögliches Flussbad in Berlin.
Treffpunkt zur Schwimmdemo
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Tagesspiegel, rbb24, Flussbad Berlin e.V.
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10 Kommentare
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Es ist erstaunlich, dass die Worte des Vereinsvorsitzenden,Tim Edler, in den Medien größeres Gewicht erhalten als die des Landesamtes für Gesundheit, das ausdrücklich vor den gesundheitlichen Risiken beim Baden im Spreekanal warnt. Jeder trägt Selbstverantwortung! Bei Erkrankung und Behandlung ist die Solidargemeinschaft leider wieder gefordert, nicht diejenigen tragen die Kosten, die die Warnung in den Wind geschrieben, noch die das Unterfangen initiiert bzw. geduldet haben. Ich hätte auch gern ein Freibad in der Innenstadt vor der Nase. Nur nicht den Spreekanal, nicht diese Dreckbrühe, in die ich täglich sehe, niemals!
Ich finde die gesamte Diskussion zeugt sinnbildlich für die Betrachtungsweise des Senats. Warum haben wir Politiker? Sie sollen Dinge ermöglichen. Sie sollen die Leute unterstützen. Daher sollten Sie meiner Meinung nach schauen, wie ein solchen Projekt – mit Leuchtturmcharakter in die Welt hinaus (Siehe HH, Paris, London, Kopenhagen) – möglich werden kann, als nur zu sagen. Geht nicht, gibt’s nicht. Wenn es derzeit rechtlich nicht möglich ist, dann soll es möglich gemacht werden. Ich kann der Argumentation vollständig folgen, wenn die Initative sagt, dass neue Technologie, täglich Rückmeldung über die Wasserqualität gibt. Die Stadt braucht Projekte die in eine Lebenswerte, nachhaltige Zukunft weisen. Verbote, Sturheit und Behördenwahnsinn bringt Berlin doch nicht weiter.
Das „Greenwashing“-Projekt geht in die nächste Schleife. Früher ließen sich die Edler-Brüder von der Design-Schickeria feiern für ihren Entwurf eines riesigen Beton-Körpers der mit Pflanzenfiltern das Wasser reinigen sollte. Millionen an Fördergeldern flossen, vieles davon zugunsten der Agentur der Edlers. Damals sagten Fachkundige, dass der Filter nicht ausreichen würde. Nur wenn das Wasser eh schon sauber genug wäre, wäre die Filterwirkung genug. Garbage in, garbage out. Mittlerweile hat die Flussbad-Initiative aufgegeben und ist auch darauf gekommen, dass man den Filter weglassen kann. Einfach nur ne Echtzeit-Wasserqualitätsmeldung per App und dann solls mit dem Baden klappen.
Man hat auch auf Wasserprojekte gesetzt, die sowieso gebaut werden sollen: unter anderem ein neues Abwasserrohr mit dem der Dreck bei Starkregen weiter hinten in die Spree gekippt wird. So kann man den Spreekanal auch sauberkriegen.
Insgesamt ist das eine recht peinliche Geschichte. Sie handelt von gutmeinenden Mitbürgern deren Mission ans messianische grenzt. Von der Politik, die „nachhaltigen“ Blingbling-Leuchtturmprojekten gerne Millionen hinterher wirft. Und von Medien, die zumindest am Anfang kritiklos berichteten, weil die Idee jede Menge Sehnsüchte bediente.
Aber mit fünf Minuten Nachdenken, wäre das Thema damals erledigt gewesen. Flussbad heißt: Der Fluss ist sauber und zwar der ganze Fluss und zwar richtig sauber und auch die ganze Zeit sauber und die Leute können darin baden. Das ist der Fall in Kopenhagen, Zürich, Basel, München usw.
Das erfordert in Berlin eine stetige jahrzehntelange Arbeit an der Wasserqualität. In Paris sind sie trotz Milliardeninvestitionen bei Olympia beim Schwimmen immer noch krank geworden.
Ein Kanal (Bundeswasserstraße), der Brücken, Denkmalschutz, steile Wände und keine Ufer hat wo man sich retten kann, ist praktisch und rechtlich so ziemlich die ungeeigneteste Stelle in Berlin für ein Flussbad. Trotzdem besteht man darauf es gerade dort zu machen. Warum?
Weil die langwierige Verbesserung der Wasserqualität nicht so sexy und spektakulär vermarktbar ist wie ein 400m Abschnitt der Glückseligen in prominenter Umgebung.
Gut auf den Punkt gebracht. Vor über zwei Jahrzehnten hat mir ein Bayer aus dem Raum München/ Oberbayern mal erzählt, dass dort jeder Tropfen Abwasser eine Kläranlage passiert, bevor er in einem Bach/ Fluss/ See landet. Das sei auch der Grund, warum die Isar sogar in München zum Baden freigegeben sei (er war aus beruflichen Gründen Experte auf diesem Gebiet).
Mein Fazit daher: hätte Berlin/Brandenburg vor Jahrzehnten damit begonnen, sich Oberbayern und München in dieser Hinsicht zum Vorbild zu nehmen, dann hätte Berlin heute eine Spree, die aufgrund ihrer Wasserqualität überall im Stadtgebiet zum Baden geeignet wäre. Ich weiß nicht, ob Berlin sich dieses ambitionierte Ziel jemals zu eigen gemacht hat. Falls nicht, so ist das Gerede von der Spree als Badegewässer einfach nur dummes Geschwätz!
Was ist das eigentliche Problem?
Verschmutzung des Flusses bei Überlauf Mischwasser bei Starkregenereignissen.
Das sollte sowieso behoben werden. Wir sind doch nicht mehr im Mittelalter.
Was haben eigentlich alle gegen Bio- Wasserfilter?
Das Land sollte sie sowieso in ihrer Zuständigkeit für Wasserqualität bauen.
Die sind wirklich hübsch.
Sie bringen grün in die Stadtmitte, sogar ohne die Autofahrer zu beschränken.
Machen das Wasser sauberer.
Werten die blauen Bänder auf und ergänzen die grünen.
Sie ergänzen Grünflächen am Rand.
Unterstützen bei Schwammstadt, Temperaturregulierung und Luftreinhaltung.
Zusammen mit der konsequenten Verhinderung des Mischwassers sollte die Wasserqualität gut genug sein. Klingt nach einem Gesamtpaket.
Die Möglichkeit den nun guten Fluss zum Schwimmen zu nutzen, wird auf jeden Fall die Überfüllung der Freibäder reduzieren.
Die Pflanzen, die man an Gewässerrändern reinhängt, sind nicht das Problem.
Der Flussbadverein will diesen merkwürdigen extrem teuren Betondüker bauen mit jeder Menge CO2 Ausstoß. Der Schilf darin wäre überhaupt nicht ausreichend als Filter. Die Anlage würde regelmäßig zugemüllt werden von außen. Geht auch nicht anders weil es eine Barriere wäre.
Aber der Verein kann sich dann selbst auf die Schulter klopfen. Was waren wir wieder super „nachhaltig“?!
Lesen Sie die Stellungnahme vom Landesamt für Soziales zur Wasserqualität des Spreekanals:
https://www.dropbox.com/scl/fi/yif1hiehcn8v562p7i305/10.12.25-LAGeSO-2.-2.pdf?rlkey=n0e020jmwvatfq3r31t5byhuj&dl=0
Mich irritiert insbesondere die Behauptung des Senates, der Spreekanal sei als Bundeswasserstraße zum Baden ungeeignet.
Ist nicht bekannt, dass er seit Jahrzehnten nicht mehr für Schiffsverkehr genutzt wurde, auch weil die Schleuse bereits vor 26 Jahren stillgelegt wurde und das Wehr am Kupfergraben nicht passiert werden kann?
Wenn das Wasser in diesem Abschnitt wirklich so sauber werden könnte, wie der Limmat in Zürich, dann wäre das Baden (nur in einem kleinen Abschnitt bis zur James Simon Galerie) wirklich etwas einzigartiges und kulturell enorm wertvolles. Allein die Sichtachsen! Die Renderings gefallen einem doch wirklich sehr.
Die drei (nicht weiter) Brückenunterführungen müssten aber umfangreich saniert und beleuchtet werden, das könnte ein teures Projekt werden.