Berlin investiert in die nachhaltige Nutzung von Regenwasser an Schulen. Im Bezirk Lichtenberg untersuchen Expertinnen und Experten an 24 Standorten, wie Niederschlagswasser vor Ort gesammelt, versickert oder wiederverwendet werden kann. Ziel ist es, Überschwemmungen zu vermeiden, Schulgärten zu bewässern und die Stadt klimaresilienter zu machen.

Eine Bestandsaufnahme ergab, dass einige Lichtenberger Schulen bereits über Versickerungsflächen und Regentonnen verfügen, während andere noch Nachholbedarf haben. Künftig soll Regenwasser direkt auf den Schulgrundstücken genutzt werden. / © Foto: Drees & Sommer
© Foto Titelbild: HOWOGE
Trotz zahlreicher Maßnahmen zur nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung fließt in Berlin noch immer ein großer Teil des Niederschlags direkt in die Kanalisation. Dabei ließe sich das Wasser sinnvoll einsetzen, etwa zur Bewässerung von Schulgärten in trockenen Sommermonaten oder zur Versickerung vor Ort. Um das Potenzial an 24 Schulen in Lichtenberg zu prüfen, hat das Bezirksamt das Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE beauftragt.
Die Analysen wurden zu 80 Prozent durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und zu 20 Prozent vom Land Berlin im Rahmen des Berliner Programms für nachhaltige Entwicklung (BENE 2) finanziert. Ziel war es, herauszufinden, welche Schulen bereits Regenwasser effizient nutzen und an welchen Standorten Handlungsbedarf besteht.
Lichtenberg: Regenwasser soll künftig direkt auf Schulgrundstücken gesammelt werden
Die Auswahl der 24 Schulen erfolgte in Zusammenarbeit mit der Berliner Regenwasseragentur. Kriterien waren unter anderem die Bodendurchlässigkeit, der Flurabstand zum Grundwasser und das Potenzial für Entkoppelungsmaßnahmen. Projektleiterin Ramona Jones von Drees & Sommer erläutert, dass man sowohl die Versickerungsfähigkeit der Böden als auch Aspekte wie Denkmalschutz, Dachbeschaffenheit und Wasserschutzgebiete erfasst habe.
Die Bestandsaufnahme zeigte, dass einige Schulen bereits große Versickerungsflächen und vereinzelt Regentonnen besitzen, andere dagegen noch deutliches Verbesserungspotenzial aufweisen. Geplant ist, das Regenwasser künftig direkt auf den Schulgrundstücken zu sammeln, zu versickern oder für die Bewässerung wiederzuverwenden. Das entspräche einer Abkopplung von circa 135.000 Quadratmetern versiegelter Fläche.
Berlin will Wasser effizient nutzen: Schwammstadt-Prinzip als Lösungsansatz
Zur effizienten Nutzung des Wassers stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Dazu zählen großflächige Grün- und Versickerungsflächen, sogenannte Mulden, in denen zusätzlich Bäume gepflanzt werden können. Alternativ können Rigolen installiert werden, die wie unterirdische Speicher wirken und das Wasser langsam versickern lassen. Auch asphaltierte Schulhöfe und Parkplätze lassen sich teilweise entsiegeln.
Die Methoden wurden grob dimensioniert, räumlich verortet und hinsichtlich der Kosten bewertet. Jones betont, dass die Maßnahmen im Vergleich zu den langfristigen Schäden durch Starkregen und steigende Entgelte für die Kanalnutzung relativ geringe Kosten verursachen.
Nachhaltiger Umgang mit Wasser: Perspektiven für Berlin
Die Ergebnisse des Gutachtens dienen als Grundlage für weitere Entscheidungen und Ausschreibungen. Jede Schule erhielt einen Lageplan sowie eine Dokumentation der Analyseergebnisse. Ziel ist es, die Maßnahmen sukzessive umzusetzen und die Schulen zu interaktiven Lernorten zu machen, an denen Schülerinnen und Schüler den nachhaltigen Umgang mit Wasser erleben können.
Berlins Bezirksstadträtinnen Sandy Mattes (SPD) und Filiz Keküllüoğlu (Bündnis 90/Die Grünen) hoben hervor, dass das Projekt Lichtenberg in Richtung einer klimaresilienten und ressourcenschonenden Stadt transformiere. Es werde nicht nur die Infrastruktur verbessert, sondern auch das Bewusstsein für städtisches Wassermanagement gefördert. Langfristig könnten durch die Entsiegelung und Wiederverwendung von Regenwasser zudem Kosten für die Berliner Wasserbetriebe eingespart werden.
Quellen: Drees & Sommer, Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
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