Berlins erste Gartenstraße entsteht in Friedrichshain. Die Danneckerstraße soll nach dem Schwammstadt-Prinzip entsiegelt und begrünt werden, als Vorbild dient Paris. Rund 1,6 Millionen Euro Bundesmittel stehen für den Umbau am Rudolfplatz zur Verfügung.

Holzbank mit begrüntem, offenem Kasten und Sonnensegel unter einem großen Baum auf einem Kopfsteinpflasterplatz.

Konzept des „Mobilen Gartens“: Diese begrünte Sitzinsel spendet an heißen Tagen Schatten, sammelt Regenwasser für die Pflanzen, kühlt die Umgebung durch Verdunstung und bietet Nahrung für Insekten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Friedrichshain-Kreuzberg plant den Umbau der Danneckerstraße am Rudolfplatz nach dem Prinzip der Schwammstadt. Der Bezirk will die Straße entsiegeln, begrünen und so gestalten, dass Regenwasser vor Ort gespeichert und genutzt werden kann. Als Vorbild dienen Projekte aus Paris, wo bereits ähnliche Gartenstraßen entstanden sind. Für das Vorhaben stehen rund 1,6 Millionen Euro aus Bundesfördermitteln zur Verfügung, derzeit befindet sich das Projekt in der Vorplanungsphase.

Schwammstadt-Prinzip in Friedrichshain: Was der Umbau konkret vorsieht

Der Bezirk will große Teile der Straße entsiegeln und mit Pflanzen sowie Bäumen versehen. Zusätzlich sollen Strukturen entstehen, die Regenwasser speichern und zeitverzögert abgeben, damit es nicht ungenutzt im Kanalsystem verschwindet. Auf diese Weise verfolgt das Projekt zwei Ziele zugleich: Zum einen soll die Bepflanzung für Schatten und Verdunstung sorgen und dadurch die Hitzebelastung im Quartier senken. Zum anderen sollen die Flächen von der Mischwasserkanalisation abgekoppelt werden, um die Berliner Gewässer zu entlasten.

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Die Ausgangslage zeigt, warum Handlungsbedarf besteht. Rudolf- und Danneckerstraße weisen derzeit einen Versiegelungsgrad von rund 90 Prozent auf und liegen im Einzugsbereich der Mischkanalisation. Bei Starkregen stößt das Kanalsystem deshalb häufig an seine Grenzen, sodass ungeklärtes Wasser in Spree oder Landwehrkanal gelangt. Das beeinträchtigt die Gewässerqualität und führt mitunter zu Fischsterben.

Klimastraße Danneckerstraße: Ein Projekt mit Vorgeschichte

Verkehrsberuhigte Kopfsteinpflasterstraße mit Bäumen in Pflanzkübeln, gesäumt von Backsteingebäuden und einer Kirche.

Auf dem Rudolfplatz stehen bereits mehrere junge Bäume in Holzkübeln, ein erster Schritt der geplanten Begrünung im Rahmen des Schwammstadt-Projekts. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Der jetzige Umbau baut auf Erfahrungen auf, die der Bezirk seit mehreren Jahren sammelt. Bereits 2020 wurde die Danneckerstraße zwischen Rotherstraße und Rudolfstraße für den Fahrzeug- und Radverkehr gesperrt und zur temporären Klimastraße. Seitdem prägen Kübelpflanzen das Straßenbild, um die sich engagierte Anwohnerinnen und Anwohner kümmern. Vorausgegangen war ab 2019 das Forschungsprojekt „BlueGreenStreets“, in dessen Rahmen eine Planung für die Qualifizierung als Klimastraße entstand.

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Auch die umliegenden Flächen wurden bereits verändert. Zwischen 2015 und 2019 gestaltete der Bezirk die Grünanlage und den Spielplatz am Rudolfplatz neu und band dabei mehrere Beteiligungsformate ein. Ein wiederkehrender Wunsch der Anwohnerinnen und Anwohner war damals die Verkehrsberuhigung der angrenzenden Straßen. Diese Vorarbeiten erleichtern nun die weiteren baulichen Eingriffe.

Vorbild für die Danneckerstraße in Paris: Gartenstraßen als Inspiration

Für die weitere Umgestaltung orientiert sich Friedrichshain-Kreuzberg an Paris. Dort entstanden in den vergangenen Jahren zahlreiche sogenannte Rues Jardin, bei denen ehemalige Fahrbahnen entsiegelt und in grüne Aufenthaltsorte verwandelt wurden. Im Herbst 2025 reiste eine Delegation um Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann nach Paris, um sich vor Ort ein Bild von den Projekten zu machen. Als weitere Referenz dient dem Bezirk zudem ein vergleichbares Projekt in Antwerpen.

Vertreterinnen und Vertreter der Pariser Stadtverwaltung äußerten sich laut Tagesspiegel positiv zum Berliner Ansatz und bezeichneten die eher experimentelle und temporäre Herangehensweise von Friedrichshain-Kreuzberg als pragmatisch und innovativ. Gleichzeitig verwiesen sie auf Unterschiede zwischen beiden Städten, etwa bei der Dichte der Bebauung und den Verwaltungsstrukturen. Paris selbst setzt unter Bürgermeisterin Anne Hidalgo auf eine zentralisierte Strategie mit konsequentem Abbau von Parkplätzen.

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Zeitplan für den Straßenumbau: Wie es am Rudolfplatz weitergeht

Straßenecke mit Fußgängerzonen-Schild, jungem Baum in Holzkübel und Bauabsperrungen vor Wohnhäusern.

Die Danneckerstraße ist bereits seit 2020 als temporäre Klimastraße für den Fahrzeugverkehr gesperrt und mit Bäumen in Kübeln gesäumt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Aktuell prüft der Bezirk die vorliegenden Ausarbeitungen aus dem Forschungsprojekt und überarbeitet sie im Hinblick auf eine realistische Umsetzung. Parallel laufen Abstimmungen mit dem Denkmalschutz, der Wasserbehörde, den Berliner Wasserbetrieben sowie den Anliegerinnen und Anliegern. Auch Träger öffentlicher Belange wie die Stadtreinigung, Polizei und Feuerwehr werden einbezogen. Das Projekt soll bis Ende 2027 umgesetzt werden und gilt als erstes großes Schwammstadtprojekt Berlins im Straßenbestand.

Sobald ein Planentwurf vorliegt, will der Bezirk diesen der Öffentlichkeit vorstellen. Wegen des engen Zeitplans zur Verausgabung der Fördermittel plant der Bezirk allerdings kein umfangreiches Beteiligungsverfahren. Ob die Danneckerstraße künftig als Modell für weitere Berliner Straßen dient, hängt von der Umsetzung sowie von Akzeptanz und Pflege ab.

Quellen: Presse- und Informationsamt, Landesredaktion / mein.berlin.de, rbb|24

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