Ein ehemaliges Bahnareal in Berlin-Friedrichshain wird zum Vorbild für die Schwammstadt von morgen. Durch innovative Retentionsdächer und ein präzise gesteuertes Regenwassermanagement wird Wasser gespeichert, genutzt und kontrolliert abgeleitet. Das Projekt am historischen Postbahnhof zeigt, wie technische Innovation und ökologische Planung zusammenwirken können.

Mitten in Berlin entsteht ein Projekt, das Wasser nicht ableitet, sondern gezielt nutzt. Retentionsdächer und smarte Steuerungssysteme machen den historischen Postbahnhof zu einem Baustein der klimaresilienten Stadt. / © Foto: lml Levin Monsigny Landschaftsarchitekten
© Fotos: lml Levin Monsigny Landschaftsarchitekten
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Am historischen Postbahnhof in Berlin entstand auf einem 7.800 Quadratmeter großen Grundstück ein Gebäudeensemble, das historische Strukturen eines alten Bahnviadukts integriert und zugleich Maßstäbe für klimaangepasstes Bauen setzt.
Dank eines durchdachten Regenwassermanagements und einer weitläufigen Gebäudebegrünung konnte der Anteil der an die Kanalisation angeschlossenen Flächen auf rund 1.030 Quadratmeter reduziert werden; ein deutlicher Beitrag zur Entlastung der städtischen Infrastruktur und zur Verbesserung des Mikroklimas. Umgesetzt wurde das Konzept vom Unternehmen Optigrün international AG.
Postbahnhof in Berlin-Friedrichshain: Retentionsdächer als Schlüssel für nachhaltige Dachnutzung
Von den 3.000 Quadratmetern Dachfläche wurden rund 2.700 Quadratmeter als Retentionsdächer ausgeführt. Diese dienen nicht nur der Speicherung und Nutzung von Regenwasser, sondern schaffen auch grüne Aufenthaltsbereiche mit hoher Aufenthaltsqualität.
Besonders hervorzuheben ist dabei die Gestaltung der Mieterterrasse auf dem historischen Eisenbahnviadukt. Intensive Begrünung, Sitzbereiche und naturnahe Vegetation verbinden hier die industrielle Vergangenheit des Standorts mit einer grünen, lebenswerten Zukunft.
Intelligente Steuerung: Technisch präzises Regenwassermanagement für denkmalgeschütztes Gebäude
Insgesamt erfüllt das Projekt die Vorgabe des Umweltamtes, mindestens 50 Prozent der Dachfläche zu begrünen – und geht in seiner Umsetzung sogar noch deutlich darüber hinaus. Das Regenwassermanagement wurde dabei technisch präzise auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt.
Um den anfallenden Niederschlag gezielt zurückzuhalten, verdunsten zu lassen und bei Bedarf kontrolliert abzuleiten, wurden die oberen Dachflächen mit statischen Ablaufdrosseln ausgestattet. Über Kapillarbrücken gelangt das gespeicherte Regenwasser in das darüberliegende Vlies, wo es gleichmäßig verteilt und anschließend vom Substrat aufgenommen wird.

Die historischen Bahnflächen unweit des Berliner Ostbahnhofs sind in den vergangenen Jahren aufwendig umgestaltet und modernisiert worden. / © Foto: lml Levin Monsigny Landschaftsarchitekten
Kaskadensystem und smarte Drossel für Starkregenereignisse
Auf diese Weise steht das Wasser der Vegetation kontinuierlich zur Verfügung. Überschüssige Mengen fließen kaskadenartig von den einzelnen Dachflächen in den rund 30 Zentimeter starken Retentionsspeicher über dem historischen Eisenbahnviadukt.
Dort sorgt die intelligent gesteuerte Drossel „Smart Flow Control“ dafür, dass das System auf Wetterveränderungen reagieren kann. Sie erkennt bevorstehende Starkregenereignisse und reguliert den Abfluss des gespeicherten Wassers entsprechend der aktuellen Wetterprognosen und des Wasserstands in den Retentionsboxen.
Überflutungsschutz und Wasserspeicherung im großen Maßstab für historische Bahnflächen
Das Projekt nutzt gezielt die statischen Eigenschaften des historischen Eisenbahnviadukts. Die 30 Zentimeter starke Retentionsebene kann bis zu 360 Kubikmeter Regenwasser zwischenspeichern.
Weitere rund 220 Kubikmeter werden auf den Dachflächen des Neubaus zurückgehalten, zusätzlich zu den Wassermengen, die in den Substratschichten gespeichert sind.
Schwammstadt-Prinzip reduziert Belastung der Kanalisation
Ein Havarieüberlauf leitet überschüssiges Wasser bei Extremniederschlägen kontrolliert in die ebenerdigen Freiflächen und sorgt gemeinsam mit den Retentionsdächern für einen umfassenden Überflutungsschutz.
Durch dieses integrative Konzept konnte auf einen Regenwasseranschluss für die Dachflächen vollständig verzichtet werden, so Optigrün. Das reduziert Niederschlagswassergebühren und entlastet gleichzeitig die städtische Kanalisation.
Nachhaltige Bewässerung und Ressourcenschonung im Sommer
In heißen Sommermonaten stehen der Vegetation große Mengen an gespeichertem Regenwasser zur Verfügung. Gleichzeitig kann der Einsatz von Trinkwasser zur Bewässerung deutlich reduziert werden.
Die Umsetzung einer derart komplexen Lösung setzt einen Auftraggeber voraus, der technisches Verständnis, Weitblick und Offenheit für innovative Ansätze vereint – Faktoren, die in diesem Projekt maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben.
Auszeichnung durch Berliner Regenwasseragentur für zukunftsweisendes Schwammstadtprojekt
Aufgrund seiner besonderen Konzeption wurde das Projekt von der Berliner Regenwasseragentur im Wettbewerb „REGENIAL – Ihr zukunftsweisendes Schwammstadtprojekt für unsere Schwammhauptstadt“ als Sieger ausgezeichnet.
Die Jury würdigte insbesondere die Verbindung von Denkmalschutz, multifunktionaler Dachlandschaft und intelligenter Steuerung der Wasserrückhaltung; ein Beispiel dafür, wie technische Innovation und ökologische Planung in der Stadtentwicklung zusammenwirken können.

Das Projekt am Postbahnhof verbindet industrielle Geschichte mit innovativer Umwelttechnik. Große Teile der Dachflächen werden zu Retentions- und Grünflächen umgewandelt, die Wasser speichern und das Mikroklima verbessern. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Entlastung der städtischen Infrastruktur geleistet. / © Foto: lml Levin Monsigny Landschaftsarchitekten
Quelle: Optigrün international AG
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