Seit 2011 steht das ehemalige Diesterweg-Gymnasium in der Putbusser Straße leer. Der Schulstandort gilt als attraktiv und soll langfristig reaktiviert werden. Doch zunächst entsteht auf dem Gelände ein Interimsbau, eine Sanierung des denkmalgeschützten Bestands bleibt vorerst Zukunftsmusik.

Ehemaliges Diesterweg-Gymnasium im Brunnenviertel

Das markante Gebäudeensemble des ehemaligen Diesterweg-Gymnasiums steht inzwischen unter Denkmalschutz. Zu Beginn des Schuljahres 2011/12 zog die Schule an den Standort Böttgerstraße 2 in ein saniertes Gebäude um. Das frühere Schulgebäude in der Putbusser Straße verfällt seitdem zusehends. / © Foto: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0

© Fotos: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0 

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Das Diesterweg-Gymnasium wurde zwischen 1974 und 1976 als Oberstufen-Schulzentrum errichtet. Es entstand im damaligen Sanierungsgebiet Wedding-Brunnenstraße und galt als Pilotprojekt für das neu eingeführte Kurssystem der gymnasialen Oberstufe. Neben Unterrichtsräumen integrierte der Bau eine Bibliothek sowie eine großzügige Veranstaltungshalle.

Seit 2011 steht das Gebäude leer. Damals ging der Bezirk von sinkenden Schülerzahlen aus. Die Schule wurde geschlossen, obwohl bereits Stimmen aus dem Kiez auf steigenden Bedarf hinwiesen. Inzwischen hat sich die Lage deutlich verändert. Schulplätze fehlen, die Diskussion um eine Reaktivierung ist zurückgekehrt.

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Diesterweg-Gymnasium Wedding: Neubauvarianten geprüft, Reaktivierung möglich doch Gebäude steht unter Denkmalschutz

Nachdem das Diesterweg-Gymnasium 2011 an den Standort Böttgerstraße 2 in Gesundbrunnen umgezogen war, stand das Gebäudeensemble in der Putbusser Straße leer. 2018 ließ das Bezirksamt Mitte verschiedene Neubauvarianten für das Areal prüfen. Diskutiert wurden Konzepte für eine Integrierte Sekundarschule sowie für ein Gymnasium mit unterschiedlichen Zügigkeiten. Grundlage der Untersuchungen waren die neuen Berliner Lern- und Teamhaus-Konzepte, die deutlich größere pädagogische Flächen vorsehen.

Parallel prüfte der Bezirk 2019 die Möglichkeit, das Bestandsgebäude zu reaktivieren. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass eine Integrierte Sekundarschule mit vier Zügen grundsätzlich in den Bestand integrierbar sei. Die vorhandenen Flächen entsprächen in etwa den Anforderungen. Besonders die Veranstaltungshalle biete Chancen für Mehrfachnutzungen und außerschulische Angebote.

Ein Abriss ist inzwischen ausgeschlossen. Das Landesdenkmalamt stellte das Ensemble unter Denkmalschutz. Begründet wurde dies mit geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Werten. Damit bleibt der markante Baukörper erhalten.

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Putbusser Straße 12: Interimsbau für Ernst-Reuter-Schule bis 2032, Sanierung des Diesterweg-Gymnasiums weiter offen

Trotz der Perspektive einer Reaktivierung wird das Diesterweg-Gymnasium nicht kurzfristig wieder als Schule öffnen, wie das Bezirksamt Mitte auf ENTWICKLUNGSSTADT-Nachfrage mitteilt. In den kommenden Monaten entsteht auf dem ehemaligen Sportgelände ein Interimsbau. Er dient als Ausweichstandort für die Ernst-Reuter-Schule.

Dieser Interimsbau soll bis 2032 auf dem Grundstück verbleiben. Erst danach wäre eine umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Bestands überhaupt denkbar. Das Bezirksamt betont, dass eine Sanierung aus denkmalrechtlicher Sicht grundsätzlich möglich und fachlich wünschenswert sei. Voraussetzung seien jedoch eine politische Entscheidung, gesicherte Finanzierung und eine vertiefende Planung. Zu Zeitrahmen und Umfang könne man derzeit keine Angaben machen.

Zukunft des Diesterweg-Gymnasiums in Wedding: Reaktivierung geplant, Konzept mit Howoge und „ps wedding“ in Arbeit

Das Bezirksamt bezeichnet den Standort aufgrund seiner innerstädtischen Lage und guten Verkehrsanbindung als sehr interessant. Eine spätere Reaktivierung wird ausdrücklich angestrebt. Konkrete Schritte sind jedoch noch nicht definiert.

Zusätzlich bleibt das Projekt „ps wedding“ in die Entwicklung eingebunden. Die Bezirksverordneten beschlossen, gemeinsam mit der landeseigenen HOWOGE ein Konzept für eine gemeinsame Entwicklung zu erarbeiten. Welche Rolle genossenschaftliches Wohnen oder soziokulturelle Nutzungen künftig spielen könnten, ist offen.

Aktuell verfällt das Diesterweg-Gymnasium seit Jahren, doch es ist nicht aufgegeben. Kurzfristig prägt der Interimsbau das Gelände. Langfristig steht eine denkmalgerechte Sanierung im Raum, abhängig von politischen Prioritäten und finanziellen Spielräumen. Der Schulstandort in der Putbusser Straße bleibt damit ein Projekt auf Zeit.

Quellen: Bezirksamt Mitte, Quartiersmanagement Brunnenviertel, Wem gehört Berlin

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