Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks ein moderner Bildungsstandort. Neben einer neuen Grundschule wird auch ein denkmalgeschütztes Gebäude für die schulische und nachbarschaftliche Nutzung saniert. Das Projekt verbindet historische Substanz mit den Anforderungen an zeitgemäße soziale Infrastruktur.

Am Neubau der Grundschule an der Hirtestraße sind bereits Fenster eingebaut. Die Schule soll bis 2026 fertiggestellt werden und bietet Platz für 432 Kinder. Sie entsteht im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks Köpenick. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Auf dem Areal des ehemaligen Gaswerks an der Hirtestraße 10 in Berlin-Köpenick entsteht eine neue Grundschule mit Platz für 432 Schülerinnen und Schüler. Die Bauarbeiten laufen bereits seit einiger Zeit. Inzwischen ist der Rohbau des Schulgebäudes fast fertiggestellt. Noch im Laufe dieses Jahres soll das Richtfest gefeiert werden. Die Schule wird dreizügig geplant und erhält eine moderne Drei-Feld-Sporthalle, die über eine Zuschauergalerie verfügen soll.
Der Neubau ist Teil der Berliner Schulbauoffensive, die der steigenden Nachfrage nach Schulplätzen in der wachsenden Stadt begegnet. Das Schulgebäude entsteht in modularer Bauweise und soll im Jahr 2026 in Betrieb gehen. Gleichzeitig wird das gesamte Gelände städtebaulich neu entwickelt und langfristig in ein vielfältiges Quartier für Bildung, Kultur und Nachbarschaft verwandelt.
Angeboten für Schülerinnen und Schüler und Nachbarschaft im ehemaligen Gaswerk: Denkmalgeschütztes Uhren- und Reglerhaus wird zur Schulbibliothek
Neben dem Neubau spielt ein altes Industriegebäude eine zentrale Rolle im neuen Campus. Das Uhren- und Reglerhaus, das zur ursprünglichen Bebauung des Gaswerks gehörte, wird denkmalgerecht saniert. Geplant ist, das historische Gebäude bis Mitte 2026 für schulische und öffentliche Nutzungen umzubauen. Die Pläne stammen von Landherr Architekten.
Nach dem Umbau soll das Gebäude unter anderem als Schulbibliothek, Leseclub, Medienlabor und Elterncafé dienen. Damit wird es nicht nur Teil des Schulalltags, sondern auch ein Ort der Begegnung für Familien und Nachbarschaft. Die historische Architektur bleibt dabei bewusst sichtbar und verbindet den Bildungsort mit der Geschichte des Quartiers.
Das historische Gaswerk: Infrastruktur im aufstrebenden Köpenick des 19. Jahrhunderts
Die Ursprünge des heutigen Schulstandorts reichen bis ins Jahr 1889 zurück, als das erste private Gaswerk Köpenicks an der damaligen Dahlwitzer Straße errichtet wurde. Das Werk entstand in einer Zeit, in der die Industrialisierung in den Berliner Randgebieten spürbar wurde. Die Firma Budde & Goehde erhielt eine unbefristete Lizenz zur Gaserzeugung und versorgte bald die Altstadt und umliegende Vorstädte mit Leuchtgas.
Mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Werks stieg auch das Interesse der Stadt Köpenick an einer Übernahme. Im Jahr 1900 wurde das Gaswerk kommunalisiert und anschließend stark erweitert. Die bestehenden Gebäude, darunter das heute noch erhaltene Uhren- und Reglerhaus, stammen aus der Phase des umfassenden Umbaus um 1905. Trotz mehrfacher Umnutzung blieb ein Teil der historischen Bausubstanz erhalten.
Künstlerische Gestaltung im Schulbau: Nach dem Wettbewerb wurden zwei Entwürfe ausgezeichnet
Im Rahmen eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs wurden zwei Entwürfe ausgezeichnet, die das Gebäude auch gestalterisch in den historischen Kontext einbetten. Der Künstler Nándor Angstenberger entwickelte das Konzept „rohrrohrrohr“, das auf die industrielle Vergangenheit verweist. Seine Idee sieht vor, eine große Sichtbetonwand im Schulgebäude mit einer filigranen Handzeichnung zu versehen, die Strukturen von Rohrleitungen aufgreift.
Ein zweiter Entwurf von Patricia Sandonis trägt den Titel „Formen, die Konzepte bewahren“. Sie extrahierte grafische Elemente aus Schulheften von Berliner Kindern und übersetzt diese in große Wandgestaltungen aus Keramik und Metall. Diese künstlerischen Interventionen machen Lernprozesse sichtbar und schaffen eine emotionale Verbindung zwischen dem Bauwerk und seinen Nutzerinnen und Nutzern.
Modellcharakter für andere Quartiere: Sanierung schafft Ort für Bildung, Kultur und nachbarschaftliche Nutzung in Köpenick
Der Standort soll langfristig eine gemischte Nutzung erhalten, die Bildung, Kultur und soziales Leben an einem Ort verbindet. Die denkmalgeschützten Gebäude bleiben nicht nur erhalten, sondern werden behutsam für neue Funktionen erschlossen. Diese Kombination aus Erhalt und Neugestaltung macht das Projekt auch aus stadtplanerischer Sicht zu einem Modellfall.
Die Zusammenarbeit zwischen Senatsverwaltung, Bezirk, Planerinnen und künftigen Nutzergruppen ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. In mehreren Workshops wurden Raumkonzepte und Flächenbedarfe gemeinsam erarbeitet. Dabei spielt auch die Idee der Mehrfachnutzung eine wichtige Rolle. So sollen etwa Räume der Schule außerhalb der Unterrichtszeiten für Nachbarschaftsinitiativen nutzbar sein.
Quartier am ehemaligen Güterbahnhof: Schulstandort ist Teil eines umfassenden städtebaulichen Konzepts
Die neue Schule ist nicht isoliert geplant, sondern eingebettet in ein größeres städtebauliches Projekt. Das Gelände des ehemaligen Gaswerks gehört zum Entwicklungsgebiet des früheren Güterbahnhofs Köpenick. In den kommenden Jahren soll hier ein neues Stadtquartier mit rund 1800 Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen, Grünflächen und sozialen Angeboten entstehen.
Das Areal wird in einen nördlichen und einen südlichen Teil gegliedert. Während im Norden der Schulneubau entsteht, sollen im Süden die historischen Bestandsgebäude umgebaut und ergänzt werden. Geplant sind dort unter anderem eine Volkshochschule, Veranstaltungsräume, ein Treffpunkt für ältere Menschen und ein Vor-Ort-Büro der Stadtentwicklung.

Auf dem ehemaligen Industriegelände entwickelt Berlin einen neuen Bildungs- und Sozialstandort. Neben dem Schulneubau sollen denkmalgeschützte Gebäude als Bibliothek, Medienlabor, Leseclub und Elterncafé genutzt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die geplante Drei-Feld-Sporthalle entsteht direkt neben dem Schulgebäude. Sie wird mit einer Zuschauertribüne ausgestattet und ergänzt den künftigen Bildungscampus, der auch für außerschulische Nutzungen geöffnet werden soll. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die Künstlerin Patricia Sandonis überträgt mit „Formen, die Konzepte bewahren“ grafische Elemente aus Schulheften auf großflächige Wandflächen im Inneren des Neubaus. / © Bild: Patricia Sandonis

Mit dem Entwurf „rohrrohrrohr“ nimmt Nándor Angstenberger Bezug auf die industrielle Vergangenheit des Schulstandorts. Seine feingliedrigen Zeichnungen erinnern an frühere Rohrleitungsstrukturen und verbinden die neue Architektur der Schule mit der Geschichte des ehemaligen Gaswerks. / © Bild: Nándor Angstenberger
Quellen: Bezirksamt Treptow Köpenick, Wikipedia.org, Berliner Morgenpost
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