Im Schöneberger Dreieck will der Bezirk Tempelhof-Schöneberg Verkehr, Freiraum und Klimaanpassung neu ordnen. Ein Verkehrskonzept für das dicht bebaute Gründerzeitquartier wird nun öffentlich vorgestellt, parallel startet eine Machbarkeitsuntersuchung für die Fritz-Reuter-Straße als mögliche „Klimastraße“. Ziel ist es, den engen Straßenraum gerechter zu verteilen und die Aufenthaltsqualität im Kiez zu erhöhen.

Die Machbarkeitsuntersuchung für die Fritz-Reuter-Straße soll klären, ob der Straßenraum künftig als „Klimastraße“ weiterentwickelt werden kann. Entstehen könnte ein Modell, das Aufenthaltsqualität stärkt, neue Nachbarschaftsräume schafft und Hitzeinseln im dicht bebauten Quartier reduziert. / © Foto: Wikimedia Commons, Dirk Ingo Franke, CC BY 3.0
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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, IgorCalzone1, CC BY-SA 4.0
Das Schöneberger Dreieck steht seit Jahren vor denselben Herausforderungen: dichte Wohnbebauung, enge Straßenräume und ein deutlicher Mangel an Grün. Zwischen Hauptstraße, Dominicusstraße und den Bahntrassen wirkt das Quartier wie eine abgeschlossene Insel, in der kaum Platz für Aufenthaltsflächen, Schatten oder sichere Wege bleibt. Viele Straßen sind vollständig versiegelt, Bäume finden sich nur vereinzelt. Für Kinder, ältere Menschen und Familien bedeutet das an heißen Tagen große Belastungen und wenig geschützte Orte im öffentlichen Raum.
Wer eine Grünfläche erreichen möchte, muss zunächst stark befahrene Hauptverkehrsstraßen überqueren, ein Sicherheitsrisiko, das Anwohnende seit Jahren kritisieren. Gleichzeitig prägen ruhender Verkehr, zugeparkte Gehwege und fehlende Querungsmöglichkeiten das Straßenbild. Um diese Probleme anzugehen und den Durchgangsverkehr aus dem Quartier zu nehmen, hat die Bezirksverordnetenversammlung das Gebiet bereits 2023 als Kiezblock ausgewiesen. Nun soll ein umfassendes Verkehrskonzept folgen, das den Straßenraum gerechter verteilt und die Aufenthaltsqualität spürbar verbessert.
Verkehrskonzept für das Schöneberger Dreieck wird im Rathaus Schöneberg vorgestellt
Am 24. November 2025 stellt der Bezirk Tempelhof-Schöneberg das Verkehrskonzept für das Schöneberger Dreieck im Rathaus Schöneberg vor. Vorgesehen sind Maßnahmen, die Sicherheit, Barrierefreiheit und Verkehrsorganisation im Gebiet neu ordnen sollen. Im Fokus stehen sichere Querungen, breitere oder freigeräumte Gehwege sowie eine Neuverteilung des Straßenraums zugunsten von Fuß- und Radverkehr. Der motorisierte Durchgangsverkehr soll zurückgedrängt, der Kiezcharakter gestärkt werden.
Die fachliche Planung baut auf einer Beteiligung der Anwohnerschaft auf. Ein Kiezspaziergang im Mai 2025 sowie eine dreiwöchige Online-Beteiligung auf mein.berlin.de haben zahlreiche Hinweise und Wünsche hervorgebracht. Viele Beiträge thematisierten Lärm, fehlendes Grün, zugeparkte Straßen und den Wunsch nach mehr Spiel- und Radflächen. Diese Rückmeldungen sind in die Konzeptentwicklung eingeflossen und sollen nun in Form von Basis- und Entwicklungsvarianten vorgestellt werden.
Pilotprojekt „Klimastraße“: Bezirk prüft Begrünung und Entsiegelung der Fritz-Reuter-Straße
Parallel zum Verkehrskonzept startet eine Machbarkeitsuntersuchung für die Fritz-Reuter-Straße. Sie ist derzeit nahezu baumlos und stark versiegelt. Im Rahmen des bezirklichen Freiraumentwicklungskonzepts wurde sie deshalb als Pilotprojekt für eine sogenannte „Klimastraße“ ausgewählt. Geprüft wird, ob und wie hier künftig mehr Grün, Entsiegelung, Schattenstrukturen und neue Aufenthaltsflächen geschaffen werden können, ohne die Erreichbarkeit des Quartiers zu gefährden. Eine Entscheidung über konkrete Maßnahmen ist damit noch nicht verbunden.
Die „Klimastraße“ soll langfristig mehrere Funktionen verbinden. Sie soll Hitzeinseln im dicht bebauten Quartier abmildern, Regenwasser besser aufnehmen und zugleich neue Nachbarschaftsräume schaffen. Bezirksstadträtin Saskia Ellenbeck betont nach Angaben des Bezirks, dass Straße, Grün und Klima zusammen gedacht werden müssten. Amtsleiter Andreas Baldow verweist darauf, dass das Verkehrskonzept im Schöneberger Dreieck eine verlässliche Grundlage für klare Lösungen im dichten Quartier schaffen solle, immer in Verbindung mit den Rückmeldungen der Menschen vor Ort.
Weniger Durchgangsverkehr: Bezirk orientiert sich an Lösungen der Schöneberger Linse
Als Referenz dient dem Bezirk das Verkehrskonzept für die Schöneberger Linse, das 2024 abgeschlossen wurde. Dort wurden vier Varianten zur Neuordnung des Verkehrs untersucht. Am Ende stand eine Vorzugsvariante, die den Durchgangsverkehr aus den Quartierskernen heraus auf Hauptachsen bündelt, zusätzliche Tempo-30-Bereiche vorsieht und die Wohnstraßen zu grünen, verkehrsberuhigten Räumen entwickeln soll. Erste Maßnahmen wie Tempo 30 in der Gotenstraße sind bereits umgesetzt.
Für das Schöneberger Dreieck könnten ähnliche Prinzipien Anwendung finden: weniger Kfz-Durchgangsverkehr in den Wohnstraßen, sichere Wege zu Kitas und sozialen Einrichtungen sowie mehr Platz für Fuß- und Radverkehr. Die Fritz-Reuter-Straße als mögliche Klimastraße wäre dabei ein wichtiger Baustein, um Verkehrswende, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität zusammenzuführen. Das Verkehrskonzept und die Machbarkeitsstudie markieren damit den Auftakt für einen längeren Prozess, in dem sich zeigen wird, wie schnell sich der stark versiegelte Stadtraum im Schöneberger Dreieck tatsächlich verändern lässt.
Quellen: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
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7 Kommentare
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[…] Das „Schöneberger Dreieck“, also der Ort wo die alte Wohnung liegt, soll Klimaquartier werden. […]
Haben Sie Langeweile oder wissen nicht,wohin mit den Steuergeldern? Mal wieder profilieren? So einen Schwachsinn habe ich über meine alte Wohngegend noch nie gehört. Lärm, in der Fritz-Reuter-Str.? Kein Spielplatz,Aufenthaltsmöglichkeiten? Geht’s noch? Der Volkspark liegt 10 Minuten entfernt. Wer setzt sich in eine Aufenthaltszone in eine dieser Querstrassen? Hitzeschutz? Ich breche zusammen. Altbauwohnungen sind im Sommer eher angenehm temperiert.Radwege? Gerne,direkt bis in die Wohnung. Alles für die Gentrifizierer und Lebensunfähigen in dieser Gegend. Ich frage mich,wie wir einst In dieser Wohngegend überlebt haben. Ja,Frau Ellenbeck ist mit dabei. Die Dame,die einen Parkscheinautomat auf einen einzigen Parkplatz in der Innsbrucker Straße genehmigte und aufstellen ließ. Ihr Vorhaben ist derart realitätsfern und überflüssig. Wer sich dort als Anwohner nicht wohlfühlt, sollte sich andernorts eine Behausung suchen.
Unfassbar.
Lasst die Gegend so wie sie ist.
Unverständnis und Kopfschütteln.
Ziemlich unsachlicher Kommentar und ein unreflektiertes Statement.
Es ist völlig in Ordnung, verschiedene Ansichten zu Stadtentwicklung zu haben. Viele Ihrer Behauptungen greifen aber stark daneben oder ignorieren die Realität der heutigen Bewohnerinnen und Bewohner.
1. „Langeweile“ oder „Steuergeldverschwendung“
Maßnahmen wie Aufenthaltszonen, Verkehrsberuhigung oder Hitzeschutz sind keine Launen, sondern gehören in vielen Städten zur grundlegenden Infrastrukturplanung. Sie entstehen nicht aus Spaß, sondern weil sich Bedürfnisse und Rahmenbedingungen verändern.
2. „Lärm gibt es dort nicht“
Nur weil Sie persönlich den Lärm nie als störend empfunden haben, heißt das nicht, dass er für andere kein Problem ist. Viele Anwohner melden seit Jahren erhöhten Durchgangsverkehr und fehlende sichere Gehbereiche.
3. „Volkspark ist 10 Minuten entfernt“
Das mag stimmen, aber kurze Aufenthaltsbereiche direkt im Wohnquartier erfüllen eine andere Funktion: Begegnung, Entlastung für Familien, sichere Räume für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Nicht jeder schafft „mal eben“ 10 Minuten Fußweg.
4. Hitzeschutz als „lächerlich“ abtun
Hitzeeinwirkung betrifft heute nachweislich deutlich mehr Menschen – gerade Ältere und Kinder. Anpassungsmaßnahmen sind also keine Mode, sondern notwendig.
Nur weil Ihre Altbauwohnung angenehm bleibt, gilt das nicht automatisch für alle. Es gibt Menschen in ungedämmten Dachgeschosswohnungen und 70er Jahre Bauten mit Südausrichtung.
5. „Radwege bis in die Wohnung“ / „Gentrifizierer“
Radwege dienen der Sicherheit, und zwar für alle, nicht nur für angebliche „Neuzuzügler“. Verkehrssicherheit ist kein Luxus.
6. „Wer sich nicht wohlfühlt, soll wegziehen“
Genau solche Aussagen sorgen dafür, dass konstruktive Diskussionen unmöglich werden. Eine Stadt gehört allen Bewohnern – nicht nur denen, die schon am längsten dort wohnen.
7. Politische Spitze gegen Frau Ellenbeck
Persönliche Angriffe ersetzen keine Argumente. Wenn Maßnahmen verbessert oder angepasst werden müssen, dann geschieht das durch Dialog, nicht durch Abwertung.
Fazit:
Die Gegend „so lassen wie sie ist“, mag für einige bequem sein aber Städte müssen sich entwickeln, um lebenswert zu bleiben. Verbesserungen für Sicherheit, Klimaresilienz und Aufenthaltsqualität kommen am Ende allen zugute. Man kann anderer Meinung sein, aber diese pauschale Ablehnung hilft niemandem weiter.
Super Vorschlag für einen lebenswerteren Kiez. Durch die verdichtete Bebauung ist das Mikroklima dort wirklich nicht besonders angenehm und die Belastung durch Verkehrslärm und Feinstaub, verstärkt durch die Nähe verlaufenden Stadtautobahnen, trägt nicht zu einem guten Wohnumfeld bei.
Jeder Cent dafür ist verbranntes Steuergeld.
Hier empfinde ich den Mitteleinsatz sinnvoll. In Berlin gibt es ganz andere „Geldverschwendungs-“ stellen: Fangen wir bei der Enheitswippe an, gehen über den Subventionsbericht zum schwarzen Buch des Bunds der Steuerzahler. Dort steht vieles drin, solche Projekte übrigens nicht.
Mehr Aufenthaltsqualität bringt mehr Aufenthaltszeit und diese wiederum bringt Umsatz und Steuern.
Die Anwohner zahlen übrigens auch Steuern. Da ist es nicht zuviel verlangt, dass ein kleiner Teil des Landesetats auch mal für sie verwendet wird.
Stimme Dieselfreund vollkommen zu. Die sehr einseitige Sichtweise von Christiane Noffke erscheint schon fast menschenverachtend. Ich gehe davon aus, dass Sie auch nicht vor Ort leben.
Sichere Querungen und Aufenthaltsräume sind gerade für die Schwachen in unserer Gesellschaft ungemein wichtig. Schön, dass dieses Vorhaben Sie besonders in den Blick nimmt.
Die vor Ort vorliegende Straßengestaltung mit engen, unebenen und oft zugestellten Gehwegen ist für Geh- und Seheingeschränkte eine große Belastung.
Den Hitzeatlas Berlin gibt es aus guten Grund. In den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Hitzetoten statistisch nachweisbar vervielfacht. Gerade Ältere oder Vorbelastete bedürfen hier mehr Schutz.
Den Lärm können am Besten die Menschen, welche tatsächlich vor Ort leben beurteilen. Die Beschwerden zeigen eindeutig eine Lärmbelastung. In der Regel führen viele Bescherden auch zu einer Lärmmessung. Spätestens dann liegt der Beweis vor.
Immer meinen andere, nicht dort lebende an, darüber urteilen zu können, um ihre eigenen Interessen wahren zu können.
„Zieht doch weg“ ist keine Lösung. Am Ende würde kein Mensch mehr in der Betonwüste leben.
Mir persönlich gefällt das Konzept sehr gut. Ich wohne woanders in Berlin, drücke aber den Anwohnern die Daumen, dass es bald umgesetzt wird.