Im Rathaus Schöneberg wurden die nächsten Schritte für das Verkehrskonzept im Schöneberger Dreieck vorgestellt. Neben ersten planerischen Varianten präsentierte der Bezirk auch den Start der Machbarkeitsuntersuchung für eine mögliche Klimastraße in der Fritz-Reuter-Straße. Die Veranstaltung zeigte, wie komplex der Umbau des dicht bebauten Quartiers bleibt und wo es bereits konkrete Ansätze gibt.

Bei der Veranstaltung zur Vorstellung eines möglichen Verkehrskonzeptes für das Schöneberger Dreieck und der Machbarkeitsuntersuchung Fritz-Reuter-Straße waren (v.l.n.r.) Lena Flamm von bgmr landschaftsarchitekten und Dr. Saskia Ellenbeck, Bezirksstadträtin für Straßen, Grünflächen und Ordnung vor Ort. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, IgorCalzone1, CC BY-SA 4.0
Im Rathaus Schöneberg informierte der Bezirk Tempelhof-Schöneberg am 25.11.2025 über den Stand des Verkehrskonzepts für das Schöneberger Dreieck. Das Quartier zwischen Hauptstraße, Dominicusstraße und der Bahntrasse gilt seit Jahren als überlastet: enge Straßenräume, fehlende Grünflächen, geringe Aufenthaltsqualität und schwierige Querungsmöglichkeiten prägen den Alltag. Die Planungen sollen diese Defizite systematisch angehen und Sicherheit, Barrierefreiheit und Nutzungsvielfalt verbessern.
Anwohnerinnen und Anwohner hatten sich zuvor in einem Kiezspaziergang und über die Plattform mein.berlin.de eingebracht. Viele Hinweise bündelten bekannte Probleme wie zugeparkte Gehwege, unsichere Kreuzungen und das Fehlen attraktiver Aufenthaltsorte. Neue Themen wie die mögliche Schließung der Zufahrt zur Gustav-Freytag-Straße kamen ebenfalls hinzu.
Verkehrskonzept für das Schöneberger Dreieck im Rathaus Schöneberg erstmals ausführlich vorgestellt
Vor Ort präsentierten Bezirksstadträtin Saskia Ellenbeck, Vertreter des Stadtentwicklungsamtes sowie Fachplanerinnen der Büros Ramboll und bgmr Landschaftsarchitekten den aktuellen Planungsstand. Die vorgestellten Anregungen aus der Beteiligung führten zu drei Basisvarianten, die unterschiedliche Eingriffstiefen abbilden.
Die erste Variante im Schöneberger Dreieck setzt auf Gehwegvorstreckungen, zusätzliche Querungsstellen und punktuelle Verkehrsberuhigung durch Aufpflasterungen. Die zweite Variante verschwenkt Fahrbahnen stärker, um niedrige Geschwindigkeiten zu erzwingen. Die dritte Variante ordnet Parkstände neu und kombiniert Geschwindigkeitsreduzierung mit strukturellen Veränderungen in mehreren Straßen.
Vier Erweiterungsoptionen: Von der Klimastraße bis zum Vorplatz an der Gustav-Freytag-Straße
Aufbauend auf diesen Grundmodellen wurden vier vertiefende Varianten vorgestellt: eine mögliche Klimastraße, eine Fahrradstraße, ein neuer Vorplatz am S-Bahnhof sowie ein Kiezplatz an der Gustav-Freytag-Straße. Der Kiezplatz soll stufenweise entstehen, zunächst als temporäre Sperrung mit Pflanzkübeln, später als dauerhafte Umgestaltung. Ziel ist ein ruhiger, begrünter Aufenthaltsbereich, der zwei bestehende Grünflächen zu einem größeren Ensemble verbindet.
Die Verwaltung betonte, dass die Umsetzung an der Jahresplanung des Straßen- und Grünflächenamts hängt. Temporäre Maßnahmen könnten jedoch früh sichtbare Verbesserungen erzeugen und Akzeptanz schaffen. Gleichzeitig ermöglichen sie Anpassungen, wenn Finanzierungsfragen oder Förderprogramme noch offen sind.
Start der Machbarkeitsstudie: Fritz-Reuter-Straße soll Klimastraße werden
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte der Bezirk den Auftakt der Machbarkeitsuntersuchung zur möglichen Klimastraße vor. Die Fritz-Reuter-Straße gehört zu den am stärksten versiegelten Straßen im Quartier. Zukünftig sollen dort mehr Bäume, Entsiegelungsflächen und Regenwasserelemente entstehen, sofern die technischen Bedingungen dies zulassen.
Fachplanerin Lena Flamm von bgmr Landschaftsarchitekten erläuterte, dass die Straße derzeit durch Leitungen unterbaut ist, was Neupflanzungen erschwert. Dennoch sollen Varianten mit ein- oder beidseitigen Baumreihen geprüft werden. Ergänzend kommen wasserdurchlässige Beläge, Regenwassermulden sowie Sitz- und Aufenthaltsmöbel in Betracht. Die Beteiligung hatte eine intensive Begrünung sowie mehr Fahrradabstellmöglichkeiten eingefordert.
Kiezplatz-Debatte und nächste Schritte: Bezirk prüft Finanzierung und Varianten
Bei der Diskussion wurde gefragt, warum der Kiezplatz nicht am S-Bahnhof Schöneberg entsteht. Laut Bezirksverwaltung hat die Ebersstraße eine wichtige Verbindungsfunktion. Ein Platz an dieser Stelle würde Wendebewegungen für große Fahrzeuge und LKW verhindern und wäre zudem kompliziert, da der Bahnhofsvorplatz dem privaten Eigentümer Pinnell-Stiftung gehört.
Für die Umsetzung sowohl des Verkehrskonzepts im Schöneberger Dreieck als auch der möglichen Klimastraße in der Fritz-Reuter-Straße liegen bislang keine belastbaren Kostenangaben vor. Diese werden erst nach Abschluss der vertieften Planungsphasen erwartet. Im Anschluss an die Präsentation sammelten Planerinnen und Planer gemeinsam mit Anwohnenden weitere Hinweise und Wünsche zur künftigen Gestaltung der Fritz-Reuter-Straße. Auf dieser Grundlage soll nun ein Vorentwurf für eine Vorzugsvariante entstehen, der erneut öffentlich vorgestellt wird. Parallel prüft der Bezirk mögliche Förderprogramme und klärt die Finanzierung für die nächsten Schritte.

Die Darstellung von Ramboll zeigt eine mögliche Klimastraße entlang der Fritz-Reuter-Straße, ergänzt um eine potenzielle Fahrradstraße sowie einen neu gestalteten Vorplatz am S-Bahnhof Schöneberg, der in der Grafik als blauer Kreis markiert ist. An Position 4 ist zudem die Zufahrt zur Gustav-Freytag-Straße mit einem möglichen Kiezplatz dargestellt, der als gelber Kreis erscheint. Der Kiezplatz an der Gustav-Freytag-Straße gilt derzeit als bevorzugte Variante. / © Foto: Google Maps mit eigener Darstellung Ramboll
Quellen: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, mein.Berlin.de
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