Der Schlangenbader Tunnel in Wilmersdorf soll saniert werden. Doch vor der Berlin-Wahl 2026 ist offen, ob die vollständige Sanierung tatsächlich wie geplant umgesetzt wird.

Die Einfahrt des „Schlangenbader Tunnels“ in Berlin-Wilmersdorf. Der seit April 2023 gesperrte Tunnel bleibt wegen weiterer Verzögerungen bei der Sanierung voraussichtlich mindestens bis Ende 2026 ohne größere Baufortschritte. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Schlangenbader Tunnel in Wilmersdorf wartet seit mehr als drei Jahren auf seine Sanierung. Eigentlich hatte der Senat längst entschieden, das Bauwerk wieder für den Verkehr zu öffnen. Doch Verzögerungen bei der Vergabe haben den Zeitplan weit nach hinten verschoben. Nun bekommt das Projekt wenige Wochen vor der Berlin-Wahl eine neue politische Dimension.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Lage: Schlangenbader Straße / Dillenburger Straße
- Bauwerk: rund 570 Meter langer Straßentunnel
- Projektstatus: Planung und Vorbereitung der Sanierung
- Baubeginn: derzeit offen
Die Ausgangslage hat sich seit dem letzten Update zur Sanierung des Schlangenbader Tunnels kaum entspannt. Für die Entkernung und Schadstoffsanierung soll die Vergabe nach Angaben des Senats erst Ende 2026 erfolgen. Erst danach lässt sich ein neuer belastbarer Zeitplan erstellen. Das frühere Ziel einer Wiedereröffnung 2028 gilt damit als übreholt.
Zugleich geht es längst um mehr als einen verspäteten Bauauftrag. Weil wichtige Vergaben erst nach der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 erfolgen sollen, kann die künftige politische Mehrheit erheblichen Einfluss darauf nehmen, wie es mit dem Tunnel weitergeht.

Die Infografik fasst den aktuellen Stand der Sanierung des „Schlangenbader Tunnels“ zusammen. Sie zeigt die wichtigsten Informationen zu Sperrung, Zeitplan, Kosten und den geplanten Sanierungsmaßnahmen. / © Grafik: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
Schlangenbader Tunnel: Parteien verfolgen unterschiedliche Ziele
Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied zwischen CDU und Grünen. Die CDU nennt die Sanierung ausdrücklich als eigenes Projekt. In ihrem aktuellen Wahlkampfprogramm heißt es, Berlin treibe die Sanierung des Schlangenbader Tunnels voran. Die Grünen sehen dagegen keinen ausreichenden Bedarf für die Wiedereröffnung. Bereits bei den Haushaltsberatungen wollten sie die für 2026 und 2027 vorgesehenen Mittel für die Grundinstandsetzung streichen.
Auch die Linke legt sich bislang nicht eindeutig auf eine Wiedereröffnung fest. Bei den Haushaltsberatungen stellte sie vielmehr die Frage, ob eine Schadstoffsanierung ohnehin notwendig wäre, selbst wenn künftig keine Autos mehr durch den Tunnel fahren. Die FDP positioniert sich dagegen klar für eine schnelle Instandsetzung und Wiedereröffnung.
Bei der SPD ist die Lage komplizierter. Im Wahlprogramm 2026 wird der Tunnel nicht ausdrücklich zur Wiedereröffnung genannt. Stattdessen will die Partei Flächen der ehemaligen A104 beidseits des Tunnels umgestalten und gemeinsam mit dem Breitenbachplatz neuen Stadtraum schaffen. Bereits ein früherer SPD-Parteitagsbeschluss hatte eine dauerhafte Schließung der übergeordneten Verkehrsverbindung durch den Tunnel gefordert.
Vergabefehler wirft die Sanierung in Wilmersdorf weit zurück
Dass die politische Debatte jetzt wieder an Bedeutung gewinnt, liegt vor allem an einem gescheiterten Vergabeverfahren. Das Land wollte den ersten großen Auftrag unter anderem für Abbruch-, Entsorgungs- sowie Brand- und Schallschutzarbeiten vergeben. Ein spezialisiertes Abbruchunternehmen wehrte sich dagegen, weil verschiedene Leistungen zusammengefasst worden waren.
Das Kammergericht bestätigte schließlich die vorherige Entscheidung der Vergabekammer. Die gewählte Zusammenfassung der Leistungen war vergaberechtlich nicht zulässig. Berlin musste das Verfahren deshalb zurücksetzen und die Vergabestruktur überarbeiten.

Die Wohnanlage „Schlange“ an der Schlangenbader Straße in Berlin-Wilmersdorf gehört zu den markantesten Wohnbauten der 1970er-Jahre. Unter dem Gebäudekomplex verläuft der seit 2023 gesperrte Schlangenbader Tunnel, dessen Sanierung weiter offen ist. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
„Schlange“ verbindet rund 1.050 Wohnungen und sechs Fahrspuren
Die Dimension des Bauwerks erklärt, warum die Entscheidung weit über eine gewöhnliche Straßensanierung hinausgeht. Der Tunnel besteht aus zwei rund 570 Meter langen Röhren. Jede führte bislang drei Fahrspuren. Darüber liegt die Wohnanlage „Schlange“, die ebenfalls umfassend erneuert wird.
Rund 1.050 Wohnungen befinden sich über dem Verkehrsbauwerk. Die Tunnelröhren verlaufen aufgeständert auf Höhe des zweiten und dritten Obergeschosses. Darunter liegen Mietergaragen mit rund 900 Stellplätzen. Die Sanierungsplanung muss deshalb eng mit den Arbeiten der degewo an der Wohnanlage abgestimmt werden.
Nach der Berlin-Wahl könnte die Grundsatzfrage zurückkehren
Doch auch ohne Autoverkehr ließe sich der Tunnel nicht einfach sich selbst überlassen. Die Senatsverwaltung verwies bereits in den Haushaltsberatungen darauf, dass die gesamte Anlage unter Denkmalschutz steht und auch bei einer Stilllegung in einem sicheren Zustand gehalten werden müsste.
Damit dürfte die Zukunft des Schlangenbader Tunnels auch nach der Wahl ein politisches Thema bleiben. Die Sanierung ist vorbereitet und im Haushalt berücksichtigt. Eine vollständige Wiedereröffnung ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch weder zeitlich noch politisch unumkehrbar festgelegt.
Schlangenbader Tunnel: Geplante Sanierung
Quellen: Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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2 Kommentare
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Warum baut man keine Betriebshöfe für die BVG und nutzt die BVG-Grundstücke stattdessen für Wohnraum?
Man könnte statt den Autoverkehr durch die Wohngebiete zu schleusen endlich eine attraktive ÖPNV-Verbindung von Steglitz Richtung Schmargendorf und Charlottenburg schaffen, zum Beispiel eine Tram, vielleicht sogar durch den Tunnel. Wenn man sich ansieht, was unter dem aktuellen Senat unter Führung der CDU mit dem Tunnel passiert, dann ist gesamtheitlich davon auszugehen, dass er nicht eröffnen wird. In drei Jahren ist absolut nichts passiert. Vielleicht sollte man den Tunnel vielleicht doch komplett zu lassen.
Allerdings muss die aktuelle Verkehrsführung über die Umleitung überdenken und attraktivere ÖPNV Alternativen schaffen. Den den Tunnel zu öffnen wird dazu führen, dass Anwohner unter mehr Verkehr leiden. Selbiges wenn der Tunnel ohne umfassendes Konzept geschlossen bleibt. Man kann nur hoffen, dass nach der Wahl 2026 endlich jemand mit Fachverstand und ohne wahnwitzige Autoideologie in der Senatsverwaltung den Ton angibt.