Der seit 2023 gesperrte Schlangenbader Tunnel soll trotz juristischer Rückschläge noch in diesem Jahrzehnt wieder in Betrieb gehen. Doch zwischen neuen Ausschreibungen, ungeklärten Kosten und zusätzlichen Sanierungsbedarfen bleibt der Zeitplan ambitioniert. Der Tunnel steht damit exemplarisch für die Herausforderungen alter Verkehrsinfrastruktur in Berlin.

Trotz einer erfolgreichen Klage wegen Vergabefehlern bei der Schadstoffentkernung soll das Projekt weitergeführt werden. Die Senatsverkehrsverwaltung rechnet derzeit mit einem Beginn der Rückbauarbeiten Anfang des zweiten Quartals 2026. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Schlangenbader Tunnel in Berlin-Wilmersdorf bleibt vorerst gesperrt. Zwar hält der Senat an der Sanierung fest, doch der tatsächliche Baustart verschiebt sich weiter. Nach aktueller Planung soll die Bauausführung erst Ende 2026 beginnen, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Vorbereitende Maßnahmen sind für das zweite Quartal 2026 vorgesehen, während Rückbau und Schadstoffsanierung frühestens zum Jahresende starten sollen.
Ursprünglich war der Beginn der Arbeiten bereits für Ende 2024 angekündigt. Mehrere Verzögerungen haben den Zeitplan jedoch immer wieder verändert. Verantwortlich dafür ist unter anderem ein Vergaberechtsstreit, der das Projekt um Monate zurückgeworfen hat. Eine unterlegene Firma hatte erfolgreich gegen die Auftragsvergabe geklagt, das Kammergericht bestätigte Verfahrensfehler.
Schlangenbader Tunnel Wilmersdorf: Baulos muss 2026 neu ausgeschrieben werden
Infolge der Gerichtsentscheidung muss zumindest ein zentrales Baulos neu ausgeschrieben werden. Dabei geht es um die Entkernung des Bauwerks sowie die Schadstoffsanierung. Diese Ausschreibung soll im ersten Quartal erfolgen. Erst danach können die eigentlichen Arbeiten beginnen. Eine abschließende Bewertung zu Kosten und Gesamtterminplan liegt nach Angaben der Senatsverwaltung gegenüber der Berliner Morgenpost bislang nicht vor.
Hinzu kommt, dass nicht alle baulichen Maßnahmen Teil der aktuellen Tunnelsanierung sind. So muss auch die Ausfahrtsrampe zur Dillenburger Straße instand gesetzt werden. Diese Arbeiten werden separat geplant, Umfang und Zeitrahmen sind noch offen. Damit steigt die Unsicherheit, ob der ursprünglich ins Auge gefasste Wiedereröffnungstermin 2028 realistisch bleibt.
Schlangenbader Tunnel seit 2023 gesperrt: Sicherheitsmängel und 42-Millionen-Euro-Sanierung
Der rund 570 Meter lange Tunnel unter dem Wohnkomplex Schlangenbader Straße, bekannt als „die Schlange“, ist seit April 2023 gesperrt. Auslöser waren erhebliche Sicherheitsmängel, unter anderem an Lüftungsanlagen, Notrufsystemen und der baulichen Substanz. Ein externes Gutachten bestätigte den Sanierungsbedarf, nachdem bereits bei einer Feuerwehrübung gravierende Defizite aufgefallen waren.
Die geplante Grundsanierung soll Technik und Tragwerk erneuern sowie Schadstoffe beseitigen. Die Kosten wurden zuletzt auf rund 42 Millionen Euro geschätzt. Ob dieser Rahmen angesichts der Verzögerungen und zusätzlichen Maßnahmen gehalten werden kann, ist derzeit offen.
Bis 2030 offen? Zeitplan und politische Streitfragen rund um den Schlangenbader Tunnel
Politisch bleibt das Projekt umstritten. Während frühere Planungen zeitweise sogar eine dauerhafte Schließung vorsahen, hält die aktuelle Verkehrsverwaltung an der Sanierung fest. Kritische Stimmen verweisen hingegen auf die hohen Kosten und sehen im Tunnel ein Relikt der autogerechten Stadt.
Parallel dazu verzögert sich auch der Abriss des benachbarten Brückenkomplexes am Breitenbachplatz. Die eigentlichen Rückbauarbeiten sollen nach aktueller Einschätzung erst im zweiten Quartal 2026 beginnen. Damit bündeln sich in diesem Bereich mehrere Großbaustellen, deren Zeitpläne nur bedingt aufeinander abgestimmt sind.
Trotz aller Rückschläge hält der Senat an dem Ziel fest, den Schlangenbader Tunnel noch vor 2030 wieder für den Verkehr freizugeben. Ob dieses Vorhaben gelingt, hängt maßgeblich vom Ausgang der neuen Ausschreibungen und der weiteren Kostenentwicklung ab. Sicher ist bislang nur eines: Der Tunnel bleibt ein Symbol für die komplexe Erneuerung der Berliner Verkehrsinfrastruktur.
Quellen: Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Tagesspiegel
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5 Kommentare
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Es ist halt wirklich Quatsch, den Tunnel zu sanieren und wiederzueröffnen. Das antizipierte Verkehrschaos ist ausgeblieben und man müsste für die Bereiche, in denen die Verkehrssituation kritisch geworden ist, entsprechende Maßnahmen einführen – da wäre das Geld aus der Sanierung besser investiert. So wie es aussieht wurden die Maßnahmen nach der Sperrung so ausgestaltet, dass die Verkehrssituation unbefriedigend bleibt und die Frustration einiger Bürger ausgelöst hat.
Ansonsten hat die Schließung lediglich zu einer gleichmäßigeren Verteilung des Verkehrs geführt. Auf der Schildhornstraße ist immer noch viel Verkehr, aber etwas weniger. Auf der Wiesbadener Straße und Mecklenburgischen Straße ist etwas mehr Verkehr, allerdings sind das immer noch Hauptstraßen und die Verkehrmenge befindet sich immernoch in einem akzeptablen Rahmen – und nach 20 Uhr ist sowieso weiterhin absolute Ruhe. Die Schleichwege um die Schlange sollte man konsequent schließen und ein vernünftiges Verkehrskonzept erarbeiten, anstatt das Geld für die Sanierung aufzuwenden. Der allgemeine Verlauf der Sanierung ist sowieso ein Armutszeugnis für den Senat und die 40, 50 Millionen Euro könnten wirklich für sinnvollere Dinge genutzt werden.
….sagt Verkehrsexperte LinksGrün? 🤢
Sag Verkehrsexperte Realität, moderne Verkehrsplanung und Dipl. Ing. Verkehrswesen. Aber wenn mit Kotzsmilies argumentiert wird, weiß man eh, dass keine zielführende Argumentation zu erwarten ist.
Warum dauert das so lange? Die Fahrzeiten haben sich enorm verlängert. Das ist Gift für die Wirtschaft. Wirklich schlimm ist aber, dass nun auch noch die Beleuchtung ausgeschaltet wurde, obwohl die Fahrstreifen bei Dunkelheit und Regen kaum zu erkennen sind und viele Lampen bereits mit energiesparenden LED ausgerüstet sind.
Meine Fahrt zur Arbeit hat sich 15 Minuten, ob das nun gut für die Umwelt sei?