Beim „Schlangenbader Tunnel“ kommt vor Ende 2026 keine Bewegung in die Baumaßnahmen. Der Senat nennt neue Details zu Vergabe, Kosten, Rampe, degewo-Abstimmung und Verkehr.

Das Bild zeigt die Einfahrt des „Schlangenbader Tunnels“ in Berlin-Wilmersdorf unter der Wohnüberbauung der degewo. Der seit April 2023 gesperrte Straßentunnel steht im Mittelpunkt einer umfassenden Sanierung, deren Zeitplan sich durch weitere Verzögerungen bis mindestens Ende 2026 verschiebt.

Die Einfahrt des „Schlangenbader Tunnels“ in Berlin-Wilmersdorf. Der seit April 2023 gesperrte Tunnel bleibt wegen weiterer Verzögerungen bei der Sanierung voraussichtlich mindestens bis Ende 2026 ohne größere Baufortschritte. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

ANZEIGE

 

Seit der Sperrung des „Schlangenbader Tunnels“ im April 2023 arbeitet Berlin an den Vorbereitungen für die umfassende Sanierung. Nun zeigt eine aktuelle Antwort des Senats, dass die Hauptmaßnahmen weiterhin auf sich warten lassen. Erst Ende 2026 sollen die entscheidenden Bauleistungen vergeben werden.

  • Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
  • Lage: unter der Wohnanlage Schlangenbader Straße
  • Bauwerk: Rund 570 Meter langer Straßentunnel
  • Status: seit April 2023 gesperrt
  • Projekt: Entkernung, Schadstoffsanierung, technische Ertüchtigung
  • Aktueller Stand: Beauftragungen voraussichtlich Ende 2026

Der „Schlangenbader Tunnel“ sollte nach früheren Planungen deutlich früher in die Sanierung gehen. Doch die Senatsverwaltung erklärt in der aktuellen Antwort auf eine Schriftliche Anfrage, dass die Neuausschreibungen bislang nicht veröffentlicht wurden. Der Grund liegt in einer umfassenden Überarbeitung der Vergabestruktur und der Ausschreibungsunterlagen. Betroffen sind vor allem die Bauleistungen für Entkernung und Schadstoffsanierung.

ANZEIGE

Verzögerungen beim „Schlangenbader Tunnel“: Vergabe bleibt der zentrale Punkt

Die Verwaltung will die bisherigen Unterlagen weiter aufteilen. Und das hat große Folgen. Die vielen Fachlose hängen eng mit Verkehr, Technik und Bauablauf zusammen. Deshalb braucht die Vorbereitung nach Senatsangaben deutlich mehr Abstimmung, Koordination und Planung.

Erst wenn die Beauftragungen erfolgt sind, kann Berlin konkrete Zeit- und Maßnahmenpläne für eine Wiedereröffnung erstellen. Eine Rückkehr des Verkehrs im Jahr 2028 lässt sich damit derzeit nicht belastbar absichern.

Die Infografik zeigt den aktuellen Stand der Sanierung des „Schlangenbader Tunnels“ in Berlin-Wilmersdorf. Dargestellt sind die Sperrung seit April 2023, der voraussichtliche Vergabestart Ende 2026, die geschätzten Gesamtkosten von rund 42,6 Millionen Euro, der weiterhin offene Zeitplan für die Wiedereröffnung sowie technische Eckdaten und die geplanten Sanierungsmaßnahmen.

Die Infografik fasst den aktuellen Stand der Sanierung des „Schlangenbader Tunnels“ zusammen. Sie zeigt die wichtigsten Informationen zu Sperrung, Zeitplan, Kosten und den geplanten Sanierungsmaßnahmen. / © Grafik: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI

ANZEIGE

Tunnel an Schlangenbader Straße: Kosten-Steigerung erwartet

Auch finanziell bleibt die Sanierung des „Schlangenbader Tunnels“ angespannt. Der Senat geht weiter von rund 42,555 Millionen Euro Gesamtkosten aus. In dieser Summe stecken 9,360 Millionen Euro Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Zugleich rechnet die Verwaltung mit baupreisbedingten Steigerungen. Eine neue Endsumme nennt sie aufgrund des fehlenden Zeitplans noch nicht.

Ein weiterer Punkt betrifft die Ausfahrtsrampe zur Dillenburger Straße. Dabei handelt es sich um die Ausfahrt zur Dillenburger Straße, die vor einer Wiedereröffnung ebenfalls instandgesetzt werden muss.  Aktuell laufen dafür erst Vorbereitungen zur Grundlagenermittlung. Umfang, Reihenfolge und Zeitrahmen stehen damit noch nicht endgültig fest. Die Rampe ist wichtig, weil sie mit der Hauptsanierung abgestimmt werden muss.

Zeitplan für den „Schlangenbader Tunnel“ hängt auch an degewo und Verkehrsfragen

Parallel läuft die Sanierung der darüberliegenden Wohnanlage durch die degewo. Der Senat stimmt beide Projekte direkt mit dem landeseigenen Unternehmen ab. Dabei geht es nicht nur um Termine und Bauabläufe. Auch Flächen, Hausbereiche und Tiefgaragenbereiche können eine Rolle spielen. Gerade diese Schnittstellen machen das Projekt komplexer als eine gewöhnliche Tunnelsanierung.

ANZEIGE

Die längere Sperrung wirkt sich auch auf die umliegenden Straßen aus. Nach Angaben des Senats stützen sich die Bewertungen auf Verkehrszählungen seit 2022. Die Daten zeigen eine Mehrbelastung in angrenzenden Wohngebieten. Für die Schlangenbader Straße sowie den Kreuzungsbereich Schlangenbader Straße/Dillenburger Straße registrierte die Polizei vom 1. Januar 2022 bis 28. Februar 2025 insgesamt 40 Verkehrsunfälle.

Trotz dieser Zahlen plant der Senat derzeit keine zusätzlichen verkehrslenkenden oder verkehrsberuhigenden Maßnahmen. Der „Schlangenbader Tunnel“ bleibt vorerst in der Warteschleife. Vor Ende 2026 ist bei den Hauptmaßnahmen nicht mit Bewegung zu rechnen.

Schlangenbader Tunnel

 

Quellen: Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/26151, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

One Comment

  1. 41er 19. Juni 2026 at 23:17 - Reply

    Ach toll, anstatt ein vernünftiges Verkehrskonzept zu erstellen, wird weiter gewartet und darauf gesetzt, dass der Tunnel wieder eröffnet wird. Vor 2035 wird das doch eh nichts. Man sollte das Geld lieber in die Stärkung des ÖPNV und ein ganzheitliches Verkehrskonzept für den Kiez stecken und den Tunnel geschlossen lassen. Ist eh eins der schlimmsten Relikte des Wahns der autogerechten Stadt. Bei einer Motorisierungsrate in Berlin, die unter 300 Pkw auf 1000 Einwohner liegt, ist dieser Autowahn sowieso äußerst fragwürdig zu betrachten. Und konkret ist der Schlangenbader Tunnel doch eh nur eine Abkürzung für die A100, die für noch mehr Verkehr sorgt.
    Zudem: wenn ich mich recht erinnere hat der Senat keine konkreten Zahlen zur Verkehrsmessung rausgeben wollen. Man frage sich warum, gibt es etwa doch gar keine Notwendigkeit zur Wiedereröffnung?

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.