Viele Berliner Schulen sind seit Jahren sanierungsbedürftig, während sich Bauarbeiten oft lange hinziehen und den Unterricht beeinträchtigen. Mehr sogenannte „Schuldrehscheiben“ könnten helfen, die Folgen dieses Sanierungsstaus besser abzufedern.

Schuldrehscheibe in Pankow: Der modulare Schulstandort dient als temporäre Ausweichfläche für mehrere Schulen während laufender Sanierungen ihrer eigentlichen Gebäude / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Marode Gebäude, ausgefallene Fachräume, Schimmel hinter den Wänden: Berliner Schulen haben ein strukturelles Problem. Die Anna-Lindh-Schule in Wedding etwa musste 2022 wegen massiven Schimmelbefalls schließen und ihren Betrieb in ein Bürogebäude am Saatwinkler Damm verlagern.
Die Lemgo-Grundschule in Spandau saniert seit Jahren ihr denkmalgeschütztes Hauptgebäude aus dem Jahr 1895 und unterrichtet die Schülerinnen und Schüler zwischenzeitlich in Containerbauten auf dem Schulhof. Solche Fälle sind in Berlin längst keine Einzelfälle mehr.
Sanierungsstau an Berliner Schulen: Renovierungen ziehen sich über Jahre
Der Grund: Schulgebäude lassen sich nicht einfach schließen und dann saniert wieder öffnen. Umfangreiche Baumaßnahmen dauern oft mehrere Jahre und erfordern, dass der Unterricht währenddessen an einem anderen Ort stattfindet. Doch geeignete Ausweichquartiere sind selten, teuer und oft nicht auf Schulbetrieb ausgerichtet.
Hinzu kommen strukturelle Hürden: Denkmalschutzauflagen verlängern die Planungsphasen erheblich, Finanzierungsmittel werden regelmäßig verschoben, und Abstimmungen zwischen Bezirken, Schulbauamt und weiteren Beteiligten brauchen Zeit. Unter diesen Bedingungen ziehen sich Sanierungsprojekte mitunter über ein Jahrzehnt hin.
Konzept der Schuldrehscheibe: Temporärer Schulstandort während der Sanierungsarbeiten
Genau hier setzt ein Konzept an, das den Sanierungsstau zumindest teilweise entschärfen könnte. Eine sogenannte Schuldrehscheibe ist ein temporärer Schulstandort, der mehreren Schulen nacheinander als Ausweichquartier dient. Während eine Schule saniert wird, zieht sie dort ein, führt den Betrieb weitgehend normal fort und zieht nach Abschluss der Baumaßnahmen wieder aus. Anschließend rückt die nächste Schule nach. Das Prinzip ähnelt einem Kreisverkehr: Statt einzelner Sonderlösungen gibt es eine gemeinsam genutzte Infrastruktur.
Die Gebäude sind modular gebaut, flexibel anpassbar und teilweise rückbaubar. Sie sind also nicht als Dauerlösung gedacht, aber so konzipiert, dass sie über viele Jahre hinweg genutzt werden können.
Pankow, Werneuchener Wiese: Das Modell der Schuldrehscheibe in der Praxis
Im Berliner Bezirk Pankow läuft seit Sommer 2023 die Umsetzung dieses Konzepts. Auf der Werneuchener Wiese an der Margarete-Sommer-Straße entstand ein modularer Schulkomplex für rund 800 Schülerinnen und Schüler aus mehreren Schulen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 32 Millionen Euro. Zum Standort gehören außerdem eine Dreifeld-Sporthalle in Leichtbauweise sowie Außen- und Sportflächen.
Das Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium nutzte den Standort als erstes bis Ende 2025. Ab diesem Jahr folgt das Gymnasium am Europasportpark für drei Jahre. Danach sind die Tesla-Oberschule und die Kurt-Schwitters-Schule eingeplant. Der Zeitplan zeigt, wie eng getaktet der Betrieb über Jahre hinweg organisiert ist.
Vorteile und Grenzen des Modells: Mehr Schuldrehscheiben für Berlin?
Der entscheidende Vorteil liegt in der Planbarkeit: Schulen wissen frühzeitig, wann sie einziehen können und wann sie an ihren sanierten Standort zurückkehren. Der Unterricht läuft währenddessen stabil weiter, ohne improvisierte Zwischenlösungen in Bürogebäuden oder Containerlandschaften. So lassen sich Sanierungen konsequent zu Ende führen, statt sie im laufenden Betrieb immer wieder nur zu notdürftig zu reparieren.
Gleichzeitig ist die Schuldrehscheibe kein Allheilmittel. Ihre Kapazitäten sind begrenzt, und das Beispiel aus Pankow bleibt bislang eine Ausnahme. In vielen anderen Bezirken fehlen vergleichbare Strukturen, um Sanierungen in dieser Form abzufedern. Vor dem Hintergrund steigender Schülerzahlen und eines wachsenden Drucks auf die Schulplatzversorgung stellt sich daher die Frage, ob dieses Modell nicht deutlich konsequenter ausgebaut werden müsste. Denn so wichtig die Pankower Schuldrehscheibe als Baustein gegen den Sanierungsstau auch ist – allein wird sie das strukturelle Problem der Berliner Schulbauten kaum lösen.
Quellen: Bezirksamt Pankow, Pro Kiez Bötzowkiez, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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