Die geplante Sanierung des Tunnels unter der Schlangenbader Straße in Berlin-Wilmersdorf steht erneut still. Eine juristische Auseinandersetzung um die Auftragsvergabe bremst das Projekt aus. Damit verzögert sich ein zentrales Infrastrukturvorhaben mitten in einem stark belasteten Stadtteil weiter.
Tunnel Schlangenbader Straße

Erst im April 2025 bestätigte die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, dass die Sanierung des Tunnels Schlangenbader Straße im Mai beginnen sollte. Nun soll die Maßnahme sich um ein halbes Jahr, aufs dritte Quartal 2025 verschieben. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Eigentlich sollte die Sanierung des Tunnels unter der Schlangenbader Straße im Mai 2025 starten. Doch nun wurde das Vorhaben auf unbestimmte Zeit verschoben. Grund ist ein laufendes Nachprüfungsverfahren zur Vergabe des Bauauftrags. Eine unterlegene Firma hat beim Kammergericht Beschwerde eingelegt, wie Staatssekretär Arne Herz in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten, Antje Kapek, mitteilte.

Die Klage betrifft das sogenannte „Baulos 1“, das die Entkernung des Bauwerks sowie die Schadstoffsanierung umfasst. Ein konkreter Gerichtstermin steht laut Kammergericht noch nicht fest. Angaben zu Zeit- und Kostenplan können derzeit nicht gemacht werden, wie der Tagesspiegel berichtet.

Tunnelsperrung seit 2023: Sicherheitsmängel und Sanierungsbedarf unter der „Schlange“

Der rund 570 Meter lange Tunnel in Berlin-Wilmersdorf war Teil der ehemaligen A104 und befindet sich unter einem denkmalgeschützten Wohnkomplex, der sogenannten „Schlange“. Bereits im April 2023 wurde die Strecke aus sicherheitstechnischen Gründen gesperrt. Grund waren Mängel an Entlüftungsanlagen, Notrufsystemen und der baulichen Struktur.

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Die ursprünglich im Frühjahr 2025 geplante Grundsanierung sollte Schadstoffe entfernen, Technik modernisieren und die Struktur sichern. Die Kosten wurden auf rund 42 Millionen Euro geschätzt. Ob dieser Rahmen angesichts der Verzögerung eingehalten werden kann, ist fraglich.

Baustellen auf mehreren Ebenen: Brückenabriss und Wohnsanierung parallel zum Tunnelprojekt

Auch der benachbarte Brückenkomplex am Breitenbachplatz wird derzeit vorbereitet, doch auch hier kommt es zu Verzögerungen. Obwohl der Rückbau bereits im September 2024 beauftragt wurde, begannen die Arbeiten bislang nicht. Frühestens ab Herbst 2025 ist mit dem Beginn des Abrisses zu rechnen.

Parallel zur Sanierung des Tunnels laufen auch Sanierungsarbeiten an der darüberliegenden Wohnbebauung, durchgeführt von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO. Beide Maßnahmen erfolgen unabhängig voneinander, da das Gebäude auf einem separaten Tragwerk ruht.

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„Relikt der autogerechten Stadt“: Politische Debatte um Sinn und Zukunft des Projekts

Antje Kapek, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, kritisierte das Vorhaben scharf. Angesichts steigender Kosten und wachsender Verzögerungen sprach sie sich für eine Neubewertung des Projekts aus, so der Tagesspiegel. Der Tunnel sei ein Relikt der autogerechten Stadt und verschlinge hohe Summen.

Der frühere Senatsplaner Ural Kalender nannte den Autobahnabzweig über den Breitenbachplatz in seiner Rückschau den „größten Sündenfall der Berliner Autobahnplanung“. Der Architekten- und Ingenieurverein hatte bereits 2021 vorgeschlagen, die A104 aufzugeben und durch Wohnbebauung zu ersetzen, ein Vorschlag, der politisch bislang nicht umgesetzt wurde.

Spätestens seit Herbst 2022, als bei einer Feuerwehrübung gravierende Probleme mit der Entlüftung und den Notrufanlagen auffielen, war klar, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Dennoch verzögerte sich das Vorhaben weiter. Erst ein externes Gutachten bestätigte im Jahr 2023 die baulichen Defizite, woraufhin der Tunnel notgesperrt wurde.

Quellen: Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Berliner Morgenpost

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3 Kommentare

  1. Böhme 7. Juli 2025 at 23:31 - Reply

    Gut, solche Rechtsstreitigkeiten sind mehr als ärgerlich. Andererseits habe ich auf BZ-Berlin-online Fotos einer mustersanierten Wohnung gesehen. Dort hat man Aufputzelektroleitungen, versteckt in aufliegenden Kunststoffkanälen, billigstes Linoleum verlegt und die Wände sind völlig uneben. Ähhh, Leute von der DEGEWO, geht’s noch. Auch die Aufputzsteckdosen sind absolut „retro“, im negativen Sinne!

  2. Herbert Hartmann 10. Juli 2025 at 16:28 - Reply

    Ich hab ja insgeheim noch die Hoffnung, dass dieses Relikt der autogerechten Stadt ein Mahnmal bleibt und nicht saniert wird. Das Geld könnte man dafür einsetzen einen Kiezblock rund um die Schlange zu installieren und den Verkehr aus dem Kiez halten. Oder zumindest eine verträgliche Zwischenlösung finden, bswp. nur eine Röhre des Tunnels für den Verkehr freizugeben, inkl. Fahrradspur. Ansonsten wird die Verkehrshölle in Steglitz West wieder von vorne beginnen.

  3. GERRY GRIMM 27. September 2025 at 14:59 - Reply

    Wie soll der RÜCKBAU der Zufahrtbrücke über den Breitenbachplatz vonstatten gehen ? Das ist ein sehr befahrener KNOTENPUNKT…auch da werden Absperrungen / Umleitungen notwendig sein, oder ?

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