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In Reinickendorf sorgt die geplante Erneuerung der Ollenhauerstraße für Streit. Mehr als hundert Bäume sollen fallen, um Platz für neue Verkehrsflächen zu schaffen. Umweltverbände und Bezirkspolitiker fordern dagegen, das Projekt grundlegend zu überdenken.

Ollenhauerstraße im Berliner Bezirk Reinickendorf

In der Ollenhauerstraße sollen für den geplanten Straßenumbau ab 2027 über 100 Bäume gefällt und durch Verkehrsflächen ersetzt werden. Umweltverbände und Teile der Bezirkspolitik fordern eine Überarbeitung der Planung, um den Baumbestand für das Stadtklima zu erhalten. / © Foto: Wikimedia Commons,  Oliver Wolters, CC BY-SA 3.0 DE

© Titelbild: BUND Berlin/Uwe Bahr

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Die Ollenhauerstraße im Berliner Bezirk Reinickendorf soll ab 2027 erneuert werden. Zwischen der Kögelstraße und dem Bahnhof Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik plant das Bezirksamt Reinickendorf eine komplette Neugestaltung der Fahrbahn, Gehwege und Radwege. Rund 14,5 Millionen Euro sollen dafür bereitgestellt werden. Die zuständige Bezirksstadträtin Julia Schrod-Thiel (CDU) begründet das Vorhaben und verweist darauf, dass die Nutzungszeit der Straße deutlich überschritten sei.

Mit der Erneuerung soll der Verkehrsraum neu aufgeteilt werden. Nach aktueller Planung sollen 116 Straßenbäume weichen, laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sogar 131. Viele dieser Bäume sind mehrere Jahrzehnte alt und prägen das Straßenbild des Wohnviertels. Für Anwohnerinnen und Anwohner steht deshalb weniger die Sanierung im Vordergrund als der drohende Verlust der grünen Allee.

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Umwelt- und Klimaschutz in Reinickendorf: BUND fordert neue Planung für die Ollenhauerstraße

Der BUND Berlin kritisiert die Fällungen uns sieht sie als überzogene Maßnahme. Nach Ansicht des Verkehrsexperten Tilo Schütz sei es verständlich, dass schmale Gehwege verbreitert werden sollen, doch die vollständige Beseitigung des Baumbestands sei unnötig. Der Verband schlägt vor, im südlichen Abschnitt Rad- und Parkstreifen zu tauschen, um die Bäume zu erhalten. Im nördlichen Teil mit denkmalgeschützten Wohnhäusern könnten Mittelstreifen verschmälert werden, damit mehr Raum für die Bäume bleibt.

Auch in der Bezirkspolitik wächst der Widerstand. Vertreterinnen und Vertreter von Grünen, SPD und Linken fordern eine Überarbeitung der Pläne. Die SPD-Politikerin Angela Budweg schlägt vor, die Radwege auf der Fahrbahn zu führen, selbst wenn sie dadurch etwas schmaler ausfallen. So könnten mehr Bäume stehen bleiben, ohne die Sicherheit der Radfahrenden zu gefährden.

Folgen für Stadtnatur und Klima in Reinickendorf: Streit um Ersatzpflanzungen

Das Bezirksamt verteidigt sein Vorgehen und erklärt, dass die Fällungen technisch notwendig seien. Viele Bäume stünden an Stellen, an denen künftig Radwege oder Entwässerungsanlagen vorgesehen sind. Außerdem könne der tiefe Eingriff ins Erdreich die Wurzeln stark beschädigen. Als Ausgleich seien 74 Neupflanzungen in den Nebenanlagen und weitere auf dem Mittelstreifen geplant.

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Der BUND hält dagegen, dass junge Bäume den Verlust alter Spitzahorne und Schwarzpappeln nicht kompensieren können. Diese alten Bestände spenden Schatten, mindern die Hitzeentwicklung und bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Mit dem Umbau drohe die Ollenhauerstraße ihren gewachsenen Charakter zu verlieren. Ob die Pläne noch angepasst werden, bleibt offen. Sicher ist, dass der Streit um die Zukunft der Reinickendorfer Allee das Bezirksamt noch lange beschäftigen wird.

Quellen: BUND Berlin, Bezirksamt Reinickendorf von Berlin,  Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost

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2 Kommentare

  1. Ewald Karl 6. November 2025 at 15:26 - Reply

    Wie sich die Verkehrsverwaltung es vorstellt, einerseits das Volksbegehren Baum zu unterstützen, andererseits täglich Hunderte neuer Bäume zum Abholzen vorzuschlagen, ist mir schleierhaft.

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