Die Sanierung verändert die Gedächtniskirche: Neue Ebenen und ein Aufzug erschließen die Turmruine künftig bis weit nach oben für Besucher.

Die Schnittdarstellung zeigt die geplante neue Erschließung der historischen Turmruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Neue Ebenen, Treppen und ein Aufzug sollen den Alten Turm künftig bis in die oberen Bereiche für Besucher zugänglich machen. / © Skizze: heneghan peng architects Dublin Berlin und Ralph Appelbaum Associates
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Turmruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gehört zu den bekanntesten Bauwerken Berlins. Bislang erleben die meisten Besucher den „hohlen Zahn“ vor allem von außen oder in der Gedenkhalle. Nach der anstehenden Sanierung soll sich das deutlich ändern. Neue Wege führen künftig weit nach oben durch das Innere der Kriegsruine – und machen das beschädigte Bauwerk selbst zu einem Teil der Ausstellung.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Breitscheidplatz, 10789 Berlin
- Projektstatus: Baubeginn steht unmittelbar bevor
- Geplante Wiedereröffnung: 2028/29
- Budget Turmruine und Mosaiken: rund 13,3 Millionen Euro
Ganz neu ist der Zugang ins Innere allerdings nicht. Schon vor der Schließung bot die Gedächtniskirche Führungen auf zwei Ebenen der Ruine an: auf etwa zehn und 20 Metern Höhe. Diese Wege waren nur im Rahmen von Führungen zugänglich, wetterabhängig und nicht barrierefrei. Der geplante Umbau geht wesentlich weiter. Die Ruine soll künftig bis in den Turmhelm erschlossen werden.
Damit verändert sich auch die Rolle des Bauwerks. Die seit 1987 bestehende Ausstellung konzentrierte sich vor allem auf die Gedenkhalle. Künftig soll der zerstörte Turm selbst zum zentralen Ausstellungsobjekt werden. Neue Ebenen und Wege führen durch die erhaltene Bausubstanz. Ein Aufzug schafft erstmals einen barrierefreien Zugang zu den oberen Ausstellungsebenen. Die Stiftung spricht von einer neuen Raumerfahrung, bei der die Spuren von Krieg und Zerstörung unmittelbar Teil des Rundgangs werden sollen.
Sanierung der Gedächtniskirche öffnet neue Bereiche der Turmruine
Hinter dem Konzept stehen heneghan peng architects aus Dublin und Berlin sowie die Ausstellungsgestalter Ralph Appelbaum Associates. Ihr Entwurf gewann 2023 den Wettbewerb für die Neuplanung. Seit Anfang 2024 arbeiten die Büros an der Umsetzung. Der Wettbewerb entstand in Abstimmung mit mehreren Berliner Senatsverwaltungen, dem Landesdenkmalamt und dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.
Besonders weit geht der Eingriff im oberen Bereich. Das nach dem Krieg eingebaute Dach soll wieder geöffnet werden. Regen und Schnee können dadurch künftig in die Ruine gelangen. Gleichzeitig soll eine neue Beleuchtung die innere Silhouette des beschädigten Turms auch nachts von außen sichtbar machen. Für Lüftung, Temperierung und Entwässerung der Gedächtniskirche entstehen neue technische Anlagen.

Die historische Turmruine bleibt das Herzstück der Gedächtniskirche. Für ihre Sanierung und die neue Ausstellung sind rund 13,3 Millionen Euro vorgesehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Neue Ausstellung in der Gedächtniskirche erzählt Geschichte anders
Auch im Erdgeschoss ändert sich viel. Die bisherige Ausstellung entstand 1987 und reicht nach Einschätzung der Stiftung für die heutige Zahl der Besucher sowie moderne Formen der Vermittlung nicht mehr aus. Künftig sollen digitale Angebote hinzukommen. Vor allem aber verteilt sich die Ausstellung nicht mehr nur auf einen Raum: Die Architektur und die erhaltenen Schäden werden selbst Teil der Erzählung.
Die historischen Mosaiken bleiben dabei ein zentraler Bestandteil. Sie stammen von Ernst Pfannschmidt, Herrmann Schaper und Max Seliger und wurden 1906 präsentiert. Wand- und Deckenmosaiken fertigte die Berliner Firma Puhl & Wagner. Nach rund 60 Jahren seit der letzten Sicherung haben sich Risse und Hohlstellen gebildet. Während der Sanierung sollen deshalb auch diese historischen Oberflächen restauriert und langfristig gesichert werden.

Bauzäune am Breitscheidplatz informieren über die geplante Neugestaltung der historischen Turmruine und werben zugleich um Spenden für die Sanierung der Gedächtniskirche. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Gedächtniskirche: Wiedereröffnung der Turmruine für 2028/29 geplant
Für Turmruine und Mosaiken nennt die Stiftung ein gemeinsames Budget von rund 13,3 Millionen Euro. Der Beginn der Arbeiten ist für September beziehungsweise November 2026 vorgesehen, die Wiedereröffnung für 2028/29. Damit startet hier der erste große Abschnitt der mehrjährigen Sanierung des Ensembles. Später folgen Glockenturm und moderner Kirchenbau.
Nach der Wiedereröffnung soll sich auch der Zugang ändern. Für den Alten Turm und die neue Ausstellung ist künftig Eintritt vorgesehen; die Höhe steht noch nicht fest. Der moderne Kirchenraum soll dagegen weiterhin ohne Eintritt zugänglich bleiben.
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche: Sanierung der Turmruine
Quellen: Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, rbb, Tagesspiegel
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