Nach rund 15 Jahren Bauzeit ist die umfassende Sanierung des Berliner Ostbahnhofs abgeschlossen. Die modernisierten Gleishallen wurden bei laufendem Betrieb erneuert und entsprechen nun aktuellen technischen Standards. Damit erhält einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Hauptstadt ein neueres Erscheinungsbild.

Die Gleishallen des Berliner Ostbahnhofs wurden über viele Jahre hinweg bei laufendem Betrieb saniert. Fahrgäste erlebten die Baustelle im drittgrößten Bahnhof der Hauptstadt täglich mit, nun sind die umfangreichen Modernisierungsarbeiten abgeschlossen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Die Deutsche Bahn hat die Sanierung des Berliner Ostbahnhofs abgeschlossen. Seit 2010 wurden die denkmalgeschützten Gleishallen im laufenden Betrieb umfassend erneuert und technisch auf einen modernen Stand gebracht. Rund 100.000 Reisende nutzen die Station täglich, die nun wieder vollständig zur Verfügung steht.
Mit dem Abschluss des Projekts endet eines der umfangreichsten Modernisierungsvorhaben im Berliner Bahnnetz. Die Bahn spricht von einer deutlichen Verbesserung der betrieblichen Abläufe und einer langfristigen Sicherung der Bausubstanz, wie rbb24 berichtet.
Sanierte Dachkonstruktion bringt mehr Licht und geringeren Wartungsaufwand am Ostbahnhof
Im zweiten Bauabschnitt bekamen beide Gleishallen ein komplett neues Dach aus Aluminium und Glas. Die Deutsche Bahn ließ dafür rund 8.300 Quadratmeter Glasflächen und weitere 11.200 Quadratmeter der alten Dachhaut austauschen. Dadurch dringt heute deutlich mehr Tageslicht in die Hallen, gleichzeitig sinkt der Aufwand für Wartung und Reparaturen.
Gleichzeitig nahm das Bauprojekt die tragende Stahlkonstruktion in den Blick. Die historischen Bogenbinder konnten erhalten bleiben, wurden aber gründlich sandgestrahlt und mit frischem Korrosionsschutz versehen. Dagegen mussten alle Zuganker und vertikalen Zugstangen vollständig ersetzt werden, damit die Hallen langfristig stabil und sicher bleiben.
Schutzbrücke ermöglichte Sanierung am Ostbahnhof im laufenden Bahnbetrieb
Eine groß dimensionierte Schutzbrücke ermöglichte das Arbeiten über den Gleisen, ohne den Zugverkehr zu unterbrechen. Sie diente als Transport- und Hebekonstruktion für schwere Bauteile und Material, das präzise in die Dachbereiche eingebracht werden musste.
Diese Bauweise war notwendig, da der Ostbahnhof während der gesamten Sanierung voll in Betrieb blieb. Auch die Erneuerung des Blitzschutzes, der Entwässerung und der Oberlichter erfolgte unter den Einschränkungen des täglichen Bahnbetriebs.
Vorarbeiten ab 2010: Neue Nordfassade und überarbeitetes Entwässerungssystem
Schon zwischen 2010 und 2012 wurden Rahmenstiele der Stahlkonstruktion, Brandschutzbeschichtungen und Beleuchtungsanlagen erneuert. Auch die Nordfassade wurde neu verglast und das großflächige Entwässerungssystem des 20.000 Quadratmeter großen Hallendachs überarbeitet.
Diese Maßnahmen bildeten die Grundlage für den späteren zweiten Bauabschnitt, der ab 2020 umgesetzt wurde. Verzögerungen entstanden unter anderem, weil während der Planung Mängel an Untergrundankern festgestellt wurden, die zusätzliche Untersuchungen nötig machten.
Über 8.000 m² neue Oberlichter: Mehr Tageslicht für den Berliner Ostbahnhof
Mit den neuen, rund ausgeformten Oberlichtern wird das Tageslicht nun gleichmäßiger in die Hallen geführt. Gleichzeitig entfallen viele der alten technischen Komponenten der spitz zulaufenden Oberlichtkonstruktion, was die Wartung künftig vereinfacht.
Auch die neue Dacheindeckung soll für einen ruhigeren Gesamteindruck sorgen und das historische Erscheinungsbild der Anlage stärken. Die modernisierte Beleuchtung ergänzt die architektonische Aufwertung.
Ostbahnhof in Berlin: Drittgrößter Bahnhof mit zentraler Rolle im Regional- und Fernverkehr
Der Ostbahnhof ist der drittgrößte Bahnhof der Stadt. Er verbindet Regional- und Fernverkehr und spielt eine zentrale Rolle für das Berliner Bahnnetz. Mit der abgeschlossenen Sanierung soll der Standort auch steigende Verkehrsmengen zuverlässig bewältigen können.
Der Bahnhof entstand im 19. Jahrhundert als Kopfbahnhof für die Strecke nach Frankfurt (Oder). Später wurde er unter dem Namen Schlesischer Bahnhof zu einer internationalen Drehscheibe mit Verbindungen nach Wien, Moskau oder Königsberg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und mehreren Umbauten erhielt er in den 1950er-Jahren den Namen Ostbahnhof. Die heutige Bahnhofshalle datiert aus den 1990er-Jahren, nachdem der Standort kurzzeitig als Hauptbahnhof geführt worden war.
Quellen: BG Bau Bauportal, rbb24, Deutsche Bahn, Berliner Kurier
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4 Kommentare
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Eine schöne große und helle Eigangshalle mit Außenbereich erwecken kurz den Eindruck man sei hier in einem Flughafen gelandet. Gefällt mir gut, vielleicht sogar besser als der klobige und verschachtelte Hauptbahnhof.
Mir ist nicht klar, auf welcher Basis sich „drittgrößter Bahnhof Berlins“ erschließt. Der Ostbahnhof bedient nur noch Rest-Fernverbindungen. Selbst manche Regionalbahnen fahren durch. Ein Umstieg zwischen S-Bahnen findet kaum und wenn auch nur zwangsweise statt. Andere Umstiege, z.B. zu U- oder Straßenbahnen existieren nicht. Und das Umfeld des Ostbahnhofs ist selbst für Berliner Verhältnisse extrem trist.
Neben Hauptbahnhof und Südkreuz haben mindestens Ostkreuz, Friedrichstraße, Alex, Zoo, Gesundbrunnen und Spandau subjektiv mehr Verkehr, Zu-, Aus- und Umsteiger als der Ostbahnhof.
Das Viertel mit dem Bahnhof war mal (vor dem II. WK) ein vibrierender Stadtteil von Berlin. Davon ist heute nichts mehr übrig. Die Vorplätze auf beiden Seiten sind eine städtebauliche Katastrophe oder unbebaute Brachlandschaft.
Der Eingang auf der Nordseite sieht immer noch wie eine Baustelle aus, ohne Anzeichen dafür, dass er fertiggestellt ist.