Das Juridicum in Frankfurt steht vor einem Wendepunkt: Erhalt mit neuer Nutzung oder Abriss zugunsten eines modernen Neubaus? Architekten, Stadtverwaltung und Bürgerinitiative diskutieren kontrovers über die ökologisch, ökonomisch und städtebaulich beste Lösung.

Der Bau des Juridiciums in Frankfurt ist aus den 1970er-Jahren. Das Gebäude hat rund 19.000 Quadratmetern Nutzfläche und steht seit einigen Jahren leer. / © Foto: Wikimedia Commons, Jeanschmid, CC BY-SA 3.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, 25asd, CC0
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Was wird aus dem Juridicum? Diese Frage steht aktuell im Zentrum der Diskussion um den geplanten Kulturcampus in Frankfurt am Main. Das markante Gebäude der juristischen Fakultät an der Senckenberganlage in Bockenheim steht seit einiger Zeit leer und prägt mit seinen rund 19.000 Quadratmetern Nutzfläche die städtebauliche Planung des Campus.
Der Bau aus den 1970er-Jahren in Betonskelettbauweise bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine Umnutzung, auch wenn er nicht unter Denkmalschutz steht. Die Stadt prüft derzeit, ob sie das Juridicum erhält und saniert oder abreißt und durch einen Neubau ersetzt, wobei sie städtebauliche, ökologische, wirtschaftliche und politische Aspekte berücksichtigt.
Sanierung statt Abriss: Wie das Juridicum ökologisch und sozial aufgewertet werden könnte
Befürworter einer Sanierung verweisen vor allem auf den ökologischen Nutzen: Der Erhalt des bestehenden Rohbaus spart graue Energie und reduziert den ökologischen Aufwand im Vergleich zu einem Abriss. Gleichzeitig liegen konkrete Ideen für eine künftige Nutzung vor. Geplant sind unter anderem Künstlerateliers, sozial geförderter Wohnraum, Gruppenräume für Initiativen, ein städtisches Klimazentrum und eine Kantine.
Architekten wie schneider+schumacher haben Vorschläge vorgelegt, die Wohngemeinschaften, Wintergärten und Balkone auf dem bestehenden Baukörper vorsehen und so eine multifunktionale Nutzung ermöglichen. Die Stadt Frankfurt, Planungsdezernent Marcus Gwechenberger und Oberbürgermeister Mike Josef unterstützen diesen Ansatz und betonen die Vorteile einer sozial durchmischten Nutzung.
Technik, Kosten und Raumplanung: Die Argumente der Abrissbefürworter für das Juridicum
Gegner einer Sanierung stützen sich auf ein Gutachten des Landes Hessen, das den Abriss des Juridicums und einen Neubau als ökonomisch und ökologisch vorteilhafter bewertet. Ein moderner Neubau würde es ermöglichen, zeitgemäße Gebäudetechnik effizient zu integrieren, Betriebskosten nachhaltig zu senken und die vielfältigen Mängel des Bestandsgebäudes auszugleichen.
Dazu zählen unter anderem die marode Tiefgarage, die veraltete Haustechnik und die aufwendige Grundwasserproblematik, bei der täglich rund 50 Liter pro Sekunde abgepumpt werden müssen.
„Kulturcampus Bockenheim 2.0“: Bürgerinitiative fordert Abriss für ein zentrales Musikhochschulgebäude
Parallel zur Debatte um die Sanierung hat sich jetzt eine Initiative für den Abriss des Juridicums formiert, die eine andere Perspektive auf die Zukunft des Campus einbringt. Unter dem Namen „Kulturcampus Bockenheim 2.0“ haben der frühere Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz sowie die Rechtsanwälte Edgar Wallach und Thomas Bücker eine Bürgerinitiative gegründet, die sich ausdrücklich für einen Abriss des bestehenden Gebäudes ausspricht.
Sie argumentiert, dass der Standort des Juridicums ideal geeignet sei, um die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) zentral auf dem alten Campus neu zu errichten, statt die Hochschule auf mehrere Standorte zu verteilen.
Juridicum in der Schwebe: Entscheidung über Erhalt oder Abriss noch offen
Solange die Entscheidung über Erhalt oder Abriss des Juridicums noch aussteht, bleibt unklar, wie sich der Campus entwickeln wird. Alle Beteiligten müssen ökologische, wirtschaftliche, städtebauliche und soziale Aspekte sorgfältig abwägen, um eine Lösung zu finden, die den Bedürfnissen von Studierenden, Kulturprojekten und der Stadt gleichermaßen gerecht wird.
Quellen: Skyline Atlas, Frankfurter Rundschau
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