Die geplante Verlängerung der S25 nach Stahnsdorf stößt vor Ort auf spürbaren Widerstand. Während Politik und Bahn auf Klimaschutz und bessere Anbindung setzen, äußern viele Anwohner deutliche Zweifel am Nutzen des Milliardenprojekts im Südwesten der Hauptstadtregion.

Das S-Bahnnetz soll weiter wachsen, doch nicht alle wollen sie vor der Haustür. In Stahnsdorf und Teltow formiert sich Widerstand gegen die geplante Verlängerung der S25. / © Foto: Wikimedia Commons, Colin Smith on geo.hlipp.de

© Titelbild: Depositphotos.com

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Das Projekt „i2030 – Mehr Schiene für Berlin-Brandenburg“ plant den Ausbau der Schieneninfrastruktur für den Regionalverkehr und die S-Bahn im Metropolraum Berlin-Brandenburg für die kommenden Jahre.

Im i2030-Korridor Südwest wird dabei unter anderem die S25 ausgebaut, die aktuell auf direktem Weg den Nordwesten – Hennigsdorf – mit dem Südwesten des Berliner Großraumes – Teltow-Stadt – verbindet. Die letzte Berliner S-Bahnstation der S25 ist Lichterfelde-Süd.

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Verlängerung der S25 bis Stahnsdorf als Teil des Projekts „i2030“

Nun ist vorgesehen, den derzeitigen Endhaltepunkt Teltow-Stadt bis Stahnsdorf, Sputendorfer Straße, zu verlängern. Dabei entstehen zwei neue Verkehrsstationen. „Aktuell haben wir in diesem Projekt die Vorplanung abgeschlossen“, so Ole Grassow als Projektkommunikator der DB InfraGO AG, aus dem Unternehmensbereich Fahrweg.

Der Einladung ins Neue Rathaus Teltow waren viele Interessierte und von der Projektrealisierung unmittelbar Betroffene aus Teltow und Stahnsdorf gefolgt, sodass der Ernst-von-Stubenrauch-Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Neue S-Bahnstrecke: Beginn der Entwurfs- und Genehmigungsplanung

Mit dem 16. März 2026 startet das Projekt nunmehr in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung. In Abstimmung mit der Stadt Teltow und der Gemeinde Stahnsdorf, deren Informationsveranstaltung zum Projekt bereits eine Woche vorher stattgefunden hatte, informierten die Projektverantwortlichen über die Vorplanungsergebnisse sowie die Fortführungsvariante und weitere Vorgehensweise.

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Das Vorhaben wird gemeinsam verantwortet durch die Deutsche Bahn, das Land Brandenburg, vertreten durch das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung, und den  Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Der Projektleiter S25 Süd der DB InfraGO AG, Marius Hertzer, referierte über die verkehrlichen Ziele dieses Teilprojektes des Vorhabens.

S25-Verlängerung: Leistungsphasen 3 und 4 laufen, 9 sind es insgesamt

Das Vorhaben, das 2018 mit den Vorplanungen begann, befindet sich jetzt in den Leistungsphasen 3 und 4 des Planungsverfahrens mit insgesamt neun Planungsphasen.

So informierte Marius Hertzer über die Entwicklung einer technisch baureifen Planung für die Fortführungsvariante gemäß den Vorplanungsergebnissen, die Konkretisierung der statistischen Angaben und Berechnungen, die Planung der Baubehelfe und Baustraßen sowie die Ausplanung der weiteren technischen Gewerke wie Leit- und Sicherungstechnik, Straßenbeleuchtung und Gebäudeautomation.

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Neue Bahnverbindung für Stahnsdorf: Baubeginn ab 2031

Dazu gehören auch die Erstellung und Finalisierung der notwendigen umwelttechnischen Gutachten sowie der Schall- und Erschütterungsschutzgutachten für den Bau- und Endzustand.

Mit dem Abschluss der Planungsphase 4 rechnet man im Jahr 2027, sodass anschließend das Planfeststellungsverfahren beginnen kann, welches 2029 abgeschlossen sein soll. Danach beginnt die EU-weite Ausschreibung der Bauhauptleistungen. Den Baubeginn erwartet man ab 2031.

Ausbau der Infrastruktur im südwestlichen Berliner Umland

Die beiden neuen Verkehrsstandorte sollen an der Iserstraße in Teltow und der Sputendorfer Straße in Stahnsdorf entstehen. Bei beiden Stationen sind zwei Bahnsteigkanten mit einem Mittelbahnsteig vorgesehen.

Die Errichtung einer Abstellanlage für vier S-Bahnzüge in unmittelbarer Nähe des Streckenendpunktes Stahnsdorf ist ebenso geplant wie eine durchgehende Zweigleisigkeit zwischen Teltow-Stadt und Stahnsdorf.

Neue Baureihe der S-Bahn soll auf der Strecke bis Stahnsdorf zum Einsatz kommen

Die im BIM-Format gezeigten Impressionen zeigten neben der S-Bahnstreckenführung auch spezifische Bauwerke, sogenannte Unterwerke, die zur Stromversorgung der S-Bahnen vorgesehen sind.

Die neue Baureihe der S-Bahnzüge hat einen höheren Strombedarf, nicht etwa durch eine schlechte Konstruktion, sondern aufgrund der Klimatisierung der Waggons und der stärkeren Beschleunigung. Darüber hinaus wurden weitere Bilder zum Projekt gezeigt, wie Straßenverläufe, Querungen und Lärmschutzwände.

Streckenverlauf: Die Bahntrasse wird vorwiegend ebenerdig verlaufen

Abgesehen von einer relativ kurzen Strecke in Teltow, wo aufgrund einer Entzerrung eines Verkehrsknotenpunktes der Streckenverlauf der Gleise unterhalb der Geländekante minus 1 als Trogbauwerk ausgeführt wird, schmiegen sich die Bahnanlagen größtenteils auf dem 0-Niveau der Geländekante an.

Die gesamte Strecke als Trogbauwerk auszuführen, um etwa Lärmschutzwände einzusparen, verbietet sich aufgrund zu hoher Kosten, so die Projektorganisatoren.

Intensive Fragerunde: Viele Anwohner sehen das Vorhaben kritisch

Wann und wie die Eigentümerinnen und Eigentümer für die zum Projekt benötigten Flächen über eventuelle Entschädigungen informiert werden, erklärte ein Vertreter der DB InfraGO AG, Bereich Flächenmanagement.

Die abschließende Fragerunde verlief äußerst intensiv und lässt vermuten, dass die Projektverantwortlichen mit einigen Einwänden zu rechnen haben. Da das Planungsverfahren in allen Einzelheiten aber noch nicht abgeschlossen ist, vor allem, was den Individualverkehr in Stahnsdorf und Teltow betrifft, werden noch viele Befindlichkeiten der Anwohner auf der Tagesordnung stehen.

„Eigentlich brauchen wir diese S-Bahn in der Region doch gar nicht“

„Eigentlich brauchen wir diese S-Bahn in der Region doch gar nicht“, so eine Anwohnerin aus Teltow, die wie viele Anwesende zu massive Eingriffe in die bestehende Orts- und Landschaftsinfrastruktur fürchtet. Als Negativbeispiel wurde auch der Ausbau der Dresdner Bahn genannt.

Die Antwort der Projektverantwortlichen benannte schließlich einen der Hauptgründe dieses Vorhabens, das mit mittlerweile geschätzten 10 Milliarden EUR an Kosten als Großprojekt geführt wird.

Bahn und Politik wollen Alternativen zum motorisierten Individualverkehr schaffen

Letztendlich geht es demnach um eine Alternative zum Individualverkehr, um Umweltschutz, die Verbesserung des Klimas und im Berliner Bereich der S25/26 zur Stabilisierung des öffentlichen Nahverkehrs, weshalb ein zweites Gleis angelegt wird. Somit könnten die ständigen Verspätungen im Kreuzungsfall, wenn die S-Bahnen aufeinander warten müssen, deutlich reduziert werden.

Das Infrastrukturprojekt im südwestlichen Korridor der Hauptstadtregion wird, das hat der Informationsabend in Stahnsdorf deutlich gemacht, bei aller Notwendigkeit wohl noch einigen Gegenwind von Anrainern und Anwohnern bekommen. Doch damit kennen sich die Projektverantwortlichen der Deutschen Bahn vermutlich bereits gut aus.

Quellen: DB InfraGO AG, Deutsche Bahn AG, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg

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11 Kommentare

  1. Suppe 19. März 2026 at 00:50 - Reply

    „Eigentlich brauchen wir („ich“) diese S-Bahn in der Region doch gar nicht“
    Deutschland und seine Verhinderer, man braucht sich nicht wundern, dass in Deutschland nichts mehr geht.

  2. schlauer verkehrsprofi 19. März 2026 at 12:58 - Reply

    immer so. wir werden dabei zusehen, wie anwohner, die wahrscheinlich alle 60+ sind und in ihrer lebzeit kaum noch davon profitieren würden, den zukünftigen generationen bessere mobilität blockiert. u3 wird bestimmt auch noch verhindert werden. nur in deutschland.

  3. Thomas 19. März 2026 at 17:04 - Reply

    Das Teltow die S Bahn Verlängerung nicht braucht ist klar.. die haben sie ja…
    Wer sowas von sich gibt sollte sich schämen.
    Stahnsdorf sollte schon 2002 bzw kurz danach die S Bahn bekommen.
    Warum Grundstücke verkauft und teilweise bebaut wurden die an der Trasse liegen.. ohne Worte.
    Nimby regiert..

  4. Stephan 19. März 2026 at 17:51 - Reply

    Da sind sie, die eingefleischten CDU Wähler alles soll so bleiben wie es ist, bloß keine Veränderung.

  5. Lukasz 19. März 2026 at 18:52 - Reply

    Nimby-ismus mal wieder. Erst bei der U3 und jetzt bei der S25 Verlängerung. Ich hoffe dass das Infrastruktur Zukunftsgesetz schnell umgesetzt wird sodass die Klagerechte eingeschränkt werden.

  6. Krawall-Verkehrsplaner 20. März 2026 at 07:47 - Reply

    Lustig, mein erster Gedanke war auch: NIMBY.
    Vor allem muss man sich die Dimension überlegen: Die S-Bahn ermöglicht Menschen ohne Auto eine leistungsstarke und schnelle Anbindung nach Berlin und weiter, für alle (Kinder / Jugendliche / ältere / Arme Menschen) , plus eine Alternative zum Auto wenn man zum Beispiel in Steglitz shoppen möchte oder zum Flughafen will. Dies sorgt für weniger Autos auf der Straße, was den Anwohnern zwischen Stahnsdorf und dem Rest der Welt bessere Luft und weniger Lärm bringt plus weniger Stau für die Stahnsdorfer, die weiter mit dem Auto fahren. Gleichzeitig wird Stahnsdorf als Ausflugsziel interessanter, da schnell und günstig erreichbar.
    NIMBY at its best und dann rumheulen, wenn in Berlin die Parkgebühren steigen. Wir könnten doch mal ne City Maut einführen, bin gespannt, ob dann der S-Bahn Anschluss attraktiver für die NIMBYs in Stahnsdorf wird.

  7. götz 20. März 2026 at 07:55 - Reply

    Richtig man braucht solchen Widerständler nicht!!! – wichtig wäre ich dafür einzusetzen die Gleise gleich bis zur Friedhof bzw. zur Schule hin durchzuziehen, aber dafür fehlt der Mut :-(

  8. Alter Ego 20. März 2026 at 14:57 - Reply

    Hoffentlich gibt es nicht wieder diese endlos langen Klageorgien von Anwohnern, die sich um ihren Knallerbsenstrauch im Vorgarten sorgen…

  9. Peggy 21. März 2026 at 08:01 - Reply

    Ich bin eine gebürtige Teltowerin und wohne auch in Teltow. Ich finde das so schlimm, das die S- Bahn nach Stahnsdorf verlängert wird- aus 2 Gründen.
    Nr 1: bekommt Stahnsdorf sowieso einen S-Bahn Anschluss von der anderen Kleinmachnower Seite.
    Nr2:
    Die Buschwiesen in Teltow sind ein innerstädtisches Landschaftsschutzgebiet, das Teil der größeren Parforceheide ist und als wichtiges Grün- und Erholungsgebiet mit hoher Biodiversität gilt, auch wenn es in der Vergangenheit durch Projekte wie die S-Bahn-Verlängerung bedroht ist und Hinweistafeln aufgestellt sind, um seine Bedeutung zu betonen.
    Status: Die Buschwiesen sind offiziell als Landschaftsschutzgebiet (LSG) ausgewiesen.
    Zugehörigkeit: Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Landschaftsschutzgebietes Parforceheide.
    Bedeutung: Sie dienen als Rückzugsort für Tiere (z.B. Dachse, Rehe, Feldhasen) und bieten der Stadt Teltow dringend benötigte Grünflächen.
    Erkennung: Die Stadt Teltow hat Hinweistafeln an den Zugängen aufgestellt, um das Gebiet als wertvolles Naturkleinod zu würdigen!
    3. Fällt mir jetzt noch ein: nicht alles was es mal gab und geplant wurde, muss nach fast 100 Jahren verwirklicht werden. Teltow hatte auch mal einen Flugplatz- das heisst ja auch nicht, das nun wieder eines her muss.
    Herzliche Grüße an die nächste Generation: viel Spaß bei eurer zubetonierten Welt- ich werde das hoffentlich nicht mehr erleben. Frei weg: ach hätten wir doch mal was dagegen getan.
    P.W.

    • Suppe 23. März 2026 at 18:49 - Reply

      1: Der ist 2 km weg und bedient Kleinmachnow, aber nicht Stahnsdorf
      2: Der Naturraum bleibt ja zum Großteil erhalten, wird ja nur ein schmaler Streifen dafür benötigt
      3. Klar, die Bahn wird nur gebaut, weil es früher mal eine gab, aus museumsgründen.

      Die Welt zubetoniert haben die 50er,, 60er und 70er Generationen.

    • Böhme 7. April 2026 at 00:21 - Reply

      Ihre Argumentation ist absurd: Das Land Brandenburg, zu dem bekanntermaßen Teltow gehört, geht an einer völligen Überpopulation von Rehen unter. Auch der Feldhase und Dachse haben mehr als ausreichend Raum. Das Landschaftsschutzgebiet soll durch zwei Gleise durchschnitten werden und wird damit so gut wie überhaupt nicht berührt. Im Übrigen sind die „Buschwiesen“ ein ökologischer „Witz“.

      Sie verraten nicht, wo Sie wohnen. Ich vermute mal, dass Sie als Anwohnerin „Ungemach“ für Ihr Grundstück abwenden wollen.

      Ich sage nur: Baut die S25 so schnell wie möglich!!!

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