Der geplante S-Bahnhof Kamenzer Damm im Berliner Süden könnte Realität werden. Eine Nutzen-Kosten-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass der neue Halt wirtschaftlich sinnvoll wäre. Doch trotz positiver Bewertung bleibt unklar, ob der Bahnhof tatsächlich gebaut wird, vor allem wegen technischer und finanzieller Hürden.

Die geplante S-Bahnstation Kamenzer Damm soll auf der Linie der Dresdner Bahn zwischen den bestehenden Haltepunkten Attilastraße und Marienfelde entstehen./ © Foto: Wikimedia Commons, Sebastian Rittau, CC BY 4.0
© Fotos: Wikimedia Commons, Sebastian Rittau, CC BY 4.0
Eine neue Studie der Senatsverkehrsverwaltung bestätigt: Der geplante S-Bahnhof Kamenzer Damm in Berlin-Marienfelde wäre wirtschaftlich sinnvoll. Laut Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) ergibt sich „beim derzeitigen Kostenstand ein positives Wirtschaftlichkeitsergebnis“. Der Halt soll zwischen den bestehenden Bahnhöfen Attilastraße und Marienfelde entstehen, wo derzeit die S-Bahnlinie S2 verkehrt.
Für die betroffenen Bezirke Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf wäre der neue Bahnhof ein Gewinn. Er soll die Anbindung der Gewerbeflächen im Marienpark und der Wohngebiete rund um die Wedellstraße verbessern. Besonders Beschäftigte der dort angesiedelten Technologieunternehmen fordern seit Jahren eine bessere Anbindung, wie der Tagesspiegel berichtet.
Dresdner Bahn fast fertig: zusätzlicher Halt am Kamenzer Damm bisher nicht eingeplant
Die Nutzen-Kosten-Analyse ist ein Erfolg für das Land Berlin, das sich seit Jahren für den neuen Haltepunkt einsetzt. Doch die Deutsche Bahn bleibt skeptisch. Der Grund: In der laufenden Modernisierung der Dresdner Bahn, deren Gleise zwischen Südkreuz und Blankenfelde bald fertiggestellt sind, war der zusätzliche Halt nicht vorgesehen. Die Trasse ist bereits mit Lärmschutzwänden eingefasst, die für den Bau eines Bahnsteigs weichen müssten. Auch Kabeltrassen und Signaltechnik müssten neu verlegt werden.
Bisher hatte die Bahn alle Vorleistungen abgelehnt, um den ohnehin milliardenschweren Ausbau der Dresdner Bahn nicht zu gefährden. Das Planfeststellungsverfahren dauerte fast 20 Jahre. Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 2017 sollte der Bau endlich starten, Änderungen galten seither als Risiko für den Zeitplan. Die neue Strecke soll laut Tagesspiegel Mitte Dezember 2025 feierlich in Betrieb gehen.
Trotz längerer Fahrzeiten: Neuer Halt würde Lücke im Berliner S-Bahn-Netz schließen
Ein Problem bleibt auch der Betrieb selbst. Mit dem neuen Halt würde sich die Fahrzeit der S-Bahnlinie S2 um bis zu fünf Minuten verlängern. Zwischen Lichtenrade und Mahlow verläuft die Strecke eingleisig, was zu Verzögerungen führen könnte. Bereits 2021 hatte die Deutsche Bahn berechnet, dass sich die Begegnung der stadtauswärts fahrenden Züge verschiebe, ein logistisches Problem für den gesamten S-Bahnverkehr auf der Linie.
Dennoch sehen viele Fachleute den Nutzen überwiegen. Die Strecke zwischen Attilastraße und Marienfelde umfasst rund drei Kilometer, eine ungewöhnlich große Lücke für ein dicht besiedeltes Gebiet. Vergleichbare Abschnitte anderer Linien, etwa zwischen Südende und Lichterfelde Ost, verfügen über zusätzliche Haltepunkte. Der neue Bahnhof könnte daher einen wichtigen Beitrag zur besseren Erreichbarkeit des Berliner Südens leisten.
Finanzierung noch unklar: Zukunft des S-Bahnhofs Kamenzer Damm liegt beim Abgeordnetenhaus
Die Landesregierung hat bei der Deutschen Bahn eine sogenannte Vorplanung beauftragt, deren Finanzierung bereits gesichert ist. Noch fehlt jedoch die konkrete Kostenaufstellung und der politische Beschluss zur Umsetzung. Die letzte Schätzung aus dem Jahr 2021 veranschlagte die Baukosten auf etwa 31 Millionen Euro. Laut Staatssekretär Arne Herz (CDU) gegenüber dem Tagesspiegel müsse nun ein Planungsbüro beauftragt werden, um das Projekt weiter voranzutreiben.
Ob und wann der neue Bahnhof tatsächlich entsteht, entscheidet letztlich das Berliner Abgeordnetenhaus. Die Verkehrsverwaltung weist darauf hin, dass die Umsetzung unter dem Vorbehalt ausreichender Haushaltsmittel steht. Mit dem positiven Wirtschaftlichkeitsnachweis hat das Projekt zwar eine wichtige Hürde genommen, doch ohne politische Priorität und klare Finanzierung bleibt der S-Bahnhof Kamenzer Damm vorerst eine Vision.
Quellen: Tagesspiegel, Stadtrandnachrichten, Deutsche Bahn
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.



