Volle Wagen, während wenige Meter weiter noch Platz ist: Dieses Problem will die Berliner S-Bahn mit einer neuen Technik angehen. Lichtschranken erfassen die Auslastung vorbeifahrender Züge. Nun wird das System deutlich ausgeweitet und um eine neue Funktion ergänzt.
S-Bahnhof Alexanderplatz
S-Bahnhof Bellevue
S-Bahnhof Charlottenburg
S-Bahnhof Friedrichstraße
S-Bahnhof Hackescher Markt
Berlin Hauptbahnhof
S-Bahnhof Hermannstraße
S-Bahnhof Jannowitzbrücke
S-Bahnhof Messe Nord / ZOB
S-Bahnhof Messe Süd (Eichkamp)
S-Bahnhof Savignyplatz
S-Bahnhof Tiergarten
S-Bahnhof Westkreuz
S-Bahnhof Zoologischer Garten
© Titelbild: Deutsche Bahn AG / André Groth
Wer auf einen S-Bahn-Zug wartet, stellt sich oft dort auf den Bahnsteig, wo der Weg zum Ausgang oder zur Treppe besonders kurz ist. Dadurch können einzelne Wagen sehr voll werden, obwohl anderswo im selben Zug noch Platz bleibt. Die S-Bahn Berlin will Fahrgäste deshalb künftig schon vor der Einfahrt gezielter verteilen – mit Lichtschranken, Echtzeitdaten und einer KI-gestützten Prognose.
- Standorte: derzeit 14 S-Bahnhöfe in Berlin
- Projektstatus: laufende Ausweitung nach zweijährigem Pilotbetrieb
- Nächster Schritt: Ausweitung auf 50 Bahnhöfe der Ring- und Stadtbahn bis Ende 2026
- Technik: LED-Lichtschranken und KI-gestützte Auslastungsprognosen
Bis Jahresende: Neue Technik kommt an 50 Berliner S-Bahnhöfe
Seit September 2024 erprobte die S-Bahn Berlin das System „DB Lightgate“. Zunächst lief der Test an sechs Stationen. Inzwischen hat das Unternehmen die Technik deutlich ausgeweitet: An 14 Bahnhöfen erhalten Reisende Informationen darüber, wie stark einzelne Wagen ausgelastet sind. Bis Ende 2026 sollen sämtliche 50 S-Bahnhöfe auf der Stadtbahn und dem Ring entsprechende Informationen anzeigen.
Zu den Standorten gehören Stationen wie Alexanderplatz, Hackescher Markt, Friedrichstraße, Hauptbahnhof, Tiergarten und Jannowitzbrücke. Im Westen kommen unter anderem Charlottenburg, Savignyplatz, Zoologischer Garten, Westkreuz sowie Messe Süd und Messe Nord/ZOB hinzu. Auch Hermannstraße gehört zum System.
So erkennt Lightgate, wie voll die einzelnen S-Bahn-Wagen sind
Die Technik arbeitet nicht mit Kameras im Zug. Sensoren stehen im Gleisbereich und erfassen vorbeifahrende S-Bahnen mit LED-Licht. Je mehr Menschen sich hinter den Fenstern befinden, desto weniger Licht gelangt durch den Wagen. Daraus berechnet das System die Auslastung. Die Sensoren können zudem Wagenzahl, Baureihe und Geschwindigkeit erkennen.
Die Informationen erscheinen anschließend auf den Zugzielanzeigern am Bahnsteig. Das Prinzip ist bewusst einfach gehalten: Grün steht für eine geringe, Gelb für eine mittlere und Rot für eine hohe Auslastung. Fahrgäste können sich damit bereits vor der Einfahrt des Zuges in Richtung weniger voller Wagen bewegen.
Neu ist seit September 2026, dass nicht mehr nur der unmittelbar erwartete Zug berücksichtigt wird. Eine von der Deutschen Bahn entwickelte Software verbindet aktuelle Messungen mit Millionen historischen Datensätzen. Daraus entstehen Prognosen für nachfolgende S-Bahnen. Nach jeder neuen Messung aktualisiert das System die Vorhersage.

Grün oder Gelb: Die Anzeige macht die unterschiedliche Auslastung der einzelnen Wagen sichtbar. So sollen sich Fahrgäste bereits vor der Einfahrt des Zuges besser auf dem Bahnsteig verteilen. / © Foto: Deutsche Bahn AG / André Groth
S-Bahn meldet rund 30 Prozent gleichmäßigere Auslastung
Nach Angaben der S-Bahn zeigen die ersten zwei Jahre bereits einen messbaren Effekt. An Stationen mit Lightgate seien die Züge rund 30 Prozent gleichmäßiger ausgelastet. Die neue Vorschau auf Folgezüge soll den Reisenden nun noch mehr Zeit geben, ihren Standort auf dem Bahnsteig zu wählen.
Davon verspricht sich das Unternehmen nicht nur mehr Komfort. Wenn sich viele Menschen an einzelnen Türen sammeln, dauern Ein- und Ausstieg länger. Gerade auf stark genutzten Strecken wie der Stadtbahn und dem Ring können bereits kurze Verzögerungen den Betriebsablauf beeinflussen. Die gleichmäßigere Verteilung soll deshalb auch zu stabileren Haltezeiten beitragen.
Lightgate ist nur ein Teil der neuen Fahrgastinformation
Parallel testet die S-Bahn weitere digitale Angebote. Für Ersatzverkehre sollen mobile Haltestellenmasten erprobt werden, die in Echtzeit anzeigen, wann der nächste Bus abfährt. Außerdem arbeitet das Unternehmen an einer digitalen Karte, auf der sich die Position von S-Bahn-Zügen anhand von GPS-Daten live verfolgen lassen soll.
Lightgate selbst stammt ursprünglich von der S-Bahn Hamburg. Für den Berliner Pilotversuch hatten Deutsche Bahn sowie die Länder Berlin und Brandenburg 2024 rund 900.000 Euro vorgesehen. Damals wurden zehn Sensoren zwischen Jannowitzbrücke und Hauptbahnhof sowie zwischen Tempelhof und Neukölln installiert. Die Technik erreichte nach Angaben der Deutschen Bahn bereits zu Beginn eine Messgenauigkeit von mehr als 90 Prozent.
Mit der nun angekündigten Ausweitung verlässt das System schrittweise die kleine Pilotphase. Ob die Auslastungsinformationen später auch über Stadtbahn und Ring hinaus flächendeckend im Berliner S-Bahn-Netz angeboten werden, hat die S-Bahn bislang nicht angekündigt.
Quellen: Deutsche Bahn AG, S-Bahn Berlin GmbH
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2 Kommentare
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Echt coole Sache!!!
wirklich.
Aber…
thats the german way….
Warum einfach, wenn es kompliziert geht?
Ich hab ja nicht soooo viel Ahnung und ich weiß auch, dass da der Datenschutz im Dreieck springen würde.
jedoch, könnte man nicht einfach vorhandene Technik nutzen?!?
Es gibt Sensoren, die zählen die ein und aussteigenden Fahrgäste und es gibt Kameras in den Zügen.
Es soll KI genutzt werden, also wäre es ein leichtes, die Kamerabilder auszuweten. realer bekommt man doch kein Bild wie voll ein Bereich tatsächlich ist.
Warum muss jetzt wieder ewig viel (Steuer-) Geld in Entwicklung etc fließen?!?
Aber wenn es funktioniert, ich werde es gern nutzen.
(Wenn ich dann mal wieder Bahn fahre…(was passieren wird, wenn die Zuverlässigkeit so steigt, dass ich in berufsverkehr nur noch 5 Störungen im Betriebsablauf in der Woche habe))
Ich finde in diesem Fall die Technik erstaunlich einfach, statt kompliziert. Auf jeden Fall ne coole Sache das ganze.