Ryanair gibt seinen Standort am Berliner Flughafen BER auf. Die Airline begründet den Schritt mit zu hohen Kosten, doch Experten zeichnen ein differenzierteres Bild. Was bedeutet das für den Flughafen und die Hauptstadt?

Während Ryanair sein Angebot deutlich reduziert, bauen andere Airlines wie Eurowings und Wizz Air ihre Verbindungen am Standort weiter aus, sodass die Folgen für den Flughafen begrenzt bleiben. / © Wikimedia Commons, Guenter Wicker
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Bis Ende Oktober 2026 will Ryanair sein Flugangebot am BER bereits um die Hälfte reduzieren, bis 2027 soll die Basis vollständig schließen. Alle sieben derzeit in Berlin stationierten Flugzeuge werden dann abgezogen und in Länder wie Schweden, die Slowakei, Albanien und Italien verlagert. Das Kabinen- und Cockpitpersonal soll intern versetzt werden.
Ryanair war zuletzt die passagiersstärkste Airline am BER und machte etwa 18 Prozent der Fluggäste am BER aus. Ein solcher Abgang hinterlässt Spuren: Der Flughafen rechnet mit einem jährlichen Verlust von rund fünf Millionen Euro sowie einem Rückgang der Passagierzahlen um etwa 2,2 Millionen.
Kritik der Airline am Standort Berlin: Gebühren und politische Rahmenbedingungen
Airline-Chef Eddie Wilson sprach davon, dass der BER hoffnungslos überteuert sei. Die Gebühren seien seit 2019 um rund 50 Prozent gestiegen, weitere Erhöhungen seien geplant. Ryanair kritisiert zudem das Fehlen einer klaren Luftfahrtstrategie seitens der Bundesregierung.
Allerdings lohnt ein genauerer Blick auf die Kostenstruktur. Wie der Tagesspiegel berichtete, machen die eigentlichen Flughafenentgelte weniger als die Hälfte der Gesamtkosten eines Fluges aus. Der größere Kostentreiber sind staatliche Abgaben wie die Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühren und Flugsicherungskosten, die zusammen pro Flug erheblich zu Buche schlagen.
Kostenstruktur im Luftverkehr: Staatliche Abgaben machen den größten Anteil aus
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei den staatlichen Flugabgaben im oberen Bereich, ist aber nicht das teuerste Land. Länder wie die Niederlande oder Großbritannien bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau. Andere europäische Standorte, etwa Madrid, sind deutlich günstiger. Das erklärt, warum Ryanair Kapazitäten dorthin verlagert.
Der Experte Frank Fichert betonte laut Tagesspiegel, dass solche Vergleiche stark von den gewählten Annahmen abhängen, also etwa vom Flugzeugtyp, der Strecke oder der Auslastung. Eindeutige Aussagen seien daher nur eingeschränkt möglich. Fest steht aber: Die höheren Gebühren am BER selbst haben strukturelle Gründe, nämlich den teuren Bau und die Kreditfinanzierung des Flughafens.
Reaktionen auf die Ryanair ankündigung: Steueranpassung und neue Dynamik am BER
Die Bundesregierung hatte die Luftverkehrsteuer im Mai 2024 angehoben, plant jedoch, sie ab Juli 2026 wieder auf das vorherige Niveau zu senken, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Laut RBB hat Ryanair auf diese Ankündigung jedoch nicht reagiert. Experten sehen im öffentlichen Druck der Airline daher auch eine kommunikative Strategie, die das Unternehmen an verschiedenen Standorten regelmäßig anwende.
Andere Airlines wie Eurowings und Wizz Air bauen ihr Angebot am BER derweil aus. Experte Gerald Wissel zeigte sich laut RBB dennoch grundsätzlich optimistisch: Berlin bleibe eine attraktive Tourismusdestination. Sobald sich Wirtschaft, Ölpreise und Flugzeugverfügbarkeit stabilisierten, sei damit zu rechnen, dass Billigflieger an den Standort zurückkehrten.
Quellen: Quellen: Reuters; Tagesspiegel; Ryanair, RBB
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