Seit Jahren steht an der Glienicker Straße 73 in Köpenick ein stark beschädigtes Gebäude. Inzwischen fehlt sogar das frühere Sicherungsgerüst. Eine aktuelle Anfrage im Abgeordnetenhaus zeigt, wie lange sich Behörden und Eigentümer schon mit der Immobilie beschäftigen und warum eine Lösung weiterhin nicht absehbar ist.

Das beschädigte Gebäude an der Glienicker Straße 73 in Berlin-Köpenick steht unmittelbar an der Ecke zum Glienicker Weg.

An der Glienicker Straße 73 in Köpenick steht seit Jahren ein stark beschädigtes Gebäude, dessen Zukunft weiterhin offen ist. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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An der Ecke Glienicker Straße und Glienicker Weg fällt das Gebäude sofort ins Auge. Fenster fehlen, Teile des Daches sind offen, hinter der Fassade liegen beschädigte Balken frei. Pflanzen haben sich an der Seite des Hauses ausgebreitet. Dabei beschäftigt die Ruine die Behörden nicht erst seit Kurzem. Eine aktuelle Antwort des Berliner Senats zeichnet die Geschichte des Problemhauses bis ins Jahr 2011 zurück.

  • Bezirk: Treptow-Köpenick
  • Adresse: Glienicker Straße 73, 12557 Berlin
  • Eigentum: Seit 2018 bei der heutigen privaten Eigentümerin
  • Besonderheit: Bauvorbescheid für Wohnbebauung ist nicht mehr wirksam

Der Zustand vor Ort ist deutlich. Große Teile des Gebäudes sind ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Durch die leeren Fensteröffnungen sind beschädigte Holzkonstruktionen und offene Bereiche des Daches zu erkennen. Zur Straße hin hängen Werbebanner an der Fassade, während sich an der Gebäudeseite dichter Bewuchs ausgebreitet hat. Ein Gerüst, das das Haus zeitweise sichern sollte, steht heute nicht mehr.

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Zahlreiche offene und beschädigte Fenster prägen die Fassade der Ruine an der Glienicker Straße 73 in Köpenick.

Offene Fenster und sichtbare Schäden prägen den Zustand des Gebäudes an der Glienicker Straße 73. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Glienicker Straße 73: Probleme sind dem Bezirksamt seit 2011 bekannt

Die Geschichte reicht mindestens 15 Jahre zurück. Nach Angaben des Bezirksamts plante der damalige Eigentümer bereits 2011 den Abbruch. Gleichzeitig meldete der Verwalter des Nachbarhauses mögliche Bauschäden für die dortigen Wohnungen. Nach einer Anhörung durch die Bau- und Wohnungsaufsicht ließ die damalige Bauherrenschaft 2012 kleinere Sicherungsmaßnahmen ausführen.

2019 rückte das Gebäude erneut in den Fokus. Anlass für eine Ortsbesichtigung war ein Tätigkeitsbericht der Polizei. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Immobilie bereits den Eigentümer gewechselt. Die heutige private Eigentümerin besitzt das Grundstück nach Angaben des Bezirks seit 2018 und sicherte es zunächst mit einem Bauzaun. 2021 meldete das Ordnungsamt weitere Schäden an die Bau- und Wohnungsaufsicht. Daraufhin ließ die Eigentümerin ein Gerüst als Sicherungsmaßnahme aufstellen.

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Beschädigte Holzbalken und offene Stellen sind im Dach des Gebäudes an der Glienicker Straße 73 in Köpenick zu sehen.

Im Inneren der Ruine sind beschädigte Holzbalken und offene Bereiche der Dachkonstruktion erkennbar. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Sicherungsgerüst in Köpenick inzwischen wieder verschwunden

Dieses Gerüst ist inzwischen wieder abgebaut. Im November 2025 fand nach Angaben des Bezirks eine Besichtigung durch die Eigentümerin statt. Dem Bezirksamt liegt davon eine Fotodokumentation vor. Wie eine erneute Besichtigung vor Ort zeigt, ist das Gebäude heute wieder weitgehend ungeschützt sichtbar. Besonders auffällig sind die offenen Fenster und die erheblichen Schäden im Dachbereich.

Dass der Verfall schon lange Thema ist, zeigt auch eine frühere Anfrage aus dem Jahr 2021. Damals erklärte der Senat, dass die Eigentümerin das Gebäude abreißen wolle. Eine entsprechende Abrissanzeige war am 5. Dezember 2019 gestellt worden.

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Durch eine offene Fensteröffnung an der Glienicker Straße 73 sind schwere Schäden an Dach und Mauerwerk zu erkennen.

Hinter den offenen Fenstern werden die Schäden am Gebäude deutlich. Teile der Dachkonstruktion sind von außen sichtbar. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Wohnungsbau an der Glienicker Straße 73 kam nie zustande

Zwischenzeitlich gab es auch konkrete Pläne für eine Neubebauung. Ein 2019 veröffentlichter Bauvorbescheid sah zwei fünfgeschossige Wohngebäude vor. Für das Vorderhaus war eine Bebauung entlang der Glienicker Straße vorgesehen, die sich am Grundriss der vorhandenen Ruine orientieren sollte. Der Vorbescheid fiel allerdings nur teilweise positiv aus.

Die aktuelle Senatsantwort spricht von einem beantragten Vorbescheid zur Errichtung von drei Wohngebäuden. Zulässig waren demnach grundsätzlich die Wohnnutzung und eine Tiefgarage. Das geplante Maß der Bebauung akzeptierte die Behörde dagegen nicht. Der Bauvorbescheid wurde zweimal verlängert, zuletzt am 2. Februar 2023. Am 21. November 2023 verlor er seine Rechtswirkung, weil er nicht genutzt wurde. Ein Bauantrag liegt derzeit nicht vor, Beratungen mit dem Bezirksamt finden ebenfalls nicht statt.

Trotz des sichtbaren Zustands sind die Eingriffsmöglichkeiten der Behörde begrenzt. Das Grundstück liegt nach Angaben des Bezirksamts im unbeplanten Innenbereich. Solange von der Immobilie keine Gefahr für Leib und Leben der Öffentlichkeit ausgeht, könne die Behörde die Eigentümerin weder zum Abriss noch zu einer Neubebauung verpflichten.

Dichter Bewuchs verdeckt Teile der Gebäuderuine an der Glienicker Straße 73 in Berlin-Köpenick.

An der Seite des leerstehenden Gebäudes hat sich dichter Bewuchs ausgebreitet. Das frühere Sicherungsgerüst ist inzwischen abgebaut. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Rund um den Glienicker Weg stehen weitere große Veränderungen an

Während für die Glienicker Straße 73 derzeit weder ein neuer Bauantrag noch ein bestätigter Termin für Abriss oder Neubau vorliegt, stehen im näheren Umfeld größere Veränderungen bevor. Nur wenige hundert Meter entfernt soll das rund 42 Hektar große Areal zwischen Glienicker Weg, Adlergestell, Bahnanlagen und Teltowkanal langfristig neu geordnet und vor allem gewerblich genutzt werden. Der Bebauungsplan 9-63 befindet sich allerdings weiterhin im Verfahren.

Auf dem Areal hat die GESA bereits mit dem Rückbau von insgesamt 90 Bestandsgebäuden begonnen. Nach derzeitiger Planung soll dieser Abriss Anfang 2029 abgeschlossen sein. Die weitere Entwicklung hängt jedoch wesentlich von einer neuen Straßenverbindung zum Adlergestell ab. Dafür fehlen bislang Teile der benötigten Grundstücksflächen. Auch Altlasten aus der früheren industriellen Nutzung erschweren die Planung.

Damit treffen rund um den Glienicker Weg sehr unterschiedliche Entwicklungen aufeinander: Auf der einen Seite soll ein großes ehemaliges Industrieareal schrittweise für neue Nutzungen vorbereitet werden. Auf der anderen Seite bleibt die Zukunft des seit Jahren beschädigten Hauses an der Glienicker Straße 73 offen. Einen aktuellen Bauantrag gibt es dort nach Angaben des Bezirksamts bislang nicht.

Glienicker Straße 73 in Köpenick
Das stark beschädigte Gebäude an der Glienicker Straße 73 beschäftigt die Bauaufsicht seit Jahren. Ein früherer Bauvorbescheid für Wohnbebauung ist inzwischen nicht mehr wirksam.

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26940

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