Im Verfahren zum Rückbau des Berliner Forschungsreaktors BER II ist eine weitere Etappe erreicht. Nach Abschluss der Öffentlichkeitsbeteiligung liegen nun zahlreiche Einwendungen vor, die in den kommenden Monaten ausgewertet werden. Eine Entscheidung über die Genehmigung steht weiterhin aus.

© Titelbild: HZB / Dirk Laubner

 

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Die Unterlagen waren öffentlich einsehbar, zahlreiche Stellungnahmen wurden abgegeben – nun ist im Verfahren zum Rückbau des Forschungsreaktors BER II in Berlin-Wannsee ein weiterer Schritt erreicht. Mit dem Abschluss der Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt die fachliche Auswertung der eingegangenen Einwendungen durch die zuständige Senatsverwaltung.

Damit tritt das Projekt in eine Phase ein, die für den weiteren Verlauf entscheidend ist. Die Behörde prüft die Stellungnahmen und bereitet einen Erörterungstermin vor, bei dem Einwendende ihre Argumente erläutern können. Erst danach folgt eine abschließende Bewertung, die Grundlage für die Genehmigungsentscheidung ist. Wann diese vorliegt, ist derzeit offen.

Rückbau des BER II: Breite Beteiligung und weitere Verfahrensschritte

Mehr als 150 Einwendungen sind im Rahmen der Beteiligung eingegangen. Sie betreffen unterschiedliche Aspekte des Rückbaus, etwa Sicherheitsfragen, Umweltauswirkungen und die geplanten Abläufe. Die Beteiligung gilt als zentraler Bestandteil des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens und markiert nun den Übergang in die vertiefte Prüfung.

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Die Antragsunterlagen der Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH (HZB) enthalten bereits eine Beschreibung der vorgesehenen Rückbauschritte; von vorbereitenden Maßnahmen über den Abbau zentraler Anlagenteile bis hin zur abschnittsweisen Freigabe der Gebäude. Ein verbindlicher Zeitplan liegt jedoch weiterhin nicht vor.

Radioaktive Abfälle: Entsorgung und Zwischenlagerung im Blick

Mit dem Rückbau sind auch radioaktive Abfälle verbunden, deren Umgang ein zentraler Bestandteil des Verfahrens ist. Nach Angaben aus den Antragsunterlagen rechnet die Betreiberin mit rund 315 Tonnen schwach- und mittelradioaktiver Abfälle, die an ein Endlager des Bundes abgegeben werden sollen.

Hinzu kommen etwa 36 Tonnen feste radioaktive Reststoffe sowie rund 692 Tonnen radioaktive Abwässer. Diese sollen an die Zentralstelle für radioaktive Abfälle abgegeben und dort konditioniert werden, wodurch sich das Volumen teilweise deutlich reduziert. Die hochradioaktiven Abfälle beschränken sich auf die noch vorhandenen 66 abgebrannten Brennelemente der Anlage.

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Der Abtransport ist bereits skizziert: Die Materialien sollen per Lkw von dem Gelände abgefahren werden. Details zu den konkreten Routen werden in separaten Verfahren geregelt.

Berliner Forschungsreaktor stillgelegt: Kosten steigen, Zeitplan offen

Neben den technischen Fragen rückt auch die Finanzierung stärker in den Fokus. Die aktuelle Kostenschätzung für den Rückbau des BER II liegt bei rund 457 Millionen Euro und damit deutlich höher als frühere Prognosen. Gründe dafür sind laut Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt unter anderem veränderte Bewertungsgrundlagen sowie allgemeine Kostensteigerungen.

Wann der Rückbau tatsächlich beginnen kann, hängt weiterhin von der Genehmigung ab. Erfahrungsgemäß können zwischen der öffentlichen Auslegung der Unterlagen und einer Entscheidung mehrere Jahre vergehen. Bis dahin bleibt das Verfahren in der Prüfphase mit vielen offenen Detailfragen, die nun schrittweise geklärt werden sollen.

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Wannsee: Reaktor BER II ist bereits seit 2019 außer Betrieb

Der Forschungsreaktor BER II wurde bereits Ende 2019 abgeschaltet. Anders als ein Atomkraftwerk diente er nicht der Energiegewinnung, sondern war eine Neutronenquelle für wissenschaftliche Untersuchungen. Mit der Kernspaltung im Reaktorkern wurden Neutronen freigesetzt, die in der Material‑ und Strukturforschung eingesetzt wurden, etwa um innere Eigenschaften von Stoffen zu untersuchen.

Der Reaktor war vom Typ „Schwimmbadreaktor“ mit einer thermischen Leistung von bis zu 10 Megawatt und lieferte über Jahrzehnte neutrale Teilchen für Experimente verschiedener Disziplinen.

Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Helmholtz-Zentrum Berlin, Wikipedia, Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage, Drucksache 19 / 25 399

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