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In Berlin-Schmargendorf hat der Bau eines neuen Wohnensembles an der Kissinger Straße begonnen. Der Rohbau ist inzwischen sichtbar, die erste Etage steht bereits. Mit dem Projekt wird zugleich ein Wohnangebot realisiert, das sich klar an ein zahlungskräftiges Publikum richtet und damit Fragen nach sozialer Durchmischung im Ortsteil aufwirft.

Kissinger Str 4 in Schmargendorf

Derzeit befinden sich der Roh- und Hochbau in vollem Gange, die ersten Etagen wachsen sichtbar in die Höhe. Die Fassade des Ensembles erstreckt sich über rund 90 Meter. Der Einzug der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner ist nach aktueller Planung ab 2027 vorgesehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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© Visualisierung Titelbild: Ralf Schmitz GmbH / Sebastian Treese Architekten

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An der Kissinger Straße 3 bis 5 im Ortsteil Schmargendorf ist Bewegung auf der Baustelle. Der Rohbau des neuen Wohnensembles hat begonnen, die erste Etage ist bereits deutlich sichtbar. Mehrere Gewerke arbeiten parallel, sodass der Baufortschritt inzwischen auch von der Straße aus gut erkennbar ist. Der Baubeginn erfolgte 2025, der Bezug der Wohnungen ist derzeit für 2027 vorgesehen.

Hinter dem Vorhaben steht die Ralf Schmitz GmbH, die vor allem für Wohnprojekte im gehobenen Segment bekannt ist. Den architektonischen Entwurf verantwortet das Berliner Büro Sebastian Treese Architekten. Bereits in dieser frühen Bauphase zeichnet sich ab, dass es sich um ein Projekt mit erheblicher städtebaulicher Präsenz handelt.

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Reformarchitektur als Leitmotiv: Großes Bauvolumen in klassischer Fassadengliederung

Gestalterisch orientiert sich der Neubau an der Reformarchitektur ab 1900, die das Umfeld Schmargendorfs bis heute prägt. Die helle Fassade wird durch Erker, Loggien, Balustraden und schmiedeeiserne Details gegliedert. Balkone greifen mit Rautenmotiven die Gestaltung der Zaunelemente auf, während tiefe Vorgärten das Gebäude zur ruhigen Wohnstraße hin abschirmen.

Mit rund 90 Metern Fassadenlänge überschreitet das Ensemble die Dimension eines typischen Berliner Baugrundstücks deutlich. Um das Volumen zu gliedern, sind drei separate Hauseingänge mit eigenen Hausnummern und Foyers vorgesehen. Diese Maßnahme soll die große Gebäudefigur stärker in den kleinteiligen Stadtraum einpassen.

Hochpreisiges Wohnangebot in Schmargendorf: Große Grundrisse und exklusive Ausstattung

Insgesamt entstehen 37 Eigentumswohnungen mit neun unterschiedlichen Wohnungstypen. Die Wohnflächen reichen von etwa 75 bis 278 Quadratmetern. Geplant sind Erdgeschosswohnungen mit privaten Gärten sowie vier Penthouses mit großzügigen Terrassen und Aufdachflächen. Das Angebot richtet sich damit eindeutig an ein wohlhabendes Klientel.

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Zur Ausstattung zählen unter anderem Eichenparkett, Fußbodenheizung, Natursteinbäder und hohe Sicherheitsstandards. Ergänzt wird das Projekt durch einen gestalteten Hofgarten sowie eine ehemalige Remise, die zu einem Fitnessraum umgebaut werden soll. In der Tiefgarage entstehen 42 Stellplätze, vorgerüstet für E-Mobilität, zusätzlich sind zahlreiche Fahrradstellplätze vorgesehen.

Soziale Auswirkungen in Schmargendorf: Neubau ohne geförderten Wohnraum verstärkt Verdrängungstendenzen

So hochwertig das Projekt architektonisch und baulich angelegt ist, so deutlich wirft es Fragen nach seiner sozialen Wirkung auf. Preisgedämpfter oder öffentlich geförderter Wohnraum ist nicht vorgesehen. In einem Ortsteil wie Schmargendorf, der bereits zu den gefragten Wohnlagen zählt, verstärkt ein solches Angebot den Trend zu einer einseitigen Bewohnerschaft.

Stadtentwicklungsexpertinnen und -experten weisen seit Jahren darauf hin, dass hochwertige Neubauten ohne soziale Mischung Verdrängungstendenzen begünstigen können. Auch im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wird diese Entwicklung beobachtet. Zwar unterstützt der Bezirk grundsätzlich den Wohnungsneubau, zugleich bleibt die Frage offen, wie soziale Durchmischung in etablierten Quartieren langfristig gesichert werden kann.

Zwischen Baukultur und Marktlogik: Neubauprojekt an der Kissinger Straße im stadtentwicklungspolitischen Spannungsfeld

Mit dem Neubau an der Kissinger Straße setzt die Ralf Schmitz GmbH erstmals ein Projekt in Schmargendorf um. Unternehmensseitig wird betont, man wolle den historischen Charakter des Viertels respektvoll ergänzen. Architektonisch dürfte das Ensemble tatsächlich an bestehende Bautraditionen anknüpfen.

Ob das Projekt jedoch mehr ist als ein weiterer Baustein hochpreisigen Wohnens, wird sich erst nach Fertigstellung zeigen. Während der Rohbau nun sichtbar wächst und die Bauarbeiten auf Hochtouren laufen, bleibt die Frage nach der gesellschaftlichen Wirkung im Quartier bestehen. Der Neubau steht damit exemplarisch für die Spannungsfelder aktueller Stadtentwicklung zwischen architektonischem Anspruch, Marktlogik und sozialer Verantwortung.

Kissinger Straße 4 in Schmargendorf

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Kissinger Straße 4 in Schmargendorf

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

So soll der Neubau in der Kissinger Straße 3, 4, 5 in Schmargendorf einmal aussehen. / © Visualisierung: Ralf Schmitz GmbH / Sebastian Treese Architekten

Quellen: Ralf Schmitz GmbH, Presseportal

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One Comment

  1. Max 20. Januar 2026 at 17:10 - Reply

    Gleichzeitig wundert man sich in Charlottenburg, Steglitz und Zehlendorf, warum die Bezirke Einwohner verlieren, die Stadtteilgesellschaft rasant altert und in dortigen Schulen die Schülerzahlen sinken…

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