In London starten erste Robotaxi-Fahrten durch die Stadt. Auch Berlin testet autonome Fahrzeuge. Doch bis zum regulären Betrieb bleiben mehrere Hürden.

Ein autonomer VW ID. Buzz AD der BVG steht zwischen Berliner Linienbussen. Mit den Fahrzeugen testet die BVG autonomes Fahren für den künftigen Nahverkehr in Berlin. / © Foto: BVG / Florian Bündig
© Titelbild: Uber / Wayve
London macht den nächsten Schritt beim autonomen Fahren. Seit Anfang September können Fahrgäste dort über Uber erstmals autonome Fahrzeuge für normale Fahrten buchen. Ganz ohne Menschen am Steuer kommen die Wagen allerdings noch nicht aus. Auch Berlin arbeitet längst an der Technik. Doch der Weg der Hauptstadt sieht deutlich anders aus.
- Ort: Berlin
- Testgebiet: Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf und Reinickendorf
- Projektstatus: Testphase mit projektinternen Nutzergruppen
- Projektlaufzeit: April 2023 bis Juni 2027
- Fahrzeuge: fünf vollelektrische VW ID. Buzz AD
London ist seit dem 3. September 2026 einen Schritt weiter. Uber und das britische Technologieunternehmen Wayve bieten dort überwachte autonome Fahrten mit elektrischen Ford Mustang Mach-E an. Wer UberX, Uber Electric oder Uber Comfort bestellt, kann einem solchen Fahrzeug zugeteilt werden. Zusätzliche Kosten entstehen laut Uber nicht. Fahrgäste können die autonome Fahrt ablehnen und ein normales Fahrzeug wählen. Zunächst sitzt weiterhin ein geschulter Fahrer im Wagen.
Die Genehmigung umfasst nach Angaben der London Assembly zunächst bis zu 15 Fahrzeuge für einen einjährigen Versuch. Bereits zuvor hatte Transport for London die eingesetzten Wagen als private Mietfahrzeuge zugelassen. Ein vollständig fahrerloser Robotaxi-Dienst ist das Angebot damit noch nicht. Dafür sind weitere Genehmigungen nötig. London hat damit einen kommerziell zugänglichen autonomen Fahrdienst gestartet, aber noch keinen regulären Betrieb ohne Fahrer.
Robotaxi in Berlin: Die BVG setzt zunächst auf autonome Shuttles
Berlin verfolgt bislang ein anderes Modell. Statt klassischer Robotaxis steht der öffentliche Nahverkehr im Mittelpunkt. Beim Projekt „NoWeL4“ testet die BVG fünf autonome Kleinbusse im Berliner Nordwesten. Die VW ID. Buzz AD bewegen sich innerhalb eines rund 15 Quadratkilometer großen Gebiets und sollen dort etwa 80 feste und virtuelle Haltepunkte bedienen.
Inzwischen läuft nach aktueller BVG-Angabe die Testphase mit projektinternen Nutzergruppen. Bevor externe Testpersonen einsteigen können, stehen weitere technische Prüfungen an. Erst danach will die BVG eine Warteliste öffnen und Fahrten mit einer externen Nutzergruppe anbieten. Einen konkreten Termin nennt das Unternehmen derzeit nicht. Ursprünglich war der Fahrgastbetrieb für das erste Halbjahr 2026 geplant.

Autonome Shuttles sind in Berlin auf ersten Testfahrten unterwegs und sollen künftig als flexible Ergänzung des ÖPNV den Stadtverkehr digital und bedarfsgerecht unterstützen. / © Foto: BVG/Florian Bündig
Fünf Fahrzeuge, 27 Sensoren: Berlin sammelt Daten für autonome Busse
Technisch sind die Berliner Fahrzeuge bereits für Level 4 ausgelegt. Jeder ID. Buzz AD verfügt nach Angaben der BVG über 13 Kameras, neun LiDAR- und fünf Radarsensoren. Sie erfassen die Umgebung rund um das Fahrzeug. Zusätzlich überwacht eine Projektleitstelle die Fahrten. Während der Testphase sitzt dennoch ein geschulter Sicherheitsfahrer an Bord.
Berlin sammelt parallel auch außerhalb der BVG Erfahrungen. Im Juni absolvierte das Forschungsfahrzeug EDGAR der Technischen Universität München eine Level-4-Prüfungsfahrt im realen Berliner Stadtverkehr. Dabei ging es vor allem darum, Prüfmethoden für komplexe Situationen im Stadtverkehr weiterzuentwickeln.
Warum Berlin trotz passender Gesetze noch kein Robotaxi hat
Am fehlenden gesetzlichen Grundrahmen allein liegt es nicht. Deutschland erlaubt Level-4-Fahrzeuge seit 2021 grundsätzlich im öffentlichen Straßenverkehr. Allerdings gilt das nur in festgelegten und genehmigten Betriebsbereichen. Das Kraftfahrt-Bundesamt prüft unter anderem die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs. Zusätzlich muss der jeweilige Betriebsbereich genehmigt werden.
Für einen größeren Einsatz kommen weitere Fragen hinzu. Die Systeme müssen mit dichtem Stadtverkehr, Baustellen, falsch parkenden Fahrzeugen, schlechtem Wetter sowie unerwartetem Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer umgehen können. Wie schwierig das bleibt, zeigen laufende Versuche. Nach einem aktuellen Bericht des Tagesspiegels musste bei einer Hamburger Testfahrt ein Sicherheitsfahrer eingreifen, nachdem das System bei Regen wartende Fußgänger an einem Zebrastreifen nicht erkannt hatte.

Das Cockpit eines autonomen VW ID. Buzz AD. Die BVG testet solche Fahrzeuge in Berlin für den künftigen Einsatz autonomer Shuttles im öffentlichen Nahverkehr. / © Foto: BVG / Florian Bündig
Berlin: Termin für Fahrten mit autonomen Bussen noch nicht in Sicht
Auch wirtschaftlich bleibt der Schritt vom Versuch zum Alltag groß. Das Berliner NoWeL4-Projekt kostet laut TU Berlin insgesamt rund 18 Millionen Euro, davon stammen etwa 9,52 Millionen Euro aus Bundesmitteln. Nach dem Ende der Testphase 2027 soll zunächst die Zulassungsphase folgen. Voraussetzung für einen größeren Einsatz ist laut BVG eine Serienzulassung für den Flottenbetrieb von Level-4-Fahrzeugen.
Damit bleibt Berlin beim autonomen Fahren aktiv, verfolgt aber zunächst den Weg über den ÖPNV – und auch da ist der Zeithorizont nicht absehbar. Auch Hamburg arbeitet an autonomen Angeboten im Nahverkehr, während Brandenburg autonome Shuttles für dünner besiedelte Regionen prüft.
NoWeL4: Autonome Shuttles der BVG
Quellen: DIE ZEIT, Tagesspiegel, Uber, Wayve, London Assembly, BVG, Technische Universität Berlin, Bundesministerium für Verkehr
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


