In Hamburg-Marienthal wächst derzeit ein Wohnprojekt, das weit über den Stadtteil hinaus Beachtung findet. Nur wenige Monate nach der Grundsteinlegung wurde nun Richtfest gefeiert. Dabei geht es nicht nur um 90 neue Wohnungen, sondern auch um die Frage, wie viel günstiger Wohnungsbau tatsächlich werden kann.

Morellenquartier Hamburg-Marienthal
Im Morellenquartier entstehen sechs Neubauten mit 90 öffentlich geförderten Wohnungen. Das Vorhaben gehört zu den Pilotprojekten des Hamburg-Standards.

© Titelbild: LRW Architektur & Stadtplannug

 

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In Hamburg-Marienthal hat die HANSA Baugenossenschaft am Donnerstag Richtfest für das Morellenquartier gefeiert. Das Projekt gehört zu den ersten Vorhaben, die den neuen Hamburg-Standard praktisch erproben. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit: Neben Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein besuchte auch Bundesbauministerin Verena Hubertz die Baustelle.

  • Bezirk: Wandsbek
  • Adresse: Schimmelmannstraße 73, 22043 Hamburg
  • Wohnungen: 90 geförderte Mietwohnungen
  • Gebäude: sechs dreigeschossige Typenhäuser
  • Fertigstellung: geplant für März 2027

Erst im Juni war an der Schimmelmannstraße der Grundstein für die 90 Wohnungen im Morellenquartier gelegt worden. Rund drei Monate später stehen die Gebäude bereits so weit, dass Richtfest gefeiert werden konnte. Das hohe Tempo hängt auch mit der Konstruktion zusammen: Massive Treppenhäuser aus Beton werden mit weitgehend vorgefertigten Holzelementen kombiniert. Fenster sowie Teile der Elektro- und Trockenbauarbeiten kommen bereits vorbereitet auf die Baustelle. Rund 120 Lkw-Ladungen mit Holzelementen waren für die Montage vorgesehen.

Morellenquartier in Hamburg: 90 Wohnungen ersetzen 40 alte Wohnungen

Für den Neubau ließ die HANSA fünf nicht mehr sinnvoll modernisierbare Häuser mit insgesamt 40 Wohnungen zurückbauen. An ihrer Stelle entstehen sechs kompakte, dreigeschossige Gebäude mit 90 überwiegend barrierefreien Wohnungen. Insgesamt umfasst der Neubau nach Angaben der Hamburger Initiative für kostenreduziertes Bauen rund 5.685 Quadratmeter Wohnfläche. Im Durchschnitt entfallen damit 63,1 Quadratmeter auf eine Wohnung.

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Alle 90 Wohnungen werden öffentlich gefördert. Dabei kommen der erste, zweite und dritte Förderweg zum Einsatz. Neun Wohnungen sind für vordringlich Wohnungssuchende vorgesehen. Das Neubauprojekt bildet zugleich nur einen Teil der größeren Quartiersentwicklung: Das Morellenquartier umfasst rund 3,5 Hektar mit bislang 222 Wohnungen in 13 Gebäuden und etwa 380 Bewohnerinnen und Bewohnern. Parallel zum Neubau modernisiert die Genossenschaft große Teile des Bestands.

Das Foto zeigt Vertreter von HANSA, OTTO WULFF, LRW Architektur und Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein bei der Grundsteinlegung für das „Morellenquartier“ in Hamburg-Marienthal. (v.l.n.r.: Stefan Wulff, Geschäftsführer OTTO WULFF Bauunternehmung GmbH - Dirk Hinzpeter, Vorstand HANSA Baugenossenschaft - Kilian Jonak, LRW Architektur - Carsten Weißgerber, Vorstand HANSA Baugenossenschaft - Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen)

Im Juni 2026 wurde der Grundstein für das Morellenquartier in Hamburg-Marienthal gelegt. Auf dem Areal entstehen sechs Neubauten mit insgesamt 90 öffentlich geförderten Wohnungen. / © Foto: HANSA Baugenossenschaft / Robert Schloßnickel

Hamburg-Standard soll Baukosten im Wohnungsbau deutlich reduzieren

Besonders genau wird auf die Kosten geschaut. Der Hamburg-Standard wird derzeit in mehreren Pilotprojekten erprobt. Die Stadt hatte gemeinsam mit mehr als 200 Fachleuten aus rund 100 Institutionen Möglichkeiten untersucht, Wohnungsbau einfacher und günstiger zu machen. Nach Angaben der Initiative können die identifizierten Maßnahmen die Baukosten insgesamt um bis zu ein Drittel senken.

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Im Morellenquartier zeigt sich nun erstmals konkret, was das bedeutet. Nach Angaben des NDR liegen die Kosten bei rund 3.600 Euro je Quadratmeter statt etwa 4.800 Euro bei einer konventionellen Umsetzung.

Keine Keller und Tiefgarage: Morellenquartier setzt auf einfacheres Bauen

Gespart wird unter anderem an Bauteilen, die für die eigentliche Wohnnutzung nicht zwingend erforderlich sind. Die sechs Häuser erhalten keine Untergeschosse und keine Tiefgarage. Stauraum entsteht stattdessen unter dem Dach. Auch Aufzüge gibt es nur dort, wo sie erforderlich sind. Balkone stehen auf eigenen Stützen, statt aufwendig an der Gebäudekonstruktion befestigt zu werden. Beim Schallschutz und bei der Gebäudetechnik setzt die Planung ebenfalls auf reduzierte Lösungen.

Hinzu kommt die serielle Konstruktion. Die sechs Typenhäuser basieren auf wiederkehrenden Bauteilen und einem hohen Grad an Vorfertigung. Nach den offiziellen Projektangaben kommen unter anderem Holzbauteile für Decken, Dach sowie Außen- und Innenwände zum Einsatz. Die Gebäude erfüllen den Standard des Gebäudeenergiegesetzes; auf eine zusätzliche Gebäudezertifizierung wird verzichtet.

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Bundesbauministerin sieht Hamburg-Standard als mögliches Modell

Das Richtfest bekam deshalb auch bundespolitische Aufmerksamkeit. Bundesbauministerin Verena Hubertz sieht in dem Hamburger Ansatz ein mögliches Modell über die Hansestadt hinaus. Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein wertete das Morellenquartier wiederum als ersten praktischen Nachweis dafür, dass sich die Prinzipien des Hamburg-Standards tatsächlich auf der Baustelle umsetzen lassen.

Bis zum endgültigen Praxistest fehlt allerdings noch ein entscheidender Schritt: die Fertigstellung. Nach aktuellem Projektplan sollen die sechs Häuser im Frühjahr 2027 fertig werden. Dann wird sich auch genauer beurteilen lassen, welche der im Morellenquartier getesteten Lösungen sich auf weitere Wohnungsbauprojekte übertragen lassen.

 

Quellen: NDR, HANSA Baugenossenschaft, Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen Hamburg, LRW Architektur und Stadtplanung

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