Weniger Beton, mehr Sport für alle: Mit „RESTART JSP“ präsentiert die Berliner „Bürgerinitiative Jahnsportpark“ eine grünere, bedarfsgerechte Alternative zur umstrittenen Neugestaltung des Jahnsportparks in Prenzlauer Berg. Ziel ist, den kürzlich beschlossenen Bebauungsplan noch einmal signifikant anzupassen, doch dafür braucht es die Gesprächsbereitschaft des Berliner Senats.

Statt Mega-Stadion und Eventfokus schlägt die Bürgerinitiative Jahnsportpark einen ressourcenschonenden Umbau des historischen Sportareals vor. „RESTART JSP“ setzt auf Inklusion, Nachhaltigkeit und Dialog. Derweil wird im Jahnsportpark weiter abgerissen. / © Foto: © IMAGO / Rolf Zöllner
© Visualisierung Titelbild: Bürgerinitiative Jahnsportpark
Am 26. Juni 2025 hatte das Berliner Abgeordnetenhaus den Bebauungsplan für den westlichen Teil des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks beschlossen. Geplant ist, das ist nicht neu, ein barrierefreies Sportareal mit einem neuen Stadion, einer Multifunktionshalle und weiteren Sport- sowie Verwaltungsgebäuden.
Trotz politischer Mehrheit stieß das Vorhaben, auch das ist nicht neu, auf deutliche Kritik von Bürgerinitiativen und der Linksfraktion. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark würdigte zwar das durchgeführte Bebauungsplanverfahren, bemängelte jedoch erhebliche Änderungen gegenüber der ursprünglichen Planung, die ihrer Ansicht nach zulasten der Anwohnerschaft ausgefallen sind.
Bürgerinitiative Jahnsportpark kritisiert geplante bauliche Verdichtung in Prenzlauer Berg
Die geplante bauliche Verdichtung – insbesondere das große Stadion und die Halle – wird als überdimensioniert kritisiert. Auch der geplante Verlust an Grünflächen und die Fällung von über 170 Bäumen stoßen auf Widerstand, da sie dem lokalen Mikroklima schaden könnten.
Darüber hinaus wird das Verkehrskonzept als unzureichend bewertet, da es keine realistischen Lösungen für künftige Veranstaltungsbelastungen bietet. Bürgerinitiative und Linksfraktion fordern eine alternative Planung mit Sanierung des bestehenden Stadions, Erhalt der Sportwiese und einer stärkeren Ausrichtung auf Breiten- und Inklusionssport.
„RESTART JSP“: Bürgerinitiative macht eigenen Vorschlag für Sportpark-Entwicklung
Nun wagt die Bürgerinitiative proaktiv einen eigenen Vorstoß, den sie „RESTART JSP“ nennt – also einen Neustart für Areal des Friedrich-Ludwig-Jahnsportparks an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Das vorgestellte Konzept sieht ebenfalls einen Umbau des bestehenden Areals an, allerdings, so stellen es die Initiatoren dar, deutlich zurückhaltender und klimaorientierter.
Die Bürgerinitiative beschreibt ihr Konzept in einer offiziellen Mitteilung wie folgt: „Ziel des neuen Szenarios ist ein zukunftsfähiger Sportpark, der sich am tatsächlichen Bedarf orientiert, den grünen Charakter des Areals erhält und Steuergelder maßvoll verwendet.“
Ziel: Zukunftsfähiger Sportpark, der sich am tatsächlichen Bedarf orientiert
Das alternative Szenario „RESTART JSP“ verfolgt demnach das Ziel, einen zukunftsfähigen Sportpark zu schaffen, der sich am tatsächlichen Bedarf orientieren, den grünen Charakter des Areals bewahren und öffentliche Mittel verantwortungsvoll einsetzen soll, wie es heißt. Im Zentrum soll dabei ein ganzheitlicher Ansatz stehen, der dem Breiten-, Schul- und Vereinssport Vorrang einräumt und zugleich eine inklusive, barrierefreie Nutzung sicherstellen will.
Statt auf großdimensionierte Neubauten mit kommerziellem Fokus zu setzen, plädieren die Macher hinter „RESTART JSP“ für eine deutlich reduzierte bauliche Verdichtung und eine ressourcenschonende, nachhaltige Entwicklung, wie sie es nennen. Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist der maßvolle Bau einer Sporthalle für inklusiven Sport – genau an jener Stelle, an der durch den Abriss der Osttribüne derzeit eine bauliche Lücke entstanden ist.
Cantianstadion: Inklusiver Hallen-Neubau soll anstelle der abgerissenen Tribüne entstehen
Mit diesem Ansatz soll ein realisierbarer und „verantwortungsvoller Ausweg“ aus der festgefahrenen Planungssituation aufgezeigt. Das Szenario versteht sich als Angebot, das sowohl die historische Bedeutung des Standorts als auch die aktuellen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Anforderungen Berlins in den Blick nimmt.
Theresa Keilhacker, ehem. Präsidentin der Architektenkammer Berlin, hat das Konzept mit erarbeitet und äußert sich dazu wie folgt: „Beim Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gilt weiterhin das Nachhaltigkeitsleitbild: Bestandsertüchtigung vor Neubau! Nach dem brutalen Abriss des markanten Flügeldaches durch die Senatorin Spranger plädiere ich jetzt für eine ressourcenschonende Variante, die möglichst bald wieder für den Breiten-, Schul- und Vereinssport nutzbar ist.“
Bürgerinitiative Jahnsportpark: „Aktueller Bebauungsplan ist ein Horrorszenario“
Alexander Puell von der Bürgerinitiative Jahnsportpark wird in seiner Kritik am kürzlich verabschiedeten Bebauungsplan mehr als deutlich: „Der B-Plan 3-87 ist ein Horrorszenario, mit dem die Senatsverwaltung den traditionsreichen Sportpark entkernen und zum Eventpark verunstalten will. Höchste Zeit also für einen Plan B, der die bestehenden Qualitäten des Sportparks ausbaut und zeitnah weitere Angebote für den Inklusions- und Breitensport schafft.“
Stadtplaner Carl Herwarth von Bittenfeld (Mitglied des Vorstands der Architektenkammer Berlin), schlägt in eine ähnliche Bresche: „Diesen Konzeptansatz halte ich für sehr gut nachvollziehbar und zweifelsohne bietet dieser Ansatz nicht nur eine Reihe ökologischer Vorteile, sondern auch erhebliche finanzielle Entlastungen für den Berliner Haushalt. Dies ermöglicht gegenüber dem prämierten Wettbewerbsentwurf sehr überschaubare, deutlich kürzere Realisierungszeiträume für alle geplanten Maßnahmen. Darüber hinaus verdeutlicht das Szenario sehr gut, wie der Genius loci des Ortes als inklusiver Sportpark für breite Bevölkerungsschichten und Nutzer*innen-Gruppen bewahrt werden kann.“
Ziel der Initiatoren: Austausch mit dem Berliner Senat und Anpassung des Bebauungsplans
Auch Professor Johannes Verch von der Initiative NOlympia unterstützt den Vorstoß der Bürgerinitiative und befürchtet ebenfalls einen Missbrauch des Sportparks für Großveranstaltungen und populäre Sportevents, die sich stark negativ auf den Amateur- und Breitensport auswirken könnten. Was die Initiatoren wollen ist ein Dialog mit dem Berliner Senat, um die begonnenen Planungen noch einmal anzupassen.
Die Begeisterung auf Seiten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen wird sich mutmaßlich wohl in Grenzen halten, da allein die Erstellung des nun gültigen Bebauungsplans viele Jahre in Anspruch genommen hat. Dennoch hoffen die Initiatoren des neuen Konzepts, das Konzept „RESTART JSP“ ins Gespräch bringen zu können. Bei der Diskussion um die Neugestaltung des in die Jahre gekommenen Sportareals in Prenzlauer Berg wurde mit großer Wahrscheinlichkeit ein weiteres, ganz neues Kapitel aufgeschlagen.
Quellen: Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, Bürgerinitiative Jahnsportpark, NaturFreunde Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, LOR Landschaftsarchitekten, Verein Pfeffersport, Bürgerverein Gleimviertel, rbb, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Architektenkammer Berlin, NOlympia
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Die Kosten sollte man auch im Blick behalten, die Finanzierung des Neubau ist nicht gesichert, und das Geld wird nicht mehr.