Der österreichische Immobilienunternehmer René Benko ist in Innsbruck zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil steht im Zusammenhang mit der Insolvenz seines Signa-Konzerns und könnte den Auftakt zu weiteren Verfahren bilden. Auch zahlreiche Bauprojekte in Berlin und Hamburg sind von den wirtschaftlichen Folgen betroffen.

Visualisierung des ehemaligen Signa-Projekts „P1“ an der Passauer Straße 1–3 in Berlin. Nach dem Stillstand der Bauarbeiten übernimmt nun der Hamburger Projektentwickler Quantum das Vorhaben. Bis Anfang 2027 soll hier eine moderne Büro- und Einzelhandelsimmobilie entstehen, die auf dem Grundstück des früheren KaDeWe-Parkhauses realisiert wird. / © Visualisierung: Signa Real Estate
© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Der österreichische Unternehmer René Benko ist in einem ersten Verfahren wegen Konkursvergehen schuldig gesprochen worden. Das Landesgericht Innsbruck verhängte eine zweijährige Haftstrafe, nachdem die Richter zu dem Schluss kamen, dass Benko Vermögenswerte beiseitegeschafft hatte, um Gläubiger zu benachteiligen. Nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA ging es um 660.000 Euro, von denen Benko 300.000 Euro an seine Mutter überwiesen hatte. Diese Zuwendung wurde als unzulässige Vermögensverschiebung bewertet.
Die restlichen 360.000 Euro hatte Benko als Vorauszahlung für Miet- und Betriebskosten einer Villa gezahlt. In diesem Punkt sah das Gericht keinen strafbaren Tatbestand und sprach ihn frei. Die Strafe wurde als unbedingt ausgesprochen, sie kann also nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, und Benkos Anwalt kündigte an, Rechtsmittel zu prüfen.
Prozessauftakt in Innsbruck und wirtschaftlicher Hintergrund: Signa-Insolvenz im Fokus
Das Verfahren gilt als Beginn einer ganzen Reihe möglicher Prozesse rund um die Insolvenz des Signa-Konzerns. Das weit verzweigte Unternehmensgeflecht aus über 1.000 Gesellschaften war im Herbst 2023 zusammengebrochen, nachdem steigende Zinsen und Managementfehler das Geschäftsmodell unter Druck gesetzt hatten. Die Gläubiger fordern nach bisherigen Schätzungen mehrere Milliarden Euro zurück.
Benko hatte in den vergangenen Jahren auch in Deutschland für Aufmerksamkeit gesorgt, insbesondere durch den Erwerb der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof. Diese Investitionen, die ursprünglich als Expansionsschritt gedacht waren, erwiesen sich im Rückblick als weitere Belastung für die Signa-Gruppe.
Folgen der Insolvenz für Projekte in Berlin: Signa-Projekte im Wandel nach langem Stillstand
In Berlin zeigt sich die Insolvenz besonders deutlich. Noch immer liegen Bauprojekte aus dem Portfolio der Signa-Gruppe brach oder werden umgeplant. Das gilt zum Beispiel für das Karstadt-Gebäude am Hermannplatz. Gleichzeitig übernehmen neue Investoren einige der Bauvorhaben.
Das Hochhausprojekt „Mynd“ am Alexanderplatz wird inzwischen von Commerz Real weitergeführt, während in der Passauer Straße der Hamburger Entwickler Quantum das frühere Projekt „P1“ übernommen hat. In der Tauentzienstraße hat der Projektentwickler Midstad ein Projekt üernommen. Diese Entwicklungen zeigen, dass trotz der wirtschaftlichen Unsicherheit Bewegung in den Berliner Immobilienmarkt kommt.
Neue Perspektive für ein Hamburger Hochhaus: Stadt plant Einstieg beim Elbtower-Projekt
Auch in Hamburg gibt es neue Perspektiven für ein weiteres Projekt der Signa-Gruppe. Die Stadt will für 595 Millionen Euro einen erheblichen Teil des Elbtowers erwerben, um dort das geplante Naturkundemuseum unterzubringen. Damit könnte die seit Monaten stillstehende Baustelle am Ostende der HafenCity wieder aktiviert werden. Rund 46.000 Quadratmeter sollen künftig dem Museum zur Verfügung stehen, was etwa 48 Prozent der Gesamtfläche entspricht.
Das von David Chipperfield entworfene Hochhaus soll nach den aktuellen Plänen nicht mehr 245, sondern 199 Meter hoch werden. Damit könnte das Projekt zwar nicht mehr zu Deutschlands dritthöchstem Gebäude werden, es würde aber einen wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung der HafenCity geben.
Aussichten für Signa-Gläubiger: Langwierige Verfahren und geringe Rückflüsse der Gelder
Für die Gläubiger von Signa stehen die Chancen auf Rückzahlungen derzeit schlecht. Die Insolvenzverwalter berichten von Forderungen in zweistelliger Milliardenhöhe, denen nur geringe Vermögenswerte gegenüberstehen. Erste Verkäufe von Beteiligungen und Grundstücken brachten lediglich einen Bruchteil der offenen Summen ein. Viele Immobilien werden derzeit unter Wert veräußert, was die Rückflüsse weiter schmälert.
Da das Firmengeflecht aus zahlreichen Gesellschaften besteht, gestaltet sich die Aufarbeitung komplex und langwierig. Vorrangig werden Banken und institutionelle Gläubiger berücksichtigt, während kleinere Investoren oft mit deutlich geringeren Quoten rechnen müssen. Fachleute gehen davon aus, dass die juristische und wirtschaftliche Aufarbeitung mehrere Jahre dauern wird, bevor endgültige Ergebnisse vorliegen.
Quellen: dpa, WELT, ntv, ARD-aktuell / tagesschau, SZ, Signa Real Estate, BERLIN Live, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
2 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Da soll sich mal HH beeilen den Elbtower-Anteil zu kaufen. Denn bald werden sie für so etwas
kein Geld mehr übrig haben, nachdem ihr neuerlicher Volksentscheid indirekt beschlossen
hat, die Industriebetriebe der Stadt zu killen (denn genau das wird jetzt passieren) und
man am Ende nur noch Glasmurmeln zum Bezahlen haben wird.
Hamburg steht leider vor sehr schwierigen Zeiten, siehe Meeresspiegelanstieg in Metern in den kommenden Jahrzehnten und die entsprechenden Sturmfluten. Dadurch werden Immobilien wohl in fast allen Küstenregionen sehr starken Preisschwankungen ausgesetzt bis zum kompletten Verlust.
Zitat: Der Klimawandel ist eine Tatsache und Hamburg trägt ihm Rechnung, wo immer es geht. Hamburg hat einen ehrgeizigen Klimaplan, eines der weitreichendsten Klimaschutzgesetze auf Landesebene, und Klimaschutz ist herausragendes Thema des Regierungsprogramms. Als Großstadt an einem der großen europäischen Flüsse mit ausgeprägtem Tidenhub ist Hamburg auf effizienten und verlässlichen Hochwasserschutz angewiesen. Die Hochwasserszenarien werden laufend angepasst. Dabei spielen der durch den Klimawandel ausgelöste Anstieg des Meeresspiegels und das zunehmende Extremwetter eine ganz wesentliche Rolle. Ziel ist der Schutz von Leben und Eigentum der Menschen hinter den Haupt- und Sekundärdeichen.
Nach dem Bau des Tatenberger Deichsiels und der Tatenberger Schleuse 1952 wurden die Deiche an der Dove-Elbe so gut wie nicht mehr verändert. Grund ist, dass durch Siel und Schleuse in Jahrzehnten keine Schäden durch Hochwasser eingetreten sind. Dadurch ist die Bedeutung dieser Deiche für die tief liegenden Gebiete aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Die Folge ist, dass auf und beiderseits der Deiche gebaut worden ist (Garagen, Gärten, Auffahrten, Häuser), einiges davon bis heute nicht genehmigt. Dadurch ist die Pflege der Deiche im Sinn des Hochwasserschutzes für die Allgemeinheit so sehr erschwert, dass ihre Unterhaltung nicht mehr den geltenden Anforderungen entspricht.
https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bukea/themen/wasser/hochwasser/sekundaerdeiche-176524
https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bukea/themen/wasser/hochwasser