Der Winter 2025/2026 legt offen, was viele längst spüren: Die Berliner Verwaltung versagt bei zentraler Infrastruktur. Während Millionen an Fördermitteln ungenutzt bleiben, kämpfen Sportvereine wie die VSG Altglienicke um Trainingsplätze und Perspektiven.

In Berlin mangelt es nicht an ambitionierten und erfolgreichen Sportvereinen – doch die Sport-Infrastruktur der Stadt hängt den Anforderungen an moderne Sportstätten an vielen Stellen deutlich hinterher. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Wikimedia Commons, Sandro Halank (CC BY-SA 4.0)
Der Winter 2025/2026 hat die Defizite der Berliner Verwaltung gnadenlos aufgezeigt. Wochenlang war es nicht möglich, ohne Gefahr des eigenen Leibes und Lebens auf die Straße zu gehen. Berlin verfügt über ein deutliches Plus an Steuereinnahmen (als ursprünglich kalkuliert). Dennoch versagt die Verwaltung immer wieder bei kleinsten Ereignissen wie Schneefall oder Stromausfall.
Der Flugverkehr bricht ebenfalls zusammen, obwohl zahlreiche Länder der Welt monatelang mit Minusgraden und Eisregen reibungslosen Flugverkehr sicherstellen können (wie etwa am Flughafen Svalbard).
Berlin im Winter-Modus: Weniger Touristen, dysfunktionale Infrastruktur
Na gut. Es kommen halt ein paar Touristen weniger in diese Stadt, um hier ihr Geld auszugeben und dafür bleiben andere, die nicht verreisen können. Ohnehin ist Berlin dem „Overtourismus“ gegenüber abgeneigt. Einnahmen benötigt unsere Tourismuswirtschaft schließlich nicht.
Aber was passiert mit der Berliner Bevölkerung in Sachen Sport, wenn Schnee, Eis und Glätte ins Land brechen? Gut 236.000 Kinder und Jugendliche sind in Berliner Sportvereinen aktiv. Das entspricht etwa jedem zweiten Kind und Jugendlichen.
Berliner Sporthallen und Sportplätze können den großen Bedarf längst nicht decken
Allerdings ist die Infrastruktur an Sporthallen und Sportplätzen in Berlin lange nicht ausreichend und in weiten Teilen schlichtweg marode. Fußballvereine müssen Kinder und Jugendliche aus Platzmangel zurückweisen.
Hallen verfallen und werden durch begrenzte Staatsdienst-Öffnungszeiten außerdem limitiert zugänglich gemacht. Nicht selten teilen sich Mannschaften den wenigen Platz, um überhaupt Beschäftigung zu erhalten. Wie soll da Spitzensport gefördert werden können? Die Leistungen der Deutschen Athleten im Wettbewerb zu anderen Nationen (beispielsweise bei Olympischen Spielen) geht stetig zurück.
Sport ist ein der wichtigsten integrativen Möglichkeiten unserer Gesellschaft
Sport ist neben der Arbeitstätigkeit die wichtigste integrative Möglichkeit, um Menschen aus unterschiedlichen Herkunftssituationen zusammenzubringen. Schauen wir uns beispielsweise den Verein VSG Altglienicke an.
Der Verein beherbergt gut 1.100 Sportler und Sportlerinnen, zahlreiche Sportarten und eben auch Dutzende Mannschaften für 550 Kinder und Jugendliche beim Fußball. Die erste Mannschaft spielt seit fast 10 Jahren in der Regionalliga Nordost überregional und ist somit nach Union Berlin und Hertha BSC das sportlich bedeutendste Aushängeschild Berlins.
VSG Altglienicke: Wo spielt der Verein beim Aufstieg in die 3. Liga?
Jede Amateur- und Profimannschaft benötigt vom Verband festgelegte Anforderungen an eine Spielstätte. Für die dritte Bundesliga beispielsweise benötigt der Verein ein Fassungsvermögen von 5.000 Zuschauern, beheizbare Rasenplätze, getrennte Gästebereiche sowie Überdachungen.
In Berlin gibt es neben dem Olympiastadion und der Alten Försterei nur noch das kürzlich modernisierte Mommsenstadion, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Die im Südosten Berlins beheimatete VSG Altglienicke hat kein Regionalliga-taugliches Stadion.
Altglienicke wird deshalb seit vielen Jahren als Nomade in unterschiedlichen Stadien als Gast geduldet, derzeit in der Brandenburger Gemeinde Fürstenwalde. Dasselbe gilt für die Trainingsstätte. Im Berliner Stadtteil Altglienicke reicht die Kapazität nicht für die Kinder und Jugendlichen aus.
Trainingsplätze und Stadionpläne: Blockierte Steuergelder verhindern Ausbau der Kapazitäten
Im Ausweichquartier des Willy-Sänger-Areals in der Köpenicker Landstraße wäre Platz genug, wenn die Ausstattung aufgewertet würde. Treptow-Köpenick hat bereits 2021 im Rahmen der integrierten Sportentwicklungsplanung die Weiterentwicklung der Anlage vorgesehen.
4,3 Millionen Euro Steuermittel stehen bereit, wovon der Bund 1,3 Millionen Euro bezuschusst. Seit fünf Jahren steht allerdings trotz dieser verfügbaren Gelder jede Erneuerungsaktivität still. Der Bezirk schafft es nicht, die entsprechende Genehmigungsplanung zu erstellen, geschweige denn die Mittel einzusetzen, wofür sie gedacht sind: den Ausbau des Willy-Sänger-Sportplatzes.
Das ist kein Einzelfall. Trotz der höchsten Anzahl von Mitarbeitenden aller Zeiten im Öffentlichen Dienst schafft es die Berliner Verwaltung offenbar nicht, wichtigste Infrastrukturprojekte für die Gesellschaft im Sport umzusetzen geschweige denn anzustoßen. Ein ähnliches Beispiel zeigt sich im benachbarten Bezirk Lichtenberg und dem dortigen Hans-Zoschke-Stadion des SV Lichtenberg 47.
Verwaltung und Politik: Wann bekommt der Berliner Sport mehr als leere Ankündigungen?
Es wäre so einfach, diese Gelder einfach im Rahmen von public-private-partnership schlichtweg dem Verein zu geben und ihn das Projekt eigenständig umsetzen zu lassen. Dort liegt das primäre Interesse für eine schnelle und nachhaltige Umsetzung der Aufwertung und mit Sicherheit auch ein verantwortungsvoller Umgang mit den verfügbaren finanziellen Mitteln.
Es ist und bleibt allerdings kompliziert und langwierig, nicht nur bei diesem Beispiel. Verwaltung und Politik scheinen über Marketing-Ankündigungen hinaus für rechtzeitige Wiederwahlvorhaben nichts mehr umsetzen zu können, ein politisches Armutszeugnis. Man könnte denken, in Berlin ist immer Winter.
Quellen: VSG Altglienicke, Landessportbund Berlin, SV Lichtenberg 47
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4 Kommentare
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Der Artikel trifft den Kern: Sport ist integrativer Bestandteil unserer Gesellschaft.Wenn Sporthallen und Fußballplätze fehlen, ist das kein Luxusproblem für Hobbymannschaften,sondern ein gesellschaftliches Defizit.
naja… dher Text liest sich wie ein politischer Rundumschlaag. Klar läuft nicht alles rund, aber so wird die Debatte unnötig aufgeheizt, finde ich.
Berlin schafft’s einfach nicht. Fördergelder da, Planung da, aber kein Stadion Willkommen im Verwaltungsparadies.
Also ich bin viel im Berliner Sportunterwegs und man findet beides – völlig marode Sportstätten und dann wieder ganz moderne, neu errichtete Hallen. Es hängt davon ab, wo man wohnt, wie viele Einwohner auf einem km² leben, etc… also ganz so schwarz seh ich es nicht, aber auf jeden Fall gibt es ein Defiit für mannschaften, die in den Profibereich wollen, das ist ja nicht nur bei Altglienicke so, auch Hertha Zehlendorf musste zu Viktoria ausweichen, weil der Bezirk es nicht geschafft hat, das Ernst Reuter Stadion umzurüsten, und es gibt noch zahllose weitere Beispiele. Schön wäre es natürlich, wenn sich di eVereine selbst helfen könnten, da fehlt ein neues Instrument.